Wildtiere-Rückkehr? „Der Wolf zieht bei uns nur durch“. Einige Wildtiere haben sich angesiedelt. Für den Wolf sei unsere Landschaft aber unpassend.

Von Sandra Donnerbauer und Franz Enzmann. Erstellt am 20. Februar 2019 (05:39)
NÖN-Archiv
Nationalpark-Direktor Christian Übl blickt der Rückkehr der Wildtiere mit Freude entgegen. Schutzmaßnahmen begrüßt er dennoch.

Einige einst abgewanderte Tiere sind in den Bezirk zurückgekehrt. Christian Übl, Direktor des Nationalparks Thayatal, berichtet davon, dass Wildkatze, Biber und Seeadler sich bei uns allmählich wieder ansiedeln. Sporadische Sichtungen von Elch, Wolf und zuletzt Goldschakal wurden dem Nationalpark gemeldet. Dieser führt Aufzeichnungen und eruiert, ob es sich tatsächlich um die seltenen Wildtiere handelt. Ein Elch wurde zuletzt im Vorjahr bei Hofern erblickt, einem Wolf begegnete ein Landwirt in Pillersdorf (die NÖN berichtete).

 

Für Übl ist das Ziel eines Nationalparks die freie Entwicklung der Natur, „insofern passt der Wolf sehr gut in unser natürliches Gefüge“. Allerdings weiß er, dass es für die Gesamtregion ein anderes Thema sei und sich der grenzüberschreitende Nationalpark über eine vergleichsweise kleine Fläche erstreckt. Ein kleines Wolfsrevier umfasst mindestens 100 Quadratkilometer und ist somit deutlich größer als das 77 Quadratkilometer große Schutzgebiet an der Thaya.

„Wir leben in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft. Weil es sehr lange keine Wölfe gegeben hat, fehlt bei uns die Erfahrung im Umgang mit dem Raubtier.“ Diese müsste man anpassen, will man im Einverständnis mit dem Wildtier leben. Weidehalter in Wolfsrevieren setzen Schutzmaßnahmen, um Risse zu vermeiden.

Bezirksjägermeister Karl Wittmann wurden bisher keine Wolfssichtungen gemeldet. „Es ist möglich, dass ein Rudel bei Streifzügen auch in Gebiete des Bezirks kommt. Die Tiere ziehen aber nur durch und kehren wieder in ihr Stammrevier im Waldviertel zurück.“ Er glaubt, dass seltene Wildtiere wie Wolf, Bär oder Elch bei uns keinen geeigneten Lebensraum mehr finden.

Geordneter Abschuss bei großer Population

Wenn es dennoch, wie beim Biber oder Fischotter, zu einer größeren Population kommt, sollten die Entscheidungsträger einen geordneten Abschuss anordnen, findet Wittmann.

Obwohl es aktuell nur wenige Wölfe im Land gibt, wurden Maßnahmen für ein Zusammenleben getroffen, die Übl positiv bewertet. Etwa die Wolfsverordnung, die im Dezember beschlossen wurde, oder das Grundlagenpapier „Wolfsmanagement in Österreich“.

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