Ständig unterwegs: Weinkomitee-Chef Setzer berichtet. Hans Setzer sieht großes Potenzial in der Einzigartigkeit des Weinviertel DAC.

Von Sandra Frank. Erstellt am 23. März 2019 (06:18)
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Wiener Hofburg, Düsseldorf, Götzis, Salzburg und München: Hans Setzer, Chef des regionalen Weinkomitees Weinviertel, ist derzeit ständig unterwegs.

Vom Rheingau in die Wiener Hofburg und weiter nach Düsseldorf, Götzis, Salzburg und München – und zwischendurch doch immer wieder zurück nach Hohenwarth. Für Winzer Hans Setzer und seine Familie dieser Tage normaler Alltag.

Seit zwei Jahren ist der Hohenwarther Vorsitzender des Regionalen Weinkomitees Weinviertel. „Diese Aufgabe macht mir sehr viel Freude“, erzählt Setzer im NÖN-Gespräch. „An einem Tag steh‘ ich noch im Keller, zwei Tage später präsentiere ich Weine im 47. Stock eines Hochhauses in Manhattan.“

DAC-typische „Pfefferl“ im Rheingau erklärt

Beim Gourmetfestival im Rheingau präsentierte Hans Setzer das Weinviertel, speziell den Weinviertel DAC Reserve als würdigen Speisenbegleiter in der Top-Gastronomie. Das zeigte sich beim Dinner, das Sternekoch Hubert Obendorfer zubereitete: Die Weinbegleitung bestand ausschließlich aus Weinviertel DAC.

Genau darin sieht Setzer die große Chance für seine Heimatregion: „Der Grüne Veltliner ist eine Nische, die gibt es nur in Österreich.“ Diese Einzigartigkeit gelte es zu nutzen und zu vermarkten. „Er ist ein universeller Speisenbegleiter.“

Im Rheingau verfolgte Setzer vor allem eine Mission: Fachleuten wie Endverbrauchern das DAC-typische „Pfefferl“ am Gaumen einzuprägen. Wie er das gemacht hat? Bei Seminaren, die der Winzer gemeinsam mit der Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) abhielt. In fünf Gängen wurden je zwei Weinviertler DAC und zwei Weine aus dem Rheingau blind verkostet. „Oft war es nicht so glasklar zu erkennen. Aber die Teilnehmer wurden von Gang zu Gang besser“, konnte Setzer erste Erfolge beobachten.

3.000 Gäste und ein chinesisches TV-Team

Nach dem Rheingau war der Hohenwarther mit 166 weiteren Winzern aus dem Weinviertel – 72 davon aus dem Bezirk – in der Wiener Hofburg anzutreffen. Präsentiert wurde der Weinviertel DAC. „Wir hatten über 3.000 Gäste.“ Darunter erfreulich viel junges Publikum.

Interviewt wurde der Komitee-Vorsitzende von einigen Journalisten, ein TV-Team kam sogar aus China. Das freute nicht nur den Winzer selbst, sondern begeisterte seine Tochter: „Marie-Theres ist sehr Asien-affin.“ Sie nutzte die Gelegenheit, um ihre Sprachkenntnisse in Mandarin zu testen, immerhin wird sie im Mai das Familienweingut bei der Expo in Hongkong präsentieren.

Nach der Hofburg ging die Reise für die Setzers nach Düsseldorf. „Die ProWein ist für uns mit Abstand die wichtigste Messe.“ Denn dort finde internationaler Austausch statt. Wichtig für das Hohenwarther Weingut, das etwa 60 Prozent seiner Weine exportiert. Warum der Anteil so groß ist, erklärt der Winzer: „90 Prozent der Österreicher trinken österreichischen Wein.“ Diese Zahl sei kaum zu steigern.

Auch strategischer Weitblick wird verlangt

Als Obmann des Regionalen Komitees Weinviertel ist es aber nicht nur seine Aufgabe, das Weinviertel mit seinen besonderen Weinen zu präsentieren, es wird auch strategischer Weitblick verlangt. Die Frage ist, wo die Reise hingehen soll. „Es muss den Winzern im Weinviertel sehr gut gehen“, ist das Ziel, auf das Setzer hinsteuert. Der Stellenwert der Weinbauern müsse ein größerer werden. Das sei auch für das Landschaftsbild, das durch die Weingärten geprägt wird, enorm wichtig.

Dass kleine Weingüter weniger werden und ein Winzer mehr Fläche bewirtschaftet, sei nicht mehr aufzuhalten. Diesen viel diskutierten und oft gefürchteten Strukturwandel kann Setzer durchaus Positives abgewinnen. „Das Auftreten der Winzer wird dadurch professioneller.“ Außerdem brauchen große Betriebe Fremdarbeitskräfte, um die Arbeit zu bewerkstelligen.

Dass das Weinviertel „das Herzgebiet für den Grünen Veltliner“ ist, müsse auf jeden Fall noch besser vermarktet werden. „Hier haben wir noch Aufholbedarf“, beobachtet Setzer, dass andere Länder bereits vor 20 Jahren damit begonnen haben, ihre Stärken in die Welt hinauszutragen. Aber: „Wir haben gute Chancen und können mit unseren Weißweinen punkten.“