Grenzenlose Kunst in Haugsdorf. Heidi Drahota und Herbert Steiner haben die Grenzen miterlebt und setzen sich künstlerisch damit auseinander.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 17. August 2019 (06:11)
Romana Schuler
Organisatorin Irene Zöch mit Künstlerin Heidi Drahota bei der Vorbe

„30 Jahre Grenzöffnung“ ist das Motto der Ausstellungen im Rahmen der Veranstaltung „Kunst & Wein“ in der Haugsdorfer Kellertrift (24./25.8.). „Diese Grenze war für mich wie das Ende der Welt“, erinnert sich Organisatorin Irene Zöch.

„Als sich die Grenzen 1989 öffneten, war ich voller Neugier. Ich wollte wissen, wie die Menschen dort drüben leben.“ Kaum vier Jahre später war die studierte Literaturwissenschaftlerin dann für einen deutschen Verlag in Prag tätig.

Ähnlich hat die in Nürnberg und in Peigarten lebende Künstlerin Heidi Drahota die Grenzöffnung in Deutschland erlebt. Umso mehr wünscht sie sich heute, dass die inneren und äußeren Grenzen der Menschen überwunden werden. „Vor der Maueröffnung war Deutschland für mich zwei Länder, ich hätte mir nie eine Wiedervereinigung vorstellen können. Die politische Grenze ist zwar überwunden, aber es nehmen unsichtbare Grenzen zu, wie etwa der Fremdenhass.“

Drahota wird im Presshaus Schuster eine ihrer Arbeiten, „Das Grüne Band“, präsentieren. Die Künstlerin thematisiert damit den sogenannten Todesstreifen am Eisernen Vorhang, der sich von Riga bis zum Schwarzen Meer zog und teils in Nationalparks umgewandelt wurde.

Regime-Kritik war durch Puppenspiel möglich

„Die Maueröffnung war ein überwältigendes Erlebnis für mich“, erzählt der Objektkünstler Herbert Steiner, der dieses historische Ereignis direkt in der Grenzstadt Lübeck miterlebte.

„Die Hilfsbereitschaft war groß, es wurden Geld oder Essensgeschenke an die Menschen aus Ostdeutschland verteilt“, berichtet Steiner. „Ich war als Kulturvermittler tätig und habe Puppenspieler von drüben eingeladen. Das Puppenspiel erlaubte Künstlern in Ostdeutschland, kritisch zu sein, ohne gleich zensuriert zu werden.“

Steiner nutzt heute ein Obritzer Presshaus als Depot für seine Arbeiten. Als künstlerisches Material dient ihm vorwiegend Holz, etwa Schwemmhölzer: „Vielleicht sind die Hölzer sogar durch mehrere Länder geflossen und tragen somit die Idee von Grenzenlosigkeit in sich.“

Neben Heidi Drahota und Herbert Steiner wird eine Licht-Klang-Installation von Trautonia Capra in einer Kellerröhre präsentiert, auch Malerei von Jirí Ryšavýes aus Vranov und Lenka Neuhauserová aus Břeclav wird zu sehen sein.