Kainrath vorerst im Rückwärtsgang. Autohaus-Chef musste widerrufen und darf Branchenkollegen nicht als Betrüger titulieren.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 11. Oktober 2019 (06:33)
NÖN
Rudolf Kainrath ist weiter überzeugt, ausreichend Beweise fürBetrügereien vorlegen zu können. Bei den bisherigen Rechtsstreitigkeiten wurde er allerdings ausgebremst.

„Kriminelle Vereinigung – Verschwörung im Kfz-Wesen?“ Mehr als ein Jahr ist es bereits her, dass Autohaus-Seniorchef Rudolf Kainrath mit schwerwiegenden Anschuldigungen im Rahmen einer Pressekonferenz samt Lokalaugenschein in Hollabrunn für Aufhorchen sorgte. Landesprüfungsstelle, Bundesinnungsmeister und Landesinnungsmeister würden unter einer Decke stecken, um ihm zu schaden. Bis heute strebt der Hollabrunner ein Strafverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Missbrauch der Amtsgewalt und schweren Betrugs durch Fahrzeugmanipulationen an. Nach einem verlorenen Rechtsstreit gegen den – mittlerweile ehemaligen – Bundesinnungsmeister Friedrich Nagl musste Kainrath nun auch bei Landesinnungsmeister Karl Scheibelhofer zurückrudern und stimmte einem Vergleich zu.

Zeugen widersprachen den Anschuldigungen

Anfang des Jahres bestätigte das Oberlandesgericht Wien ein Urteil des Landesgerichts Wien, wonach Kainrath jede Verbreitung der Behauptung, Kommerzialrat Nagl sei ein Betrüger und trage zur Fälschung von Sachverständigengutachten bei, zu unterlassen habe. Zudem musste er einen Widerruf im wöchentlichen Nachrichtendienst für die österreichische Automobilbranche veröffentlichen („Auto-Information“). Danach waren zwei Verfahren zwischen Scheibelhofer und Kainrath anhängig.

Kainrath klagte Scheibelhofer vor dem Bezirksgericht Hollabrunn auf Zahlung von rund 1.800 Euro sowie Feststellung der Haftung für künftige Schäden, weil dieser ein unrichtiges §-57a-Gutachten erstellt hätte. Er hätte dann das Auto aufgrund des Gutachtens angekauft und Reparaturaufwand gehabt.

„Das Beweisverfahren hat das Gegenteil ergeben. Alle befragten Zeugen gaben übereinstimmend an, dass das Fahrzeug ordnungsgemäß begutachtet, und der bestehende Mangel behoben wurde“, berichtet Scheibelhofers Anwalt Johannes Öhlböck, der bereits Nagl vertreten hatte. Bemerkenswert sei die Diskrepanz zwischen den Aussagen von Herrn Kainrath und jenen der Zeugen gewesen. Nachdem Öhlböck die Vereidigung der Zeugen und Kainraths beantragt hatte, zog Kainrath seine Klage unter Anspruchsverzicht zurück.

Auf der anderen Seite klagte Scheibelhofer vor dem LG Korneuburg analog zu Nagl auf Unterlassung der Bezeichnung als Betrüger etc. Dieses Verfahren wurde mit einem Vergleich beendet. Kainrath musste sich verpflichten, in Zukunft ehrenbeleidigende und kreditschädigende Aussagen zu unterlassen, die bisherigen Aussagen zu widerrufen, YouTube-Videos und einen Facebook-Beitrag zu entfernen sowie Kosten von Scheibelhofer zu übernehmen.

„Mehr bekommen, als wir wollten“

„Durch den Vergleich hat Scheibelhofer mehr bekommen, als er begehrt hat und wir mit einem Urteil erreicht hätten. Zudem wurden dadurch Ehre und Kredit von Karl Scheibelhofer wieder reingewaschen“, ist Rechtsbeistand Öhlböck zufrieden, der bei Kainrath eine „selektive Sichtweise“ ortet: „Was er nicht wahrhaben will, gibt es für ihn nicht.“ So hält auch der Korneuburger Richter Rainer Graf in seiner Urteilsbegründung fest: „Der Beklagte scheint von der Idee, dass gegen ihn eine Verschwörung stattfindet, so überzeugt zu sein, dass er sachliche Argumente für seine Theorien vermissen ließ.“

Geht es nach dem streitbaren Altunternehmer, ist die Fahnenstange indes längst nicht erreicht. „Es geht ganz groß weiter“, kündigte er am Montag auf NÖN-Nachfrage an, mit seinem Anwalt Adrian Hollaender die Wahrheitsfindung voranzutreiben und den größten Betrug in der Kfz-Branche aufzudecken. Noch im kommenden Winter werde es diesbezüglich einen Paukenschlag geben.