Haft in Sonnberg nach Auszucker verlängert. Weil ein Insasse mit der Faust eine Plexiglasscheibe zerschlug, verlängerte Richter dessen Aufenthalt in der JA Sonnberg.

Von Sandra Frank. Erstellt am 18. Juli 2019 (03:51)
NÖN
Im Gerichtssaal legte ein Häftling aus Sonnberg Berufung gegen sein Urteil ein: Seine Haftzeit wurde um 90 Tage verlängert, weil er im Gefängnis eine Plexiglasscheibe zerschlagen hatte.

Er hätte „nur“ noch 100 Tage in der Justizanstalt Sonnberg absitzen müssen, dann wäre er ein freier Mann gewesen. Doch ein unbedachter Moment bescherte einem 20-Jährigen eine Verlängerung seiner Haftstrafe um weitere 90 Tage.

Der sechsfach Vorbestrafte war wegen Sachbeschädigung angeklagt und bekannte sich schuldig. Ende Februar hatte er die Plexiglasabtrennung zwischen den Telefonanlagen in der Justizanstalt mit einem Faustschlag zerstört.

Er habe mit einem Freund telefoniert und schlechte Nachrichten über seine Familie und Freundin bekommen. „Da hab’ ich ganz leicht dagegengehaut“, erzählte der Angeklagte.

"Ich bin jung und dumm"

Richter Erhard Neubauer fiel es jedoch schwer, das zu glauben. Denn es gibt Videoaufzeichnungen. „Von einem leichten Schlag sind wir weit entfernt.“ Der Häftling sah das anders: „Für mich war das ein leichter Schlag.“ Außerdem habe er die Scheibe nicht absichtlich eingeschlagen. „Ich habe in dieser Sekunde nicht gedacht; ich bin jung und dumm.“

Er hätte im nächsten Monat Freigang bekommen können, das wolle er nicht aufs Spiel setzen. Er will den Schaden von über 2.000 Euro bezahlen.

Selbst als der Richter dem Angeklagten das Video vorspielte, auf dem der heftige Faustschlag zu sehen ist, blieb er dabei: „Das war ein leichter Schlag.“ Darum beantragte der Gefangene ein mildes Urteil.

Neubauer verurteilte ihn zu drei Monaten Haft. „Trotz der vielen Vorstrafen habe ich nur die Hälfte von dem gegeben, was maximal möglich ist.“ Der Faustschlag sei klar zu erkennen gewesen. Bedingter Vorsatz reiche für eine Verurteilung. Damit war der 20-Jährige gar nicht zufrieden.

„Überlegen Sie sich das“, bat er nach dem Urteilsspruch. „Das ist zu viel. Es war keine Absicht. Ich ersetz’ das voll.“ Nachdem ihm der Richter erklärt hatte, dass eine bedingte Freiheitsstrafe bei so vielen Vorstrafen nicht möglich sei, legte der Angeklagte Berufung gegen Schuld und Strafe ein.