Tägliche Turnstunde: Neuer Anlauf für mehr Sport. Kommt neue Bewegung in die alte Forderung? Im Bezirk ist man um Alternativen bemüht.

Von Raphael Krapscha. Erstellt am 23. August 2019 (05:51)
NÖN
Bewegung darf kein Stiefkind sein. In den Sportklassen, in denen sich die Schüler täglich bewegen, könne beobachtet werden, dass derenKonzentration in anderen Fächern steigt, sagt Werner Althammer.

Zum Schulende 2019 unterstützten alle Parlamentsparteien den Entschließungsantrag zu einer täglichen Bewegungseinheit an Pflichtschulen, die vom Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) eingefordert wird. Binnen fünf Jahren soll diese bundesweit erreicht sein, während sie an Ganztagsschulen bereits umgesetzt ist.

Wer rastet, der rostet – dieses Sprichwort kennen die meisten seit ihrer Schulzeit. Genau dort, in der Schule, rosten derzeit aber viele Kinder und Jugendliche vor sich hin, denn es mangelt ihnen an Bewegung. Der ÖOC-Antrag findet Zuspruch bei Sportdachverbänden und „wahrscheinlich auch sehr vielen Pädagogen“, meint Brigitte Ribisch, Bildungs- und Qualitätsmanagerin im Weinviertel, die einräumt: „Bei einigen Kindern merkt man schon, dass ihnen die Bewegung fehlt.“

Eine Rolle vorwärts oder das Balancieren über einen Balken stellen heute weitaus größere Probleme für viele Schüler dar, als es früher der Fall war, weiß Ribisch, dass viele Kinder heute lieber vor dem Computer säßen, als sich im Freien zu bewegen.

Eltern haben kaum Zeit für die Kinder …

Der Bezirkssportkoordinator der Mittelschulen und Volksschulen im Bezirk Hollabrunn, Werner Althammer, meint: „In Zeiten, in denen die Eltern kaum Zeit haben, mit ihren Kindern am Nachmittag etwas Sportliches zu unternehmen, wäre eine tägliche Turnstunde natürlich sehr zu begrüßen.“

Hürden sehen jedoch beide in der Umsetzung. „Derzeit ist die Stundentafel gesetzlich geregelt. Das heißt, dass man in den verschiedenen Schulstufen eine gewisse Anzahl an Wochenstunden nicht überschreiten darf“, erklärt die Bildungsmanagerin. Viele Schulen würden diese Regelung bereits umgehen, indem sie „freiwillige Turnstunden“ anbieten. Diese würden von vielen jedoch nicht angenommen.

Die Etablierung einer verpflichtenden Turnstunde setze also eine gesetzliche Erhöhung der Wochenstunden voraus. „Dafür bin ich ganz klar“, betont Ribisch, „jedoch nicht nur, was den Sport angeht. Auch andere Fächer könnten eine Stunde mehr vertragen.“ Sie fordert dabei keine drastische Erhöhung: „Zwei bis drei Stunden mehr in der Woche würden die Kinder wahrscheinlich nicht stören und den Pädagogen mehr Raum geben, bestmöglich zu unterrichten.“ Aber: „Wer wird die zusätzlichen Stunden bezahlen?“

„Wir rufen alle Schulen dazu auf, auch während des Unterrichts kleinere Bewegungseinheiten einzubauen“Brigitte Ribisch, Bildungs- und Qualitätsmanagerin im Weinviertel

Althammer verweist auf ein logistisches Problem: „Wenn sämtliche Klassen aller Schulen jeden Tag eine Turnstunde abhalten müssen, braucht man erstens sehr viele ausgebildete Turnlehrer und vor allem auch sehr viele Turnhallen.“ Weder Lehrer noch Hallen stünden derzeit zur Verfügung.

Auch ohne gesetzliche Erhöhung der Stundentafel werde indes ständig nach Alternativen gesucht. „Wir rufen alle Schulen dazu auf, auch während des Unterrichts kleinere Bewegungseinheiten einzubauen“, so Ribisch. Aus einem Diktat könne man leicht ein „Laufdiktat“ machen, multiplizieren im Mathematik-Unterricht könne man auch, während man Stiegen steigt.

„Wir sind sehr bemüht, dass sich die Schüler zumindest 50 Minuten am Vormittag bewegen, auch ohne verpflichtende Turnstunde. Die meisten Schulen bieten zum Beispiel an, mit ihren Schülern während der Pausen ins Freie zu gehen“, erklärt Althammer. In den letzten Jahren habe sich an den Schulen im Bezirk dahingehend „einiges getan“. Auch freiwillige Sporteinheiten und Ausflüge zu Sportstätten oder zu Fußballspielen würden, so Althammer, immer öfter angeboten und von den Schülern genutzt.