Sebastian Grimus: „Ein nicht endender Boxenstopp“. Hollabrunner Sebastian Grimus, der eben einen neuen Song veröffentlicht hat, über die derzeit demotivierende Situation.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 06. März 2021 (04:49)
Poetisch wurde der Musiker und Produzent Sebastian Grimus vom Fotografen ins Bild gesetzt. Weinkum
Harald Weinkum

Am 19. Februar war es so weit. Mit „Love You Better“ ging der vierte Song des Wiener Produzenten 7YFN – was so viel wie „7 Years From Now“ bedeutet – on air. Hinter 7YFN „verbirgt“ sich der gebürtige Hollabrunner Sebastian Grimus. Er greift in dem Lied das Thema Liebe unter Jugendlichen in Zeiten von Corona auf.

Das verbale „Könnte ich, würde ich … mehr Nähe zulassen … dich besser lieben“ wird im Song mit drängenden Beats ausgedrückt, die den pubertären Herzschlag und die gleichzeitige Unsicherheit widerspiegeln; gut tanzbar fürs hoffentlich bald wieder mögliche Anbandeln.

„Ich kenne Kollegen, die eine regelrechte Blockade hatten.“ Sebastian Grimus

Schon Grimus’ Veröffentlichung von „I Won’t“ im September 2020 beschäftigte sich mit dem Virus und damit, was es mit uns macht. In dem Song geht es um Zusammenhalt – oder eher darum, mit wem man zusammenhalten möchte. Wer hält zu einem in Zeiten der Krise? Die Lyrics des soeben veröffentlichten Songs sprechen die Themen Distanz, Sehnsucht, Unsicherheit, Vertrauen, aber auch Hoffnung an.

Die NÖN befragte Sebastian Grimus zu seinem kreativen Umgang mit Corona, Publikumsnähe und dem Wunsch, arbeiten zu dürfen.

NÖN: Wie kreativ macht Corona?

Sebastian Grimus: Die regelmäßigen Lockdowns sind für uns Künstler sehr demotivierend. Wir wissen nicht, wann wir wieder live spielen können, eine längerfristige Planung ist derzeit unmöglich. Ich kenne Kollegen, die eine regelrechte Blockade hatte, wobei eine Zeit lang gar kein kreativer Output für sie möglich war, obwohl die Zeit da gewesen wäre. Außerdem sind wir im Moment vom Staat abhängig, das ist für mich persönlich nach vielen erfolgreichen Jahren internationalen Tourlebens auch nicht das, was ich mir jemals gewünscht hatte. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei der niederösterreichischen Landesstelle für Kunst und Kultur bedanken, die mich bei der Umsetzung von „Love You Better“ finanziell unterstützt hat. Ohne diese Initiativen wäre es für uns Künstler schwer bis unmöglich, unsere Projekte weiter voranzutreiben.

Wie fühlt es sich an, in diesen Tagen ein Lied zu veröffentlichen?

Grimus: Songs zu veröffentlichen, ist momentan der einzige Weg, Musik zu machen, die auch gehört werden kann. Abgesehen von ein paar Streaming-Auftritten hatte ich seit dem Sommer keine Konzerte. Parov Stelar hat mir am Tag der Veröffentlichung auf die Box gesprochen, mir zu dem Song gratuliert und gesagt: „Weiter geht’s, wir halten durch!“ Er sprach mir aus der Seele. Es fühlt sich an, wie wenn du bei einem Formel-1-Rennen einen Boxenstopp machst, der nicht enden will. Du wartest, bis endlich die Reifen gewechselt sind, aber nichts passiert. Und keiner kann dir sagen, wie lange es noch dauert, während draußen das Safety Car alleine seine Runden dreht. Die tourfreie Zeit werde ich aber weiterhin nutzen, um vermehrt im Studio zu arbeiten; es sind schon weitere Songs in der Pipeline.

Kann das Feedback des Publikums durch soziale Medien kompensiert werden?

Grimus: Das direkte Publikum fehlt sehr. Konzertbesucher gehen auf ein Konzert, um mit Gleichgesinnten eine gute Zeit zu haben. Diese Atmosphäre kann man nicht durch Social Media oder Streaming ersetzen. Vielleicht wird es irgendwann neue Formate geben, die das besser ausgleichen können, derzeit kenne ich keines. Und für uns Künstler ist dieser Austausch mit dem Publikum ganz wichtig; ein Motor, der uns antreibt. Für diese Momente machen wir Musik. An einem Ort gemeinsam – dadurch wird die Musik noch intensiver erlebt. Aber das ist im Moment eben nicht möglich.

Wird es ein ganzes Album geben, das sich mit Corona beschäftigt?

Grimus: Nein, das habe ich nicht geplant. Irgendwann muss auch Schluss sein mit dem Thema. Ich denke, die Leute wollen nicht permanent damit konfrontiert werden. Alle sehnen sich nach dem Moment, wenn Corona überhaupt kein Thema mehr ist. Eine Nachrichtensendung, in der nicht als Erstes die Corona-Statistik präsentiert wird; ein Gespräch, in dem kein einziges Mal das Wort Corona fällt. Das wird wohl noch ein Weilchen dauern, aber irgendwann wird es im Aktualitätsranking nach unten sinken und wir werden als Gesellschaft wieder aufatmen können. Bis dahin wird mich und meine Kollegen die Pandemie weiter beeinflussen; sei es offensichtlich, indem das Thema offen bearbeitet wird, oder nur im künstlerisch Verborgenen, wo der Künstler seine Gefühle verarbeitet.