Forstwirte ärgern sich: Holz aus Ausland zugekauft. Waldbesitzer verstehen nicht, warum österreichische Sägewerke so viel Holz importieren, während sie befallenes „Käferholz“ gleichzeitig nach China verkaufen müssen.

Von Karin Widhalm, Karin Pollak und Sandra Donnerbauer. Erstellt am 19. Juli 2019 (03:57)
Karin Widhalm
Wohin mit dem vielen Holz? Sägewerke schufen Platz für österreichisches Käferholz, doch das reicht nicht. Jetzt werden die Stämme sogar bis nach China transportiert.

Erzürnt ruft einer der Waldbesitzer im NÖN-Newsroom in Vitis an: Er versteht nicht, warum beim Holzverarbeitungsbetrieb Maresch in Retz nur Lastwägen mit ausländischem Kennzeichen stehen. Sie liefern offensichtlich Stämme aus anderen Nationen, dabei hätten die Österreicher genug Schadholz liegen.

Die Kritik ist Franz Fischer, Obmann des NÖ Waldverbandes, bekannt. „Das ist eine komplett inakzeptable Vorgangsweise“, seien viele Waldbesitzer wegen des Betriebs empört. Dieser verarbeite zu fast 100 Prozent Holz aus dem Ausland, vielleicht, weil es noch billiger sei. „Und wir bringen es nicht weg. Das ist völlig unverständlich und ich finde das auch charakterlich nicht akzeptabel“, ärgert sich Fischer.

„Alle verdienen gutes Geld, und das auf unsere Kosten und zu 100 Prozent auf den Rücken der Waldbesitzer“, fügt der Raabser hinzu. „Aber das muss man schon sagen: Wir haben eine extrem starke Sägeindustrie, die immer viel importiert hat.“

Drohnen, um Borkenkäfer-Befall einzuschätzen

Maresch-Geschäftsführer Herbert Schlögl lässt die Kritik nicht gelten: „Das stimmt nicht, wir kaufen genug Holz aus dem Waldviertel.“ Allerdings gebe es aktuell einfach zu große Mengen und noch immer könne niemand sagen, wie viel durch den Schaden der Borkenkäfer in kürzester Zeit noch nachkommen wird.

Hier müsste zum Beispiel mittels Drohnen einmal ermittelt werden, wie viel Holz aktuell noch betroffen ist und in nächster Zeit gefällt werden muss, schlägt Schlögl vor. Dann könnte man besser planen.

Ähnlich verweisen die Waldviertler Sägewerke auf langjährige Verträge, die man einhalten müsse. Jedoch habe man den Import stark und so gut es geht eingeschränkt.

35 Euro für "Käferholz"

Dass die Sägewerke voll sind, kommt für Josef Weichselbaum, Forstsekretär der Bezirksbauernkammer, nicht von ungefähr: Immerhin sind schon einige tausend Hektar Wald dem Käfer zum Opfer gefallen.

Der Preis ist für die Waldbauern in den Keller gefallen: 35 Euro pro Festmeter werde derzeit für „Käferholz“ bezahlt: Das sind jene Bäume, die wegen des Borkenkäfer-Befalls gefällt werden müssen. 90 Euro hätte man für ein „gesundes“ Rundholz verrechnet. Jetzt wird ein Teil sogar nach China exportiert.