Feuerwehr, ein Handwerk mit Tradition. Wie sich die Feuerwehr entwickelt, wie sie mit Innovationen umgehen soll und welche Highlights sich heuer abspielen werden - das waren die Themen des Bezirksfeuerwehrtags, der in Koller's Oldtimermuseum am Heldenberg über die Bühne ging.

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. Februar 2019 (14:55)

Technologie, Innovation, Zukunft – das waren die Themen, unter denen der Bezirksfeuerwehrtag am Heldenberg stand. Dass Drohnen zum Einsatzort fliegen und die Lage erkunden, während die Feuerwehrmitglieder noch auf dem Weg dorthin sind oder dass Löschroboter gefährliche Situationen bestreiten – das wurde den über 200 Kameraden in einem Video gezeigt. Zukunftsmusik, aber: „Diese Technologie ist bereits heute verfügbar“, sagte Bezirksfeuerwehrsprecher Wolfgang Thürr, der den Abend moderierte.

Für Landesfeuerwehrkommandant Didi Fahrafellner ist „Innovation wichtig, sonst würden wir ja heute noch mit dem Pferdefuhrwerk ausfahren“. Neue Technologien seien aber mit Vorsicht zu genießen. Im vollen Heldenberger Oldtimermuseum erzählte er von gefährlichen Situationen bei Einsätzen, weil die Technik im Ernstfall dann doch versagte. „Es muss Tag und Nacht funktionieren“, sind die Ansprüche an Feuerwehr-Equipment hoch.

"Feuerwehrauto muss zu 200 Prozent funktionieren"

 Die Sicherheit der Einsatzkräfte müsse gewährleistet sein. Auch „jedes Feuerwehrauto muss zu 200 Prozent funktionieren“. Die Wehren müssen es servicieren und erhalten können. „Die Feuerwehr ist und bleibt ein Handwerk mit Tradition“, brachte es Bezirksfeuerwehrchef Alois Zaussinger auf den Punkt. Der Herausforderung der neuen Technologien werden sich die Wehren aber natürlich stellen.

Zwei, die sich bereits überlegen, wie Technologie und Innovation die Einsatzkräfte unterstützen können, sind die HTL-Schüler Alexander Haberl und Florian Hofstetter.  Als die Diplomarbeit näher rückte, überlegten sich die beiden, ihr Hobby, die Feuerwehr, mit der Schule zu verbinden. Darum entwickeln sie gemeinsam mit einem dritten Mitschüler, Alexander Keusch, eine Atemschutzmaske mit Innendisplay. 

"Stolz, dass die Burschen aus unserem Bezirk sind"

Diese soll die Kommunikation des Atemschutztrupps erleichtern. Dies geschehe derzeit über Funk, was oft schwierig ist, weil es zu Ausfällen kommt. Mehr als 1.000 Stunden seien bereits in die Entwicklung dieser Innovation geflossen. „Wir sind natürlich stolz, dass die Burschen aus unserem Bezirk sind“, lobte Zaussinger die HTL-Schüler.

Als Thürr nach der Meinung über eine verpflichtende Freistellung für Feuerwehrmitglieder fragte, musste der Landesfeuerwehrkommandant erst einmal durchatmen. „Eine Verpflichtung ist ein Nachteil am Arbeitsmarkt“, fürchtet Fahrafellner, dass sich Arbeitgeber gegen einen Feuerwehrmann entscheiden könnten, weil sie diesen dann auch freistellen müssen. Wenn ein Zwei-Mann-Betrieb einen Auftrag fertigstellen müsse, sei es nachvollziehbar, dass einer davon nicht zu einem Einsatz ausrücken könne. 

„Wir haben die Kapazitäten, wir haben die Leute!“

Zwang sei aber gar nicht nötig, weil es in Niederösterreich genug Freiwillige gibt, die im Ernstfall ausrücken wollen und dürfen, wie etwa die Schneekatastrophe in diesem Jahr zeigte. „Wir haben die Kapazitäten, wir haben die Leute“, machte der Landesfeuerwehrchef klar.  

