„I bin im Häf’n, was soll ich da betrügen?“. Wegen Betrugs kassierte ein Göllersdorf-Insasse drei Monate Haft.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. Januar 2020 (05:49)
Der Aufenthalt eines 23-Jährigen in der Göllersdorfer Justizanstalt wurde durch das Urteil von Richter Erhard Neubauer um drei Monate verlängert.
NÖN

„I bin im Häf’n, was soll ich da betrügen?“, bestritt ein Insasse der Justizanstalt Göllersdorf, dass er ein Smartphone zum Verkauf angeboten haben, das Geld teilweise kassiert, das Gerät aber nie verschickt haben soll. Das Geld dafür sei aber auf dem Konto des Angeklagten gelandet, so Richter Erhard Neubauer. Das konnte sich der 23-Jährige nicht erklären. Nur: Er sei im Gefängnis und habe nicht einmal ein Konto.

Grazer Opfer (17) erklärte ihre Sicht via Internet

Das Opfer, eine 17-jährige Grazerin, war via Videokonferenz zugeschaltet. Sie habe in den Ferien gearbeitet. Mit dem Verdienst wollte sie sich ein neues Handy zulegen. Auf einer Flohmarkt-Plattform im Internet wurde sie fündig. Sie kommunizierte mit einem Mann, der den selben Vornamen trägt wie der Angeklagte. Sie habe ihn auf 400 Euro heruntergehandelt. Weil der Lohn nicht so hoch ausfiel wie erhofft, vereinbarte der Teenager mit dem Verkäufer, zunächst nur 200 Euro zu überweisen. „Ich habe das Geld auf die Kontonummer eingezahlt und ihm ein Foto von der Bestätigung geschickt.“

Daraufhin wollte der Verkäufer das Smartphone verschicken und der 17-Jährigen die Verfolgungsnummer des Pakets übermitteln. Doch diese hat sie nie erhalten. Daraufhin war die Handynummer nicht mehr erreichbar. „Er hat mich auf WhatsApp blockiert“, schilderte der Teenager. Anrufe seien noch einige Tage möglich gewesen, abgehoben habe der Verkäufer aber nie. Als es auch der Bank nicht möglich war, das Geld zurückzuholen, erstattete die Grazerin Anzeige.

„Wie soll i zu einer Bank gehen? Ich bin seit 2012 im Häf’n“, blieb der Angeklagte dabei, unschuldig zu sein. Diese Aussage brachte den Richter ins Zweifeln, denn das Konto wurde Ende Juni 2019 in Fehring (Steiermark) eröffnet.

„Wie soll i zu einer Bank gehen? Ich bin seit 2012 im Häf’n“

Doch dieser Zweifel wurde von dem Insassen gleich wieder zunichtegemacht: „Zu der Zeit war ich auf UdU.“ Diese Abkürzung steht in der Justiz für Unterbrechung der Unterkunft. Der 23-Jährige durfte die Göllersdorfer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verlassen, weil er eine Drogentherapie in der Steiermark gemacht hatte. Dennoch: Dort sei er ebenfalls ununterbrochen beaufsichtigt worden. Ausgang hätte er nur Samstag und Sonntag gehabt. Da habe keine Bank geöffnet.

„Es tut mir leid für die Frau, aber ich hab‘ mit dem Blödsinn nix zu tun.“ Er habe nämlich weder einen Pass noch einen Führerschein. Ohne ein solches Dokument könne gar kein Konto eröffnet werden. Und Personalausweis? „Den hab ich 2012 verloren.“ Diesen Verlust hätte er deswegen nicht gemeldet, weil „ich damals kurz vorm Häf’n war und nicht viel von der Polizei gehalten hab‘“, erklärte der Angeklagte.

Neubauer kontaktierte die Bank in Fehring. Dort übermittelte ihm der Vorstandsdirektor eine Kopie des Personalausweises, mit dem im Juni das Konto eröffnet worden war. Es war jener des Angeklagten.

Insasse wollte sich bis zuletzt herausreden

Dann müsse jemand seinen verlorenen Personalausweis für den Betrug genutzt haben, meinte der Insasse. An so viele Zufälle wollte der Richter aber nicht glauben. Der 23-Jährige ließ nicht locker: „Ich bin zwar nicht der Hellste, aber wenn ich was plan‘, dann doch nicht auf meinem Namen!“, versuchte er sich erneut, aus der Sache herauszureden.

Der Richter sprach ihn wegen Betrugs schuldig und verurteilte ihn zu drei Monaten unbedingter Haft. „Ich glaube nicht, dass jemand ein Konto mit Ihrer früheren Adresse genau zu dem Zeitpunkt eröffnet hat, als sie zufällig in dieser Gegend waren“, begründete Neubauer den Schuldspruch.