Retzer Kultur-Obmann: „Sehe auch andere Seite“. Während für Sportstätten und Gastro ein vager Plan vorliegt, muss die Kunstszene noch immer warten. „Wir planen im Hintergrund“, sagt der Retzer Kultur-Obmann.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 03. März 2021 (03:56)
Gemeinderat Stefan Fehringer betrachtet die Lage mit Vorsicht.
Enzmann

„Es ist ein mutiger Schritt gemacht worden; manche würden es auch als unvernünftig bezeichnen“, sagt der Retzer Kulturausschussobmann Stefan Fehringer. Er ist Mitglied des Retzer Gemeinderats und ist in der Frage der Öffnungen zwiegespalten, da er Bereichsleiter der Covid-Station am Landesklinikum Horn ist.

„Eigentlich“, meint er, „sprechen die Zahlen dafür, dass wir Verschärfungen machen“, der Druck aus der Bevölkerung sei aber zu hoch gewesen. Durch seine Arbeit auf der Covid-Station hat Fehringer einen differenzierten Blick: „Jede Lockerung bedeutet mehr Infizierte und mehr Sterbefälle. Da sehe ich auch die andere Seite und wie das ausgehen kann.“

Jobwechsel: Vom Musiker zum Polizisten

Je mehr wir impfen, desto mehr Veranstaltungen werden möglich sein. Stefan Fehringer, Kultur- ausschussobmann in Retz

Dass angesichts des Stillstands jetzt viele Musiker in eine andere Branche umsatteln, könne sich Fehringer vorstellen. Sein Sohn studiert Musik und habe einige Kollegen, die in hochrangigen Orchestern gespielt haben und jetzt bei der Polizei oder Bahn zu arbeiten begonnen hätten. Fehringers Sohn sei nicht so sehr betroffen: „Er studiert noch und ist daher sehr beschäftigt, die Auftritte gehen ihm aber schon stark ab.“

Während der Kinder- und Jugendsport in Vereinen Mitte März wieder möglich sein soll, ist für den Kultursektor eine Öffnungsperspektive frühestens im April in Sicht. Wie findet das Stefan Fehringer? „Ich habe Verständnis für den Sport, weil es da andere Rahmenbedingungen gibt, da die Kinder davor getestet werden. Es ist auch wichtig, dass sie außerhalb der Schule einen sozialen Kontakt haben – man muss da trotzdem vorsichtig sein.“

Trotz der eher ernüchternden Aussichten soll das kulturelle Leben in Retz für Akzente sorgen: Wenn Mitte April schon Lockerungen möglich sind, könne das Kellertheater Retz mit seiner Neuinterpretation von „Alice im Wunderland“ unter der Leitung von Nikolaus Stich und Ursula Leitner Fahrt aufnehmen. „Das Kellertheater hat schon im Herbst an einem guten Sicherheitskonzept zu planen begonnen, wie man mit genügend Abstand Kultur erleben kann“, erzählt Fehringer.

Die Kirchenoper im Rahmen des Festivals Retz müsse aber umstrukturiert werden: „Da können wir durch den Abstand fast keine Zuschauer hineinbringen; wir sind aber dabei, zu besprechen, in welcher Form die Kirchenoper möglich ist“, schildert der Obmann. Das renoviere Kulturhaus „Schüttkasten Retz“ soll ebenfalls mit kulturellem Leben gefüllt werden. Man sei gerade dabei, einen Verein zu gründen, der hochwertige Veranstaltungen in das Kulturhaus bringt. „Wir haben es da aber nicht eilig, da es sich auf den Indoor-Bereich bezieht“, meint Fehringer. Doch er macht Mut: „Je mehr wir impfen, desto mehr Veranstaltungen werden möglich sein. Das Retzer Kulturleben ist nicht im Stillstand, wir planen im Hintergrund!“

Vorerst verharrt die Kultur jedoch in der Warteschleife.