Erstellt am 13. Juli 2018, 10:21

von Sandra Frank

Künstliche Intelligenz versus kritische Geister. Drei Tage machten sich Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft am Heldenberg beim BildungsKonzil der Wirtschaftskammer Gedanken darüber, ob Künstliche Intelligenz Bildung braucht.

Das Automobilmuseum am Heldenberg diente als Kulisse für die Podiumsdiskussion am Ende des dreitägigen BildungsKonzils-Heldenberg der Wirtschaftskammer NÖ.  |  NÖN.at, Sandra Frank

„Wir sind die Menschen und wir setzen das Werkzeug - und Künstliche Intelligenz ist für mich ein Werkzeug - ein. KI soll uns unterstützen, aber sie darf uns nicht beherrschen.“ Mit diesem Satz fasste Sonja Zwazl, Präsidentin der NÖ Wirtschaftskammer, die Erkenntnis des BildungsKonzils Heldenberg in einem Satz zusammen.

Dort wurde an drei Tagen in sogenannten „Denkräumen“ diskutiert, ob Künstliche Intelligenz (KI) Bildung braucht.
Die Antworten auf diese Frage sind komplex. Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft und dem pädagogischen Bereich sind sich einig, dass die Jugend unbedingt lernen muss, mit KI umzugehen, um nicht Gefahr zu laufen, sich ganz von ihr leiten zu lassen. „Das kritische Hinterfragen muss im Vordergrund stehen“, betonte Zwazl.

Künstliche Intelligenz hilft in Südkorea beim Lernen

In all den Denkräumen, die sich mit Potenzialen, Strategien und Verantwortung auseinandersetzten, war unabhängig voneinander die Ethik ein großes Thema.

KI-Experte Holger Volland, Bürgermeister Peter Steinbach, WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl, Bischof Klaus Küng, AKNÖ-Präsident Markus Wieser und Jörg Summer, einer der Organisatoren.  |  NÖN.at, Sandra Frank

Bei der Entwicklung von KI hat Asien die Nase vorne, wie Experte Holger Volland bei der abschließenden Podiumsdiskussion berichtete. So  erzählte er von Südkorea, wo Kinder um die 14 Stunden pro Tag lernen müssen. Dort gibt es Einrichtungen, die mithilfe von KI die Defizite der Schüler analysieren, potenzielle Prüfungsfragen errechnen und die Jugendlichen so zu fast fehlerfreien Prüfungen hinführen.

"Nonkonformismus wird in Korea aussortiert"

„Dieses Beispiel lehne ich als Mutter ab. Ich will keine Roboter, ich will Menschen“, war Zwazl von Vollands Ausführungen schockiert. Wo der KI-Experte Europas Rolle in der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sieht? „Es kann unsere Aufgaben sein, der KI die ethische Komponente mitzugeben.“ Denn auch er blickt besorgt nach Asien: „In Korea ist ein Nonkonformist nichts wert, der wird aussortiert. Da kommt einem das Grausen.“ Er und Zwazl sind sich einig, dass es die „Um-die-Ecke-Denker“, die Kreativen und Aufmüpfigen in der Gesellschaft braucht.

Klaus Küng: "Jugend muss sich Freiheit bewahren"

In diese Kerbe schlug ein weiterer Diskutant auf dem Podium: Klaus Küng, emeritierter Bischof der Diözese St. Pölten. „Die Kinder müssen befähigt werden, eigenständig zu denken. Sie müssen sich die Freiheit bewahren. Viele Menschen sind getrieben von Erfolg und Wohlstand und geraten in ein Leben, das nicht lebenswert ist.“ Es brauche einen kritischen Geist, ist Küng überzeugt. Und: „Sie müssen lernen, Prioritäten zu setzten, sich Zeit für sich zu nehmen, sonst gehen sie zugrunde.“

Ebenfalls am Podium war Markus Wieser, NÖ-Chef der Arbeiterkammer. Er äußerte große Bedenken, dass jene, die nicht mit KI umgehen können, oder sich die Teilhabe schlicht nicht leisten können, aus der Gesellschaft herausfallen, weil ihre Jobs bald nicht mehr existieren. Er weiß, dass viele der Beschäftigten diese Ängste haben. „Glaubst du nicht, dass es neue Berufe geben wird?“, blickt die WKNÖ-Präsidentin mit mehr Optimismus in die Zukunft. Die Jugend kenne sich aus, dennoch müsse sie aber auf den Umgang mit KI vorbereitet werden.