Sonnberg

Erstellt am 18. Mai 2018, 05:36

von Jutta Hahslinger

Häftling muss für Kebab-Wunsch ein Jahr mehr „sitzen“. „Wachbeamter ist kein Kellner, der Bestellungen entgegennimmt. Ein Gefängnis ist kein Hotel“, macht Richterin Häftling klar.

Verbotene Bitte an Beamten brachte Häftling Gefängnisverlängerung.  |  NOEN

„Ich habe doch nur gefragt, ob er mir was von draußen mitbringen kann. Ich wollte doch nur einen Kebab und ein Muntermachergetränk“, erklärt der 32-jährige Russe, der in der Justizanstalt Sonnberg eine vierjährige Gefängnisstrafe wegen Raubes verbüßt. Er sieht in seiner Bitte an einen Wachbeamten nichts Schlimmes.

„Versuch, den Beamten zu einem Amtsmissbrauch zu verleiten“

„Ihnen ist aber schon klar, dass der Beamte das nicht darf?“, hakt die Richterin nach. „Ja, das ist mir klar. Aber da ist doch nichts dabei“, antwortet der Russe sichtlich unwirsch. „Auch wenn es nur um ein Essen ging. Sie haben versucht, den Beamten zu einem Amtsmissbrauch zu verleiten“, wirft der Staatsanwalt harsch ein.

„Ein Gefängnis ist kein Hotel, wo man anrufen und Essen bestellen kann; auch kein Kaffeehaus, wo der Kellner Bestellungen entgegennimmt“, bringt es die Richterin auf den Punkt. Der Häftling meint ungehalten: „Dann bekomme ich halt wegen eines nicht erhaltenen Kebabs eine Strafe. Ist auch okay.“

„Damit kann ich dienen“, meint die Richterin und sie verlängert den Gefängnisaufenthalt des Russen um ein weiteres Jahr. Nicht rechtskräftig.