Wein-Etiketten: Braille, Rock’n‘Roll und Russen. Etiketten werden für die Winzer immer wichtiger. Sie sind zugleich Visitenkarte und sorgen für Wiedererkennungswerte.

Von Sandra Donnerbauer, Christian Pfeiffer und Raphael Krapscha. Erstellt am 21. Februar 2019 (06:13)
Rockabilly Weinkult
Ramona und René Pollak haben ihre Leidenschaft für Rock ‚n‘ Roll auch in die Gestaltung ihrer Etiketten einfließenlassen.

„Ein Etikett muss meiner Meinung nach nicht schön sein. Es muss einen Wiedererkennungswert haben. Die definierte Zielgruppe muss sich mit dem Etikett oder mit dem Logo identifizieren können oder zum Nachdenken anregen“, beschreibt Sofia Fischer ihren Zugang zu einem Marketing-Instrument, das immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Sie hat für den Winzer Rudi Maurer aus Oberfellabrunn auch mittels Marktforschung Etiketten designt, die vor allem russische Kunden ansprechen sollen. Fischer selbst hat russische Wurzeln, was es ihr erleichtert, „den Geschmack etwas einzuschätzen“. Das Ergebnis – „auch wenn es klischeehaft ausfällt“: elegantes Aussehen, prunkvoll, in den die Farben Gold und Schwarz gehalten.

Nicht nur schmecken, sondern auch fühlen

Dass die Auswahl eines Weinetiketts enorm wichtig ist, steht auch für die Betreiber des Rockabilly-Weinkults in Unterretzbach und des Weinguts Diem in Obermarkersdorf fest. „Es gibt viele Kunden, die beim Kauf nur auf das Etikett schauen“, sagt René Pollak vom Rockabilly-Weinkult. Außerdem sei es „die Visitenkarte jedes Weinguts und muss daher einen unvergleichbaren Wiedererkennungswert haben“, erklärt Gerald Diem, der das Weingut im Jahr 2000 übernommen hat.

Rudi Maurer
Extra für den russischen Markt designt Rudi Maurer aus Oberfellabrunn seit einiger Zeit seine Etiketten und hat damit Erfolg.

„Man darf den Wein nicht nur schmecken, sondern muss ihn auch fühlen in seiner Besonderheit“, wirbt der Winzer auf seiner Homepage. „Wir konnten im Jahr 2000 Kunden gewinnen, deren beiden Söhne aufgrund eines genetischen Defekts erblindet waren. Als wir 2002 unseren gesamten grafischen Auftritt neu gestalteten, war uns klar, dass wir ein Statement setzen wollen“, so Diem. Seitdem sind die schwarz-weißen Etiketten des Weinguts mit Brailleschrift versehen, damit auch blinde Personen sie lesen können.

Marke hinter dem Wein wird immer wichtiger

„Wir sehen unsere Etiketten mit der Brailleschrift als Statement, dass uns Menschen mit einem Handicap nicht egal sind.“ Natürlich seien die Aufschriften auch gut für das Image des Weinguts, denn die „Marke hinter dem Wein“ werde immer wichtiger.

Das wissen die Betreiber des Rockabilly-Weinkults und haben sich ebenso etwas Besonderes überlegt.

Anders als bei vielen anderen Weinen fallen die Etiketten gleich durch ihr farbenfrohes Design auf. „Die Weine sollen Spaß machen“, sagt Winzer René Pollak. Daher wurde im Jahr 2003 eine Tattoo-Künstlerin damit beauftragt, den Weinen ein modernes Image zu verleihen.

Seitdem schmücken Zeichnungen im Rockabilly- und 50er- Jahre-Stil die Flaschen. „Dadurch, dass uns die Arbeit von Tattoo-Künstlern schon immer fasziniert hat, haben wir beschlossen, unsere Etiketten in diesem Stil entwerfen zu lassen“, erzählt Pollak, der selbst tätowiert ist.

In Zukunft möchte man beim Rockabilly-Weinkult dem derzeitigen Stil treu bleiben. „Die Etiketten spiegeln unser Leben wider, die Liebe zum Wein und die Liebe zu den 50er- Jahren.“

Die Etiketten des Haugsdorfer Winzers Anton Schöfmann haben tatsächlich ein Kunstwerk als Vorlage. Der skizzierte Vogelschwarm entstammt dem Zeichenstift des Retzer Künstlers Alfred Spitzer. Dessen Frau Martina Kroiher-Spitzer zeichnet als Grafikdesignerin für viele Etiketten heimischer Winzer verantwortlich und hat schon vor zehn Jahren die „Vogel-Reihe“ ihres Mannes fürs Design herangezogen.

Ein Vogelschwarm mit Wiedererkennungswert

Inzwischen ist das außergewöhnliche Motiv zum Markenzeichen geworden. „Immer, wenn man einen Vogelschwarm fliegen sieht, ist es eine Werbefläche für Toni Schöfmann“, scherzt die Designerin.

In einem sind sich aber alle einig: „Das wohl Wichtigste ist es nach wie vor, eine hervorragende und konstante Weinqualität in die Flasche zu bringen“, sagt Diem. Sonst nützt auch die beste grafische Gestaltung nichts.