Zerrütteter Wald: Rodungen regen auf. Hollabrunn: Während Gemeinde die Notwendigkeit unterstreicht, beklagen Waldbenützer die radikale Vorgehensweise.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:57)
Dass die Arbeiten zum Teil arge optische Spuren hinterlassen werden, war bereits im Vorfeld kommuniziert worden. Dennoch ist nun die Aufregung unter vielen, die im Wald Erholung suchen, groß.
Gemeinde

Im Laufe der Woche kann die behördliche Sperre im Hollabrunner Wald voraussichtlich aufgehoben werden. Die Prophezeiung des Bezirksförsters, dass es nach den aus Sicherheitsgründen erforderlichen Rodungsarbeiten zu einem Aufschrei kommen werde, hat sich bewahrheitet. Denn die Optik des Hollabrunner Waldes hat arg gelitten.

Ein Gutachten sagt, dass Trockenstress und ein Pilz namens „Spindeliger Rübling“ die Auslöser für das Sterben der Roteichen waren. Deren Entfernung im Bereich zwischen Hubertusweg, Jahnstraße und Raschala ist weitgehend abgeschlossen, informierte Bezirksförster Rupert Klinghofer vergangene Woche.

Auch Dürrlinge und Käferbäume mussten – teils auf dringenden Wunsch von Anrainern, wie zu vernehmen ist – weichen, das Wäldchen hinter dem Friedhof ist „verstorben“.
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Als Ersatzbäume werden vom Bundesforschungszentrum für Wald am ehesten Traubeneichen empfohlen, noch geeigneter wären jedoch andere Baumarten wie Kirsche oder Linde, da diese nicht vom Pilz befallen werden.

Doch obwohl die Schlägerungsmaßnahmen angekündigt und gesetzlich erforderlich waren, gibt es Kritik von „Waldbenützern“. Als Sprachrohr wandte sich Günter Tröger mit einem Schreiben („Es war einmal … ein Erholungswald“) an die NÖN. „Sah es anfangs so aus, als würden die Schlägerungen eher behutsam und ohne Einsatz von schwerem Gerät erfolgen, hat sich das schlagartig geändert“, ist da zu lesen. „Eine riesige Maschine in der Größe eines Schützenpanzers durchpflügt seit dieser Woche den Wald und walzt alles nieder, was ihr in den Weg kommt.“

Kritisiert wird, dass der Harvester hunderte Meter in den Wald eindringt – auch dort, wo es keine Wanderwege gibt und daher keine Gefahr für Spaziergänger und Sportler bestehe. Auch Nadelbäume, Kirschen und Buchen werden gefällt. Wege und Waldboden würden auf Jahre geschädigt, lautet ein Kritikpunkt. Der Fitnessparcours werde lange Zeit unpassierbar bleiben. Aussendungen, in denen die Gemeinde mit der Lebensqualität durch den angrenzenden Wald wirbt, müssten nun geändert werden, meint Tröger und verweist auf die nachhaltige Bearbeitung des Waldes im Bereich der Schönborn’schen Forstverwaltung. „Ein großer Unterschied zum Gemeindewald.“

Entfernung der Bäume war alternativlos

Sabine Fasching: „Klimakrise verursacht Schäden.“
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„Auch mir blutet das Herz, wenn ich mir den jetzigen Zustand des Hollabrunner Waldes anschaue“, reagiert die zuständige Grünen-Stadträtin Sabine Fasching auf die Kritik. Doch es sei eben die menschengemachte Klimakrise, die den Bäumen derart zugesetzt hat, dass sie geschwächt und somit für Schädlinge ein leichtes Fressen waren bzw. sind. Aufgrund der akuten Gefahr für Spaziergänger gab es keine Alternative, als die betroffenen Bäume zu entfernen. „Ich setze mich deshalb für eine natürliche Verjüngung mit klimafitten Baumarten ein, damit uns in einigen Jahren ein ähnliches Schicksal erspart bleibt“, betont Fasching.

Dass auch andere Bäume als Roteichen gefällt wurden, hatte mit dem Borkenkäferbefall zu tun. Das betraf unter anderem das kleine Nadelwäldchen hinter dem Hollabrunner Friedhof. „Die Waldarbeiter waren bemüht, vorsichtig zu agieren, wo immer dies möglich war. Leider ist der Wald dennoch im betroffenen Bereich in keinem schönen Zustand“, erklärt die Stadträtin. „Wie viele Waldbenützer sind auch wir sehr traurig darüber.“