Hollabrunn

Erstellt am 16. Mai 2018, 05:27

von Christian Pfeiffer

Weinviertel Bonus Card: Eine Karte ohne Mehrwert. Nur fünf Unternehmen sind aktuell dabei – und das wahrscheinlich nicht mehr lange.

Hannes Weitschacher (Weinviertel Tourismus), LandtagsabgeordneterKurt Hackl, Rupert Rieder und Wolfgang Seltenhammer von der Erste Bank waren 2013 die Geburtshelfer der Bonus Card.  |  www.weinviertel.at

„Ah, Sie meinen die NÖ Card“, oder „Was für eine Karte?“, sind die häufigsten Reaktionen, wenn man im Bezirk nach der Weinviertel Bonus Card fragt. Kaum einer kennt sie, daher findet sie auch kaum Verbreitung.

Bei der Weinviertel Bonus Card erhalten Kartenbesitzer Ermäßigungen in Form eines Prozentsatzes des Einkaufs oder Eintritts. Der Bonus wird auf die Karte gebucht und kann bei Akzeptanzpartnern eingelöst werden. Dadurch sollte einerseits die Kaufkraftbindung für Weinviertler Produkte und Dienstleistungen gesteigert und andererseits das touristische Angebot optimiert werden.

Geschrumpft: Von 23 noch fünf Betriebe übrig

Waren zu Beginn des Projektes – anlässlich der Niederösterreichischen Landesausstellung 2013 – noch 23 Betriebe im Bezirk daran beteiligt, sind es offiziell aktuell lediglich fünf. Ein Rundruf bei den teilnehmenden Unternehmen heißt für die Zukunft der Weinviertel Bonus Card im Bezirk jedoch nichts Gutes.

Ein Unternehmen der ersten Stunde war die Elektro Mörth GmbH, die seit März 2013 die Möglichkeit des Vorteils der Weinviertel Bonus Card bietet. Bei der Frage nach der Frequenz der Nutzung durch die Kunden antwortet Josef Ernst, der für Marketing und Organisation bei der Firma Mörth zuständig ist: „Es war schon einmal besser, es ist aber immer ein Auf und Ab und keine Regelmäßigkeit zu erkennen.“ Bei Mörth ist man zwar vom positiven Nutzen überzeugt, bemängelt aber die fehlende Werbung für die Card.

„Weinviertel Card war nicht attraktiv genug“

Der Erlebniskeller in Retz war ein touristisches Ausflugsziel, das man mit der Weinviertel Card aufsuchen konnte. Der Tourismusverein entschied sich jedoch, die Partnerschaft nicht weiterzuführen. „Die Weinviertel Card war nicht attraktiv genug, nie hat jemand nachgefragt“, erklärt Obmann Reinhold Griebler. „Wir mussten doch einen Beitrag bezahlen und hatten praktisch keine Einnahmen“, führt er aus. „Die NÖ Card ist weit bedeutender.“

Im Modehaus Schneider in Hollabrunn trägt man sich ebenfalls mit Ausstiegsgedanken. „Wir spüren keinen Erfolg und das Projekt ist für uns Unternehmer mit Kosten verbunden“, argumentiert Gerald Schneider ähnlich wie Griebler.

Gastronom Riepl hielt aus Solidarität drei Jahre durch

Gastronom Karl Riepl hatte mit der Implementierung des Systems in seine Bankomatkasse Schwierigkeiten, sodass er das System gar nicht nutzen konnte. Aber: „Ich habe das Projekt sonst sehr toll gefunden und aus Solidarität fast drei Jahre ohne Gegenleistung mitbezahlt.“

Der damalige Ideengeber des Projekts, der Landtagsabgeordnete Kurt Hackl, sieht die Zukunft der Weinviertel Bonus Card als Co-Partner für städtische Regionalkarten-Projekte: „Die Erfahrung zeigt, dass es nicht leicht ist, ein Kartenprojekt über das Weinviertel eigenständig und vor allem gewinnbringend zu betreuen, ohne die öffentliche Hand zu belasten.“

Immer mehr Städte im Weinviertel spielen mit dem Gedanken, digitale Regionalkarten einzuführen. Damit bleibe die Identität der Stadt erhalten. Das sei aber auch eine Chance für die Weinviertel Bonus Card, denn so eine „Stadtkarte“, inklusive der städtischen Dienstleistungen, könne gleichzeitig auch die Angebote und Funktionen der Weinviertel Bonus Card übernehmen.