Geldbörsen-Dieb: Steiniger Weg zu Geständnis. Erst das zweite Beweisvideo brachte leugnenden Geldbörsen-Dieb dazu, die Tat zu gestehen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. Oktober 2020 (04:34)
Symbolbild
Shutterstock.com, Africa Studio

„Mein Mandant hat die Tat nicht begangen. Es gibt ein Video, wir brauchen uns gar keine Gedanken zu machen“, gab sich der Verteidiger vor Richter Erhard Neubauer siegessicher. Der Angeklagte, ein 58-jähriger Hollabrunner, soll im Juli eine fremde Geldbörse eingesteckt haben.

„Ich war Zigaretten kaufen und hab‘ meine Geldbörse auf dem Pult liegen lassen“, schildert das Opfer, was sich in einer Hollabrunner Trafik zugetragen hatte. Später wollte der damals 49-Jährige einen Kebap kaufen, da bemerkte er, dass er seine Geldbörse nicht mehr bei sich hatte. Als er zurück in die Trafik gekommen sei, war diese bereits verschwunden. „Der Trafikant hat auch nichts gesehen. Am nächsten Tag hat er mir das Video der Überwachungskamera gezeigt. Da sieht man genau, dass sie genommen wurde.“

„Ich bin nicht schuldig“, sagte der Angeklagte. Er spielte dem Richter und Bezirksanwältin Marion Reinwein sogar nach, wie er den Lottoschein in der Trafik abgegeben, in welcher Hand er Handy und Geldbörse gehalten und in welche Hosentasche er die Teile wieder eingesteckt hätte. Am Verkaufspult hätte er nichts liegen gesehen, weggenommen hätte er auch nichts.

„Ich wäre bereit gewesen, den Schaden zu zahlen, obwohl ich die Tat nicht begangen habe, damit ich mir das Verfahren erspar.“, sagte der 58-Jährige. Um zu untermauern, dass er ein ehrlicher Mensch sei, legte er sogar eine Bestätigung vor, dass er im Vorjahr ein teures Handy gefunden und bei der Polizei abgegeben habe. „So bin i.“

„Ich hab‘ gedacht, das ist mein Handy“

Mit Spannung warteten Richter und Bezirksanwältin dann auf das Beweisvideo des Trafikanten. Im Polizeiakt waren nur – schlechte – Fotos beigelegt. Während die Software zum Abspielen des Videos installiert wurde, berichtete der Trafikant, dass ihm nicht aufgefallen sei, dass ein Kunde seine Geldbörse am Pult vergessen hatte. „Der Corona-Sichtschutz spiegelt, ich habe nichts gesehen.“ Zunächst sei ein Freund des Opfers ins Geschäft gekommen und wollte dem Trafikanten den Diebstahl unterjubeln.

Dann wurden drei Videos im Gerichtssaal abgespielt. „Da, er hat es eindeutig weggenommen“, stellte der Richter fest. „Ich hab‘ gedacht, das ist mein Handy!“, beteuerte der Angeklagte. „Schauen wir uns das zweite Video an, da sieht man wunderschön, wie er es wegnimmt“, konterte der Zeuge. „Ein Handy ist schon anders als eine Geldbörse, geben Sie es einfach zu“, riet die Bezirksanwältin dem Angeklagten.

Als das Video einer anderen Kameraeinstellung gezeigt wurde, war der 58-Jährige überführt. „Ja, ich geb’s zu, was soll ich machen?“, war er schließlich gezwungen, die Tat einzugestehen. „Ich bin froh, dass ich die Kameras hab‘, sonst hätte er es mir in die Schuhe geschoben“, meinte der Trafikant.

170 Euro übergab der Angeklagte dem Opfer im Gericht. Da er bis zu dem Diebstahl unbescholten war, kam der Hollabrunner gegen Zahlung einer Buße von 600 Euro ohne Verurteilung davon. Mit einem Geständnis wäre er wohl günstiger ausgestiegen. „Danke und bitte weiter filmen“, verabschiedete der Richter den Trafikanten, denn: „Ohne Video geht nix.“