Tiere fühlen sich bei Alexandra Mattes „sauwoi“. Die vielen Tiere von Alexandra Mattes leben frei und dürfen tun, was sie wollen.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 29. November 2020 (04:31)
99 Hühner und drei Hähne dürfen sich auf den Weiden von Alexandra Mattes – und auch außerhalb – frei bewegen. Auch den Schafen scheint das Zusammenleben mit dem Federvieh gut zu gefallen.
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Für die Großstelzendorfer Landwirtin Alexandra Mattes hatte der erste Lockdown nicht nur schlechte Seiten: In dieser Zeit versuchte sich die Tausendsassarin in der Haltung neuer Tiere. Rinder, Schweine, Hühner, Schafe und Hirsche zählen zu ihren tierischen Schützlingen.

Besonders wichtig ist es Mattes, dass ihre Tiere tun können, was sie wollen. „Schon ihre Urformen waren immer draußen. Wir Menschen waren diejenigen, die sie dann einmal eingesperrt haben. Wir möchten dafür sorgen, dass sie sich so verhalten können, wie es für sie natürlich ist“, sagt Mattes. Außerdem schmecke man es bei den Produkten, wenn es die Tiere ein Leben lang gut haben.

„Wir wollten herausstechen und etwas anbieten, das es in der Umgebung auch sonst nirgendwo gibt.“ Alexandra Mattes

Seit zwei Jahren gibt es in Großstelzendorf Hochlandrinder. Jedes der vier Tiere hätte jeweils fast einen Hektar Platz und damit weitaus mehr als für ihren Bio-Betrieb notwendig wäre. Als besonders stellen sich die zwei schwarzfarbigen Rinder heraus: Es handelt sich um die japanische Rasse Wagyu, dessen Fleisch wegen seiner besonderen Fettmarmorierung sehr gefragt ist und als Delikatesse gilt. Die Wahl auf diese Rasse sei ganz bewusst getroffen worden. „Wir wollten herausstechen und etwas anbieten, das es in der Umgebung auch sonst nirgendwo gibt“, erklärt die Kräuterpädagogin. Ende April hat die Familie die Tiere schließlich zu sich geholt; geschlachtet wird vor Weihnachten.

99 Hühner und drei Hähne dürfen sich auf den Weiden von Alexandra Mattes – und auch außerhalb – frei bewegen. Auch den Schafen scheint das Zusammenleben mit dem Federvieh gut zu gefallen.
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So ähnlich wie Kühe sehen auch die zwölf Schweine in ihrem freiläufigen, ein Hektar großen Areal aus. Hinter den schwarzen oder braun gefleckten Tieren verbergen sich schwäbisch-hällische Schweine, deren Fleischqualität sich durch das feinfaserige Fett auszeichnet. „Wir wollten das einfach einmal selbst ausprobieren“, erzählt Mattes über ein weiteres Experiment. Denn freilaufende Schweine habe es am Betrieb so noch nicht gegeben.

Dieses Experiment war allerdings nicht so einfach umzusetzen, da die Schweinepest rund um Österreich kursiert. Darum musste eine Bewilligung vom Amtsarzt her. Seit Anfang Mai sind die Tiere nun in Großstelzendorf – und „es geht ihnen sau woi“ in ihrem neuen Zuhause. Das zeigen sie auch prompt: Als die NÖN zu Besuch war, suhlten sie sich glücklich im Dreck und beschnupperten einander. „Es hat heuer so viel geregnet, deswegen ist es jetzt so matschig. Aber den Schweinen gefällt das super gut“, lacht die Seminarbäuerin.

Den Winter fürchten die Ringelschwänze übrigens nicht. „Sie fressen sich für die kältere Zeit einen Winterspeck an, daher kommt der Begriff auch.“ Geschlachtet werden sie in Etappen, damit immer frisches Fleisch verfügbar ist.

99 Hühner und drei Hähne dürfen sich auf den Weiden von Alexandra Mattes – und auch außerhalb – frei bewegen. Auch den Schafen scheint das Zusammenleben mit dem Federvieh gut zu gefallen.
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Als die NÖN mit Mattes zur nächsten Weide geht, marschiert auch ein Huhn mit. Das sei normal, irgendwo schlüpfen die Hennen hinaus. In der Nacht kehren sie zurück zum Rest der Schar. Besagter Schar sind drei Hähne und 99 Hühner, die Eier legen sollen. Daraus werden Nudeln und Eierlikör hergestellt.

Zu den anderen tierischen Bewohnern zählen 150 Hirsche und neun Schafe. Beide Tierarten gebe es bei Familie Mattes seit 20 bzw. 16 Jahren.

Bewusst habe die Familie von allen Tieren eher auf eine kleinere Anzahl gesetzt, so können die Erzeugnisse zur Gänze selbst vermarktet werden. Im zu Ostern eröffneten Hofladen gibt es etwa 180 verschiedene Bio-Produkte aus eigener Herstellung. „Wenn die Nachfrage steigt, können wir uns vorstellen mehrere zu halten“, möchte die Großstelzendorferin die Erfahrungen dieses Jahres abwarten.

Es werde darauf geachtet alles von den Tieren zu verwerten. „Ich bin damit aufgewachsen, alles, was da ist, zu verwerten und nichts wegzuschmeißen“, ist die Einstellung tief in ihr verwurzelt.

Langfristig sei geplant, dass so viel Eigenproduziertes wie möglich im Göllersdorfer Weinviertlerhof, dessen Eröffnung erst in ein paar Jahren anvisiert sei, verwendet wird. „Wir suchen uns das Beste raus und wissen dann genau, woher es kommt und was es gefressen hat“, möchte sie überall hohe Qualität anbieten.