Michael Schwingenschlögl: Kein Lesefreund, aber Autor. Mit „Schöttau“ erscheint Michael Schwingenschlögls zweiter Roman im Eigenverlag. Mit der NÖN sprach der Hollabrunner über den Zugang zu seinem Schaffen.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 23. Januar 2021 (03:31)
Michael Schwingenschlögl 
Schwingenschlögl

2016 veröffentlichte der damals 25-jährige Geoinformatik-Student Michael Schwingenschlögl seinen ersten Roman „Märchenstunde“ im Eigenverlag. Der Spaß am Schreiben und der große Zuspruch zu seinem Erstling waren für den Hollabrunner die Triebfeder, nun ein zweites Buch mit dem Titel „Schöttau“ zu veröffentlichen; ein „Heimatdrama“, wie es im Untertitel heißt, das in der fiktiven Stadt Schöttau, am Fuße des Dachsteins gelegen, im Jahre 1899 spielt.

Michael Schwingenschlögl mit seinem neuesten Heimatroman „Schöttau“.
Schwingenschlögl

Die NÖN befragte den „Wiederholungstäter“ zu seinen Stilmitteln, seinen Zielen und wie zufrieden er mit der Rezeption seines ersten Romans war.

NÖN: Warum haben Sie jetzt bereits zum zweiten Mal zum Stilmittel des Erzählers gegriffen?

Michael Schwingenschlögl: Der Erzähler ist beim ersten Buch sehr gut angekommen. Er hat die Geschichte mit seinem sarkastischen Stil gut gelenkt und auch für einen Großteil des Humors gesorgt. Das wollte ich weiter beibehalten, ihn allerdings mit dem Verlauf der Geschichte mehr und mehr verstummen lassen und den – teils sehr schwarzen – Humor voll und ganz auf die Figuren und deren Handlungen legen. Mit dieser Entwicklung des Erzählers wollte ich auch meine persönliche Entwicklung darstellen.

Die „Märchenstunde“ war bereits mehrere hundert Seiten stark, „Schöttau“ ist ebenso umfangreich. Woher kommt Ihr Hang zur epischen Breite?

Schwingenschlögl: Es ergibt sich einfach. Wenn ich einmal in einer Geschichte drinnen bin, dann bin ich eben drinnen und dann fallen mir so viele Ideen ein. Ich schaue aber schon darauf, dass ich keine unnötigen Passagen einbaue. Bevor ein Buch veröffentlicht wird, bekommen es Testleser. Die geben mir dann ein Feedback und dann erfolgt der letzte Schliff.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Schreiben?

Schwingenschlögl: Ich bin da eigentlich sehr bescheiden. Mir fallen einfach Geschichten ein und die möchte ich erzählen; und wenn ich damit Leute gut unterhalten kann, dann freut mich das sehr. Dass ich das mittels Büchern tue, ist eine schöne Ironie, da ich selbst absolut kein Lesefreund bin. Aber das Erzählen von Geschichten macht mir viel Spaß, auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist. Wenn ich mal in einer Zwickmühle stecke, ist das genau die richtige Motivation. Nach ein paar Tagen oder Wochen kommt dann die Idee, wie es weitergehen bzw. wie alles am Ende nachvollziehbar zueinander laufen soll. Denn in meinen Büchern gibt es viele unerwartete Wendungen, die den Leser überraschen und schockieren sollen. Der Moment der Überraschung ist für mich einfach der beste … okay, dann gibt es noch einen Punkt: Auch wenn die Geschichten nie im Hier und Jetzt spielen, so enthalten manche Stellen eine gewisse Gesellschaftskritik zur heutigen Zeit. Es ist nicht schlecht, wenn man mal einen Spiegel vorgehalten bekommt; das schließt auch mich mit ein. Man muss sich einfach gelegentlich an die eigene Nase fassen können.

Sind Sie mit dem Erfolg Ihres Erstlingswerks zufrieden?

Schwingenschlögl: Ja, definitiv. Ich war überwältigt von den Feedbacks und Verkäufen. Wie gesagt, ich lese selbst nichts – außer Sachbücher über Berge und die Werke Tolkiens – und hatte kaum Ahnung von der Materie; und dann kommt die „Märchenstunde“ sehr gut an, fantastisch. Mein Schreibstil ist neu und unkonventionell, hat aber einen guten Anklang gefunden und das hat mich motiviert, noch ein Buch zu schreiben. Da „Schöttau – Ein Heimatdrama“ wieder sehr gut bei den Lesern und Leserinnen ankommt, steigt die Motivation, wieder ordentlich in die Tasten zu klopfen. Ideen gibt es mehrere, aber das braucht Zeit.