Stillstand bei Friseuren: „Ein Randl halten wir aus“. Friseure zählen zu betroffenen Berufsgruppen. Hollabrunner Urgestein bleibt frohen Mutes.

Von Sandra Frank und Romana Schuler. Erstellt am 02. April 2020 (05:47)
Walter Scheuer hat seinen Humor nicht verloren: „Was soll ich denn sonst machen? Ärgern schadet der Schönheit!“
Gschwindl

Walter Scheuer ist als Frisörmeister eine Institution in der Bezirkshauptstadt. „Ich hab‘ mir gerade ein Kipferl gekauft und geh‘ ins G’schäft auf einen Kaffee, damit die Maschine hin und wieder läuft und nicht verkalkt“, erzählt er der NÖN über seine aktuelle Situation. Sonst ist sein Salon in der Theodor Körnergasse leer. Die vier Mitarbeiterinnen hat er in Corona-Kurzarbeit geschickt.

Miete, Versicherungen und Heizkosten laufen. Dem stehen keine Einnahmen gegenüber. „Wir werden das schon ein Randl aushalten“, meint Scheuer. „Wennst mit der Bank gut bist, dann geht das“, scherzt der Hollabrunner. Es sei aber eine „große Sache“, dass Unternehmer die Kosten für ihre Mitarbeiter vorfinanzieren müssen. Kurioses fand der Coiffeur ebenfalls heraus: „Ich bin zwar ausfallversichert, aber ein Virus ist da nicht drin.“

Erste Friseurmontag seit 32 Jahren?

Scheuer jedenfalls ist gespannt, wie viel der 38 Milliarden des Hilfspakets, das die Regierung für Unternehmern geschnürt hat, auf seinen Betrieb entfallen werden. „Der Härtefonds ist schön und gut, aber da bekommen ja nur ein paar Prozent der Betriebe etwas“, meint er und hofft, dass er mit Anfang Mai seinen Salon wieder aufsperren kann, auch wenn der 4. Mai ein Montag ist: „Ich hab‘ 32 Jahre am Montag nicht aufgesperrt, aber dann würde ich das für die Kunden natürlich tun.“

In Untermarkersdorf betreibt Silva Reichardt seit sechs Jahren ihren Friseursalon. Da sich dieser in ihrem Eigenheim befindet, wird zumindest keine Miete fällig, während das Geschäft wegen Covid-19 seit 16. März geschlossen ist.

„Wir sind schon vorher vonseiten der Wirtschaftskammer über die gesundheitlichen Maßnahmen laufend informiert worden, wobei es für mich selbstverständlich ist, dass ich meine Hände wasche und meine Werkzeuge nach jeder Kundschaft entsprechend desinfiziere“, betont Reichardt, deren Wiener Vorfahren sich um 1900 mit ihrem Friseurhandwerk in Haugsdorf niedergelassen haben. Die Zeit nutzt sie nun auch dafür, auf ihrem weißen Klavier im Wohnzimmer zu spielen. Gemeinsam mit ihrem Mann sei sie gut versorgt.

Neben ihrer Arbeit im Salon bietet Reichardt für ältere und wenig mobile Menschen Hausbesuche an. Diese müssen nun natürlich auch ausbleiben, wie Landesinnungsmeisterin Silvia Rupp mahnt. Nun Privattermine auszumachen, sei grob fahrlässig. Es sei „Schwarzarbeit“ und trage zur Verbreitung des Coronavirus bei.