Sozial-Einrichtungen in Krise: „Situation dramatisch“. Soziale Einrichtungen im Weinviertel helfen durch die Krise, stehen aber auch selbst vor Herausforderungen.

Von Herwig Mohsburger, Manuel Mattes und Sandra Frank. Erstellt am 28. Mai 2020 (05:06)
Etwa 40 Familien werden in Hollabrunn von der Team Österreich Tafel
Rotes Kreuz

Dass die Zahl der Arbeitslosen durch die Coronakrise gestiegen ist, macht sich in den Sozialmärkten bemerkbar. Die Auswirkungen sind allerdings völlig unterschiedlich. „Wir haben täglich Neuanmeldungen. Es ist teilweise dramatisch, was uns die Leute erzählen“, beschreibt Doris Pamminger vom Sozialgreißler Korneuburg die Entwicklung.

Cornelia Pamminger von der Sozialgreißlerei Korneuburg.
privat

Noch sind die Neuanmeldungen auf gleichbleibendem Niveau, Pamminger geht aber davon aus, dass es mehr werden. Dabei machen sich die Menschen den Weg zur Registrierung beim Sozialmarkt nicht leicht, sie haben Scheu und melden sich erst, wenn es nicht mehr anders geht. Neu sei, dass viele Menschen aus dem Mittelstand betroffen sind. Auch ihnen ist es plötzlich nicht mehr möglich, ihr Leben zu finanzieren.

Mit dem Warennachschub ist Pamminger hingegen zufrieden: „Wir kommen derzeit noch sehr gut über die Runden.“ Toll findet sie die großartige Unterstützung durch die Bevölkerung: Privatpersonen kaufen Waren ein und liefern sie ab.

Milchprodukte sind Mangelware

Über viele Spenden von Privatpersonen freut sich auch Thusnelda Mrazek vom Roten Kreuz in Mistelbach. „Natürlich wurden auch Bauern, Kleinunternehmen und Firmen auf uns aufmerksam“, erzählt sie, dass Lebensmittel nicht vernichtet, sondern verwertet und gespendet wurden. „Wir konnten auch einige Familien mit Lebensmittel-Zustellungen durch unsere Mitarbeiterinnen versorgen“, spricht Mrazek von weiteren Aufgaben.

Was im Bezirk Mistelbach aufgefallen ist? „Wir bemerken eine ansteigende Zahl an Ein-Personen-Haushalten“, wie sich die Lage weiter entwickle, sei noch nicht abzuschätzen. Leider würden die Supermärkte, die das Rote Kreuz wöchentlich anfährt, den Verbrauch nicht mehr abdecken: „Milchprodukte sind Mangelware.“ Haltbare Lebensmittel, Öl, Kaffee, Müsli für Kinder, Waschmittel und Hygieneartikel seien sehr gefragt.

Helfer stehen vor neuen Herausforderungen

„Die Mitarbeiterinnen des Gesundheits- und Sozialdienstes des Roten Kreuzes waren und sind auch weiterhin für die Bevölkerung da, um sozial schwächeren bzw. durch die Coronakrise in Not geratenen Menschen so gut wie möglich zu helfen“, erzählt Günther Wiehart, Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes in Hollabrunn.

Die Freiwilligen sind weiterhin im Einsatz, um den Menschen durch die Coronakrise zu helfen, aber auch die Helfer stehen dadurch vor neuen Herausforderungen: Im Rettungs- und Krankentransport mussten umfangreiche Hygienemaßnahmen für Patienten und Personal getroffen werden. Fordernd waren außerdem die Änderungen im Gesundheits- und Sozialdienst.

So wurde zum Beispiel der Henry Laden in Hollabrunn geschlossen. Erst Anfang Mai durfte der Second-Hand-Shop wieder aufsperren, mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Der Henry Laden wird von freiwilligen Mitarbeitern betrieben, einige davon gehören der Risikogruppe 60-plus an. Das sind nur einige Herausforderungen, die das Rote Kreuz bewältigen muss.

Anzahl der Klienten wieder steigt stetig

Ähnlich verhält es sich im Henry Laden in Strasshof (Bezirk Gänserndorf), auch hier hat der Shop mit angepassten Zeiten wieder geöffnet. „Unsere Team Österreich Tafel musste die Ausgabe coronabedingt umstellen und war nach einer Woche, in der die Ausgabe in Marchegg stattfand, wieder im Strasshofer Gutshof geöffnet“, berichtet Gänserndorfs Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Thomas Hasenberger. Was er beobachtet: Seit der Umstellung auf fertig zusammengestellte „Pakete“ steigt die Anzahl der Klienten stetig, sie ist nun beinahe auf demselben Level wie vor der Coronakrise.

Die Team Österreich Tafel ist in Hollabrunn ebenfalls im Einsatz: Jeden Samstag kommen etwa 40 Familien, rund 60 Erwachsene und 40 Kinder, um die gespendeten Waren abzuholen. „Derzeit besteht für kranke und gehbehinderte Personen die Möglichkeit, dass die Waren nach Hause geliefert werden“, erzählt Wiehart.