Breitenwaida

Erstellt am 13. Juni 2018, 04:47

von Sandra Frank

Hochwasserschutz: „Der Süden hat Priorität“. Stadtwerke-Chef Bauer zeigt, wo gebaggert und geschnitten wurde.

Karl Riepl und Thomas Bauer (r.) begutachten den Pucherbach. „Perfektgepflegt“, so Bauers Fazit. Die Einmündung in den Göllersbach wird heuer noch um etwa 15 Meter versetzt, um die Stelle zu entschärfen.  |  NOEN

„Wir sind wirklich regelmäßig unterwegs und machen unsere Arbeit in allen Orten“, nahm Bauhof-Chef Thomas Bauer die NÖN und Karl Riepl, der als Stadtrat für den Bauhof zuständig ist, zu einem Lokalaugenschein mit.

Zuletzt stand er unter Beschuss von SPÖ-Klubsprecher Alexander Eckhardt ( die NÖN berichtete, siehe hier und ganz unten). Der Vorwurf: Manche Flächen sind so verwachsen, dass das Wasser nicht in Gräben abfließen kann, sondern seinen Lauf entlang der Feldwege in die Ortschaften bahnt.

Nach dem starken Unwetter im Mai wurden sofort Einschnitte im Bankett gemacht, damit das Wasser von den Feldern in den Graben fließen kann. Warum das nicht vorher geschehen ist? „Wir können nicht alles gleichzeitig machen“, seufzt Bauer, betont aber: „Der Süden der Katastralgemeinden hat absolute Priorität.“

In Breitenwaida, Kleedorf und Puch starten die Arbeiten und es werde besonders sensibel mit der Situation umgegangen. Und: „Auf Anforderung fahren wir natürlich überall hin“, sei Bauer auf die Kenntnisse der Ortsvorsteher angewiesen.

„Super Erde“ muss weggebracht werden

Bei der Fahrt entlang der Feldwege zeigte sich ein Graben voller Erde. Ein „Überbleibsel“ des vergangenen Unwetters. „Der wird bald ausgebaggert“, sagt Bauer. Dass das Material vom gegenüberliegenden Feld stammt, ist klar zu erkennen. „Das ist super Erde“, weiß Bauer. Er würde sie gerne auf dem Acker – dort, wo die Hackfrüchte weggeschwemmt wurden und nichts mehr wächst – lagern, bis sie anderswo gebraucht wird. „Das erlaubt uns der Landwirt aber nicht, darum müssen wir sie um teures Geld wegführen.“

Nach dem verheerenden Unwetter 2015 sei eine Studie in Auftrag gegeben worden, um zu sehen, wie die betroffenen Orte geschützt werden können. „Als die Ergebnisse da waren, haben wir uns beraten, wie wir weitermachen sollen“, erinnert sich Bauer. Eine weitere Studie folgte, die noch im Laufen sei.

Manche Maßnahmen, die vor Jahrzehnten zum Schutz vor Hochwasser rund um die drei betroffenen Orte getroffen worden seien, seien leider „Altlasten und teilweise Fehlkonstruktionen, meint Bauer mit Blick auf ein viel zu kleines Becken in der Nähe von Kleedorf.

„Ich bin der Letzte, der die Aufregung der Menschen nicht versteht“Thomas Bauer

Die Kleedorfer „Problemzone“, die Fläche hinter dem Spielplatz, wurde ebenfalls besichtigt. Hier gibt es die Idee, ein Rückhaltebecken zu errichten. Konkrete Pläne liegen zwar nicht auf, aber: „Der Grundeigentümer gibt gute Signale“, sagt der Stadtwerke-Chef.

In Breitenwaida hingegen wird heuer noch eine Maßnahme umgesetzt: Die Stelle, wo der Pucherbach nahezu im rechten Winkel in den Göllersbach mündet, wird entschärft.

„Ich bin der Letzte, der die Aufregung der Menschen nicht versteht“, berichtet Bauer, dass auch er in Oberfellabrunn geschwommen ist. Ein Hochwasserschutz könne aber eben nicht von heute auf morgen errichtet werden. Die Stadtgemeinde sei dabei, Projekte, „die schon vor meiner Zeit gestartet wurden“, nach und nach umzusetzen, betont er.

„Wir geben im Jahr 80.000 bis 100.000 Euro für Baggerarbeiten aus“, veranschaulicht der Stadtwerke-Chef. „Selbst wenn alles passt – verfügbare Grundstücke, wasserrechtliche Bewilligung –, dauert es drei bis vier Jahre, bis ein Hochwasserschutz umgesetzt werden kann“, ergänzt Stadtrat Riepl.