"Unikat" der Finanzpolizei geht in Pension . Manfred Baumgartner leitete die 2007 gegründete Sondereinheit "Kiab", die später zur Finanzpolizei wurde. Ihren Sitz hat sie in Hollabrunn, das Einsatzgebiet erstreckt sich aber auch über die Bezirke Korneuburg und Tulln sowie über Klosterneuburg und Gerasdorf. Am 1. Juli ging eine Ära zu Ende: Baumgartner ging mit 64-Jahren in den Ruhestand. In seiner Heimatgemeinde Alberndorf, wo er auch Vizebürgermeister ist, bleibt er politisch aktiv.

Von Sandra Frank. Erstellt am 18. Juli 2021 (18:31)
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Er machte Manfred Baumgartner (r.) 2007 zum Leiter der "Kiab", der späteren Finanzpolizei: Finanzamtchef Anton Trauner.
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Ein „Finanzler“ war Manfred Baumgartner seit dem Jahr 1981, 2007 übernahm er die Leitung der neu geschaffenen Sondereinheit „Kiab“, die Kontrolle illegaler Arbeitnehmerbeschäftigung, die später zur Finanzpolizei wurde. Nach 40 Jahren im Dienst ging der Alberndorfer nun in Pension – das feierte er mit Kollegen, die zu Freunden wurden, Wegbegleitern, Mentoren und natürlich seiner Familie.

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Gottfried Waldhäusl (l.), Manfred Frey und Martin Jilch (v.r.) durften die "Jubelreden" bei Manfred Baumgartners (2.v.l) Pensions-Antrittsfeier halten.
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„Fast alle haben gesagt: Mach’s lieber nicht“, erinnert sich Baumgartner, der Vizebürgermeister in seinem Heimatort ist, an das Jahr 2007 zurück. Finanzamtschef Anton Trauner war es schließlich, der ihn dazu bewegt hatte, den Job doch anzunehmen. „Und ich habe es nie bereut“, sagt Baumgartner, der mit seinen Team für die Bezirke Hollabrunn, Korneuburg, Tulln sowie Klosterneuburg und Gerasdorf zuständig war. „Es war eine ehrenvolle und abwechslungsreiche Aufgabe“, berichtete der 64-Jährige seinen Festgästen.

Gottfried Waldhäusl lernte viel von Manfred Baumgartner

Landesrat Gottfried Waldhäusl war der erste, der eine „Jubelrede“ vor dem Markward-Keller in Untermarkersdorf halten durfte. Die beiden haben sich vor vielen Jahren kennengelernt, als Baumgartner noch in der Bauernkammer aktiv war. „Da hab‘ ich viel von ihm lernen dürfen“, erzählt Waldhäusl, wie die Freundschaft ihren Lauf nahm.

„Ich habe ihn als einen der seltenen Menschen kennengelernt, die sich charakterlich nicht verändert haben“, bewundert der Landesrat, dass Baumgartner mit den Jahren nur noch menschlicher geworden sei. „Wir haben ihn erst umschulen müssen, als Waldviertler hat er ja zuerst viel Bier getrunken“, erzählte der Neo-Pensionist lachend über seine Freundschaft mit Waldhäusl.

Manfred Frey machte mit Baumgartner einen guten Griff

Noch länger als Waldhäusl hat ein anderer Baumgartners Leben begleitet: Manfred Frey, letzter Präsident der Finanzlandesdirektion, hatte ihn 1981 eingestellt. „Und nun schick‘ ich ihn in Pension“, schmunzelte Frey. Baumgartner sei ein guter Griff für die Finanzverwaltung gewesen, da er aus dem wirtschaftlichen Bereich kam. Frey erinnert sich an die „steile Karriere“, die Baumgartner innerhalb der Finanz hinlegte, „weil er unheimlich einsatzfreudig“ gewesen sei. Hatte er sich etwas vorgenommen, so habe er es mit eiserner Energie durchgezogen.

„Ich hab‘ Manfred einmal als Torwart erlebt. Ich kann mir vorstellen, dass er früher einmal ein brauchbarer war“, scherzte Frey. Bei der Finanzpolizei habe Baumgartner immer mit Augenmaß und nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit entschieden. „Er ist ein großer Pulkautaler“, ist Frey froh, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten eine belastbare Freundschaft entwickelt hat.

Baumgartner deckte mit seinem Team "Obstskandal" auf

Martin Jilch, stellvertretender Direktor der Landwirtschaftskammer NÖ, beschreibt Baumgartner als geradlinigen Menschen. Besonders erinnert er sich an einen Betrug im Obstbau, den der Finanzpolizeichef mit seinem Team aufgedeckt hat: Hier war die Herkunft von Obst falsch gekennzeichnet und als österreichisches Obst ausgegeben worden. Dass dies aufgedeckt wurde, brachte direkte Wertschöpfung für die heimische Landwirtschaft, wie Jilch am Beispiel der Wachauer Marille deutlich machte. Deren Preis stieg um einen Euro an.

Geschichten wie diese kann Baumgartner viele erzählen. Stolz ist er, dass er sehr findige Mitarbeiter hatte. Eine Baustelle in einem Innenhof sollte kontrolliert werden. „Wir haben gewusst, da sind Schwarzarbeiter.“ Weil der Hof aber uneinsehbar war, sprang ein Finanzpolizist in die Schaufel eines Baggers, der eigentlich für Straßenbauarbeiten im Einsatz war, ließ sich hinaufheben, blickte über die Mauer und sah so die illegalen Arbeiter.

Oft Vorreiter trotz knapper Personal-Ressourcen

Eine Vorreiterrolle nahm Baumgartners Team ein, als es um die Kontrolle von Paketzustellern ging. Durch ihre Ermittlungen konnten 65 Einsatzkräfte 998 Anzeigen verteilen. „Die Nachbearbeitung hat zwölf Leute eine Jahr lang beschäftigt“, weiß Baumgartner. Bei den Glücksspielkontrollen war seine Mannschaft ebenfalls als Vorreiter bekannt. Ebenso beim Kraftfahrliniengesetz: „Das hat kein Team gemacht, aber wir haben uns eingelesen.“ Dabei sind die personellen Ressourcen überschaubar: „Mit mir sind es zwölf Leute“, schmunzelt Baumgarnter, der Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich ist.

„Ich bin immer gern in den Dienst gegangen“, erzählt Baumgartner, der ankündigt, politisch weiterhin gern aktiv zu bleiben. „So ein Unikat werden wir nicht mehr bekommen“, weiß Finanzamtschef Trauner. Warum er den Familienvater 2007 für die Leitung der Kiab haben wollte? „Für mich war es wichtig, dass der Teamleiter Kenntnis von der Finanzverwaltung hat. Das war sicher Manfreds Erfolgsgeheimnis.“