Im Suff ein Hoppala im „Hoppala“

Für einen 26-Jährigen ging es nach einem Vorfall in Haugsdorf angesichts seiner langen Vorstrafenliste um viel.

Erstellt am 15. Oktober 2021 | 04:58
Schuldsprüche am Landesgericht Korneuburg
Foto: APA

Am 6. Juni dieses Jahres sind im Lokal „Hoppala“ in Haugsdorf die sprichwörtlichen Fetzen geflogen. Die Streiterei zweier Gästegruppen soll auch die gefährliche Drohung „Kumm außi, i stich di ab“ beinhaltet haben. Ebenfalls soll ein fliegender Aschenbecher eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Die Aufgabe, dieses Hoppala im Suff juristisch aufzulösen, hatte Richter Martin Gall-Vanek am Landesgericht Korneuburg.

Angeklagt war ein 26-jähriger arbeitsloser Österreicher, der es seit seinem 17. Lebensjahr auf eine beachtliche Vorstrafenliste gebracht hat. Seine vielfältigen Kollisionen mit dem Recht – darunter Einbruchdiebstahl, Körperverletzung und Vergewaltigung – ermöglichten es ihm erst mit seiner Haftentlassung im Februar 2017, ein richtiges Leben zu beginnen.

Selbiges dürften er, seine Lebensgefährtin und eine größere Gruppe im Freibad in Haugsdorf an diesem Junitag sehr genossen haben. Dabei seien viele große Spritzer und Biere geflossen. Danach sei die ganze Partie zu einem Ausklang im „Hoppala“ eingekehrt. Bald fühlten sich die nicht mehr nüchternen jungen Männer von einer anderen Gästegruppe, die dem Alkohol ebenfalls kräftig zugesprochen hatte, durch deren „provokantes Lachen provoziert“.

Wer den Aschenbecher warf, war nicht ganz klar

Ein Wort gab das andere – unter anderem das des Wirtes, der beide Partien des Lokals verwies – und dann soll eine 55-Jährige, die sich durch den Angeklagten bedroht gefühlt und noch während des Tumults die Polizei gerufen hatte, einen Aschenbecher in Richtung des 26-Jährigen geworfen haben. Das konnten allerdings nicht alle Zeugen bestätigen.

Die 22-jährige Freundin war sich ganz sicher; der 25-jährige Bruder des Angeklagten war sich bezüglich des Aschenbechers sicher, konnte aber nicht genau sagen, wer ihn geworfen hatte. Und ein damals mitfeiernder 26-Jähriger sagte nur: „Ich hab irgendwas scheppern gehört.“

Für Gall-Vanek stellte sich der Sachverhalt am Ende so dar: Zuerst sei es zu einem Wortgefecht, dann – in welcher Form auch immer – zu dem Zwischenfall mit dem Aschenbecher gekommen und „dann wird man halt grantig“, so der Richter.

Er wertete das Gesagte angesichts der Umstände nicht als gefährliche Drohung, sondern schlicht als Unmutsäußerung. Die Konsequenz war ein Freispruch für den Mann. „Passen S’ auf wegen Ihrer Vorstrafen“, gab Gall-Vanek dem 26-Jährigen noch mit auf den Weg.