Retz , Hollabrunn

Erstellt am 08. Februar 2019, 06:11

von Sandra Donnerbauer, Sandra Frank, Christoph Reiterer und Christian Pfeiffer

Bezirk Hollabrunn: Freier Karfreitag „nicht notwendig“. Nach dem Gerichtsentscheid zum Karfreitag wird nach einer Lösung für alle gesucht.

Günther Hofer vom Retzer Wirtschaftsverein hält wenig von einem neuen Feiertag.  |  Archiv

Bis jetzt war der Karfreitag ein Feiertag für Angehörige der Evangelischen Kirche, der Altkatholischen Kirche sowie der Methodistenkirche und für diese ein arbeitsfreier Tag. Die österreichische Regelung, dass der Karfreitag ein staatlicher Feiertag nur für diese Arbeitnehmer ist, widerspricht laut dem Europäischen Gerichtshof dem EU-Recht.

Bis zum 19. April muss Österreich nun seine Regelung ändern. Das bringt die Regierungsparteien insofern in Bedrängnis, da sie einerseits keinen neuen Feiertag wollen, andererseits den Evangelen das Recht des Feiertages nicht verwehren wollen.

„Zusätzlicher Feiertag wäre zumindest eine Teilwiedergutmachung“Richard Pregler

„Wir begrüßen die Entscheidung des EuGH. Jetzt ist die Regierung am Zug und muss rasch ein neues Gesetz ausarbeiten“, freut sich Richard Pregler, Chef der Bezirks-SPÖ, über das Urteil des Europäischen Gerichtshofes.

Richard Pregler, SPÖ-Bezirkschef, will einen neuen Feiertag für alle.  |  Archiv

Die Schaffung eines weiteren Feiertages, also eines freien Karfreitags, für alle Arbeitnehmer ist für ihn die einzig mögliche Lösung. In jenen Bereichen, wo an Feiertagen Dienst verrichtet werden muss, müssten gesetzeskonforme Feiertagszuschläge gezahlt werden. „Nachdem im September das neue unsoziale und arbeitnehmerfeindliche Arbeitszeitgesetz mit Verschlechterungen für viele Arbeitnehmer durchgepeitscht worden ist, wäre ein zusätzlicher Feiertag zumindest eine Teilwiedergutmachung“, meint Pregler.

Der ersten Reaktion der Wirtschaftskammer, dass ein weiterer Feiertag nicht leistbar wäre, erteilt die SPÖ Bezirksspitze eine klare Absage: „Zwölf-Stunden-Tag, 60-Stunden-Woche und Steuergeschenke dieser Regierung hat die Wirtschaft mit offenen Armen empfangen“, ergänzt Markus Gold, einer von Preglers Stellvertretern im Bezirk.

Karfreitag-Feiertag als Zuckerl für Beschäftigte

Jetzt, wo es um „ein Zuckerl für unsere Arbeiter und Angestellten geht“, lege sich die Wirtschaftskammer sofort quer. „Das kann es nicht sein. Das Leben ist ein Geben und ein Nehmen“, ist Gold überzeugt, dass den Arbeitern und Angestellten von der türkis-blauen Regierung schon genug genommen wurde. „Daher sollten jetzt meiner Meinung nach diese am Zug sein.“

Weniger optimistisch und euphorisch sieht der Retzer Stadtrat und Unternehmer Günther Hofer die Diskussion um den Karfreitag: „Da würde uns ein ganzer Handelstag fehlen und das so knapp vor Ostern. Das wäre fatal.“ Er hält auch als Obmann des Retzer Wirtschaftsvereins „Gut gemacht“ wenig von der Idee, dass am Karfreitag künftig die Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Auch persönlich halte er einen zusätzlichen Feiertag in Österreich für „absolut nicht notwendig“.

Laut der ASFINAG erreichte übrigens die Osterreisewelle 2018 ihren Höhepunkt am Karfreitag, mit oder ohne Feiertag.