Hollabrunner Chor "Capella Cantabile" feierte den Austro-Pop

Aktualisiert am 22. Mai 2022 | 21:02
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Die Sänger der "Capella" waren froh, endlich wieder vollzählig und vor einem vollbesetzten Saal singen zu dürfen. Chorleiter Alfred Tuzar führte durch den Abend und vergab eine seltene Ehrenmitgliedschaft.

Im Dezember 2019 war es das letzte Mal, dass der Chor „Capella Cantabile“ in voller Mannschaftsstärke auftreten durfte. „Wir freuen uns, dass wir endlich wieder singen dürfen“, war Chorleiter Alfred Tuzar die Begeisterung am Sonntagabend ins Gesicht geschrieben. Nicht nur aus Vorfreude auf den Auftritt seiner „Capella“, sondern auch, weil der Festsaal des Hollabrunner Seminars voller Zuhörer war. Das Thema des Konzerts war „Austro-Pop“. Die Sänger hatten nur wenige Wochen Zeit, das Programm einzustudieren, „trotzdem werden wir Ihnen eine sehr schönes Konzert bieten“, versprach Tuzar.

Dieses Versprechen sollte er halten. Die jungen Sänger beeindruckten mit Melodien, die ans Herz gingen, etwa bei „Untreue – In einem kühlen Grunde“ von Philipp Friedrich Silcher. Ans Herz gingen auch die Kompositionen jenes Mannes, der „den Funken der Musik“ in Alfred Tuzar gelegt hatte: Walter Lehner, der Begründer der Hollabrunner Musikschule.

Tuzars Chor konnte er leider nie hören. Der Raschalaer erzählte seinem Mentor zwar von dieser Idee und holte sich allerhand Tipps – „zum Beispiel die verhasste Stricherlliste“ -, doch bevor die Capella Cantabile ihren ersten Auftritt hatte, verstarb Walter Lehner. Mit Josef Rheinbergers „Sanctus“ brachte der Chor vor der Pause „ein Traumstück, das wir immer wieder singen“, zu Gehör.

Kinderchor "Voci Chiare" hatte großen Gastauftritt

In der Pause gab’s ein kleines Buffet, bei dem Spenden gesammelt wurden, und zwar für jene, die Tuzar vor allen anderen begrüßte: Flüchtlinge aus der Ukraine, die er in Deutsch unterrichtet. Und er ließ es sich nicht nehmen, auf einen Missstand hinzuweisen, den er immer wieder bemerkt: „Es stört mich, dass es zwei Kategorien von Flüchtlingen gibt.“ Er selbst unterstützt seit Jahren auch eine Familie, die aus Afghanistan fliehen musste. Jedem müsse geholfen werden.

Nach der Pause wurden die ausgewählten Stücke flotter. Einen großen Auftritt hatte der Gastchor „Voci Chiare“, der Nachwuchschor der Musikschule. Die jungen Sänger und ihre Chorleiterin Bernadette Eliskases-Tuzar erlebten bei „Marmor, Stein und Eisen bricht“ eine Überraschung: Beim Refrain der dritten Strophe stiegen die „Capellaner“ mit ein und ließen den Schlager-Hit stimmgewaltig im Festsaal erklingen.

Ehrenmitgliedschaft und Konzertmappe für Gabi Gerstenbauer

„Sie haben Kinder, die gern singen? Dann her damit!“, machte Tuzar Werbung für die beiden Chöre, die sich immer über neue Stimmen freuen. Eine nicht ganz so neue Stimme wurde von Alfred Tuzar auf die Bühne geholt: Gabi Gerstenbauer. Sie saß an diesem Nachmittag im Publikum. Sie gehört der Capella Cantabile seit der Gründung vor 38 Jahren an und muss den Chor nun aus persönlichen Gründen verlassen. 

Doch die Chormitglieder lassen sie nicht einfach so gehen, ihr wurde die Ehrenmitgliedschaft verliehen. „Das machen wir nur ganz selten“, betonte der Chorleiter, der ihr ein Geschenk überreichte, „das ich nicht gern hergeb‘“, nämlich die Konzertmappe.

Die Zuhörer kamen noch in den Genuss eines afrikanischen Bewegungslieds („Si ma ma kaa“) der Voci Chiare und dem Seiler & Speer-Song „Hödn“, gesungen von der Capella Cantabile. Der Austro-Pop-Klassiker „Fürstenfeld“ schloss das Programm ab. Vermeintlich, denn das Publikum „erklatschte“ sich eine Zugabe. Und so erklang „unsere heimliche Hymne“, wie Tuzar Rainhard Fendrichs „I am from Austria“ bezeichnete.