Er müsse Kollegen sogar zurückhalten, weil zu viele helfen wollen. Das kann Zaussinger nur bestätigen: „Wir durften einen Zug mit 55 Mann nach Annaberg schicken. Wir hätten aber 600 oder 1.000 schicken können“, denkt er an den Einsatz der Kameraden aus dem Bezirk. Einer der 55 „Auserwählten“ war Reinhard Scheichenberger, Zaussingers Stellvertreter im Bezirk.

„Alle waren voll motiviert, es gab kein Raunzen“ 

 „Es ist wie ein Vorhang, der aufgeht und du bist in einer anderen Welt“, erinnert er sich noch gut, wie sich die Schneemassen im Jänner vor der Hollabrunner Truppe aufgetan haben. „Alle waren voll motiviert, es gab kein Raunzen.“ Die Hollabrunner haben 17 Dächer freigeschaufelt; mehr, als ihnen zugeteilt war. Auch bei der Versorgung der Einsatzkräfte waren die Hollabrunner emsig. „Wir haben einen anderen Bezirk mitversorgt. Ohne Mampf, kein Kampf, heißt’s ja immer“, schmunzelte der stellvertretende Bezirksfeuerwehrkommandant.

Als Vorzeigebezirk bezeichnete Fahrafellner den Bezirk, als es ums Thema Feuerwehrjugend ging. „Das ist eine super Arbeit“, bestätigte Zaussinger. Derzeit sei eine weitere Jugendfeuerwehrgruppe in Seefeld-Kadolz im Entstehen.

Feuerwehr-Show wird von Zaussinger beaufsichtigt

Als „einen der besten Funktionäre, die wir im Land haben“, bezeichnet Fahrafellner seinen Freund und Landesfeuerwehrrat Alois Zaussinger. Darum ist es auch keine Überraschung, dass Fahrafellner dem Hetzmannsdorfer eine besondere Aufgabe „umg’hängt“ hat: Im ORF wird es eine Feuerwehr-Show geben. Insgesamt acht Folgen, die im Hauptabendprogramm ausgestrahlt werden. „Es wird eine Sendung wie Dancing Stars - nur tanzen werden wir nicht“, lacht der Landesfeuerwehrkommandant.

Feuerwehrmänner werden in dem Format einige Challenges zu bestreiten haben. „Die feuerwehrfachliche Komponente muss im Vordergrund stehen“, wird Zaussinger dafür sorgen, dass die Aufgaben dem Übungs-und Einsatzalltag der Feuerwehren entsprechen.

Blaulichtstammtisch gilt als Erfolgsmodell

Bezirkshauptmann Andreas Strobl, der übrigens gern Feuerwehrmänner einstellt, weil „sie einen hohen Grad an Organisationstalent“ mitbringen, schätzt die Arbeit der Feuerwehren. Als er 2017 das Amt des Bezirkshauptmanns antrat, führte er den sogenannten Blaulichtstammtisch ein. Ein „Erfolgsmodell“, das er von seinen vorherigen Bezirken kennt. „Es ist ein Austausch in Friedenszeiten“, berichtete er schmunzelnd.  

Bezirksfeuerwehrsprecher mit Ehrung überrascht

Den feierlichen Rahmen des Bezirksfeuerwehrtags nutzten die Kameraden, um einige ihrer Mitglieder zu ehren: Das Verdienstzeichen des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbands (NÖLFV) 3. Klasse in Bronze wurde zweimal vergeben: an Stefan Vietze (FF Wullersdorf) und Sandra Grafeneder (FF Göllersdorf). 

Christian Schwayer (FF Zellerndorf) wurde mit den Verdienstzeichen des Bundesfeuerwehrverbands 3. Stufe ausgezeichnet. Mit dem selben Verdienstzeichen wurde Feuerwehrsprecher Wolfgang Thürr (FF Immendorf) ausgezeichnet, der allerdings im Vorfeld nichts davon wusste. „Und ich hab‘ mich noch gefragt, warum wir die Ehrungen auf zwei Etappen machen …“, lacht er im Nachhinein.

Für Christian Hafner, er ist Fachbereichsleiter beim Roten Kreuz, gab’s die Verdienstmedaille des NÖLFV 3. Klasse in Bronze.