47-Jährige in Korneuburg vor Gericht. Weil sie ihrem ehemaligen Ehemann im August 2018 an einem Bahnhof im Bezirk Hollabrunn aufgelauert und ihn mit einem Messer angegriffen haben soll, ist eine 47-Jährige am Freitag in Korneuburg vor dem Schwurgericht gestanden.

Von Redaktion, APA. Update am 18. Januar 2019 (12:19)
Hahslinger
Die Angeklagte vor Gericht

Update am Freitag, 12.19 Uhr: Beratungen der Geschworenen starteten

Am Landesgericht Korneuburg haben sich die Geschworenen im Prozess gegen eine 47-Jährige zu den Beratungen zurückgezogen. Die Staatsanwältin verwies in ihrem Schlussvortrag auf das Geständnis, das die Angeklagte bei der polizeilichen Einvernahme abgelegt hatte. Verteidiger Andreas Schweitzer forderte einen Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung.

Die Vertreterin der Anklagebehörde betonte, dass die Beschuldigte den Entschluss getroffen habe, das Opfer nicht mehr sehen zu wollen und den Mann umbringen zu wollen, als sie das Messer in der Küche in die Handtasche einpackte. "Gott sei Dank" sei die Konsequenz der Stichbewegung "nur eine leichte Verletzung" gewesen. Nach der Tat habe die 47-Jährige vor Polizisten "im Grunde ein Geständnis abgelegt". Die Beschuldigte habe "Wut, Hass und Verzweiflung" als Motiv vorgegeben.

Verteidiger Schweitzer verwies in seinem Plädoyer im Bezug auf das Geständnis bei der polizeilichen Einvernahme darauf, dass sich die Angeklagte zu diesem Zeitpunkt in einer "extrem belastenden Situation" befand. "Da ist es wohl legitim, zu sagen, mir ist alles wurscht, ich sage alles." Die Stichbewegung sei "mit so einer geringen Intensität" durchgeführt worden, dass fraglich sei, ob das Messer überhaupt den Brustbereich erreicht hätte. Ein Tötungsvorsatz liege nicht vor.

In einem psychiatrisches Gutachten wurde festgehalten, dass die Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter anderem aufgrund massiver Enttäuschung in einem "mittelschwer depressiven Zustand" war. Eine Beeinträchtigung war gegeben, die Dispositionsfähigkeit aber nicht zur Gänze aufgehoben.

Ein medizinisches Gutachten bescheinigte dem Opfer eine Schnittwunde an der rechten Handfläche sowie eine minimale Schnittwunde an der Beugeseite des rechten Daumens. "Es war also wirklich eine Minimalverletzung", sagte der Gutachter, diese sei als "Abwehrverletzung zu interpretieren". Behandelt wurde der 32-Jährige ausschließlich von einem praktischen Arzt.

Die Laienrichter haben über die Hauptfrage nach versuchtem Mord sowie über die beiden Eventualfragen nach versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung und versuchter schwerer Körperverletzung zu entscheiden. Die Beratungen starteten gegen 12.00 Uhr. Mit einem Urteil wurde am Nachmittag gerechnet.

NÖN.at hatte berichtet:

Die Angeklagte musste sich wegen versuchten Mordes verantworten, bestritt diesen Vorwurf aber. Die Beschuldigte räumte ein, ihren Ex verletzt zu haben.

Der Ex-Mann der Beschuldigten hatte laut Anklage sein Besuchsrecht ausgeübt und die beiden gemeinsamen Kinder am Abend des 12. August mit dem Zug zurückgebracht. Am Bahnhof übergab er den Nachwuchs seiner Ex-Schwiegermutter, die von der 47-Jährigen beauftragt worden war, die Kinder abzuholen. Sie selbst hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft zuvor in einem Heurigenlokal "fünf bis sechs weiße Spritzer" getrunken.

"Sie haben den Mann verletzt"

Dennoch fuhr die Angeklagte zum Bahnhof. Als die Kinder weg waren, soll die Beschuldigte sich an ihren Ex herangeschlichen haben. Der Mann bemerkte sie und ging auf die 47-Jährige zu, ein Streitgespräch entwickelte sich. Im Zuge dessen zog die Beschuldigte laut Anklage das Messer aus der Handtasche und stach in Richtung des Brustbereichs des Mannes.

Das Opfer wehrte den Angriff mit der rechten Hand ab und erlitt dabei eine blutende oberflächliche Schnittwunde an der Hand sowie am Daumen. Im Anschluss lief der Mann davon und suchte Zuflucht in einem Haus in Bahnhofsnähe. Die 47-Jährige fuhr dem Opfer laut Anklage zuerst mit dem Auto nach und stellte sich später der Polizei.

Der Verteidiger der Beschuldigten hielt fest, dass die Stichbewegung mit geringer Intensität durchgeführt wurde und keine Lebensgefahr bestanden habe. Das ließe darauf schließen, dass die 47-Jährige ihren Mann nicht töten habe wollen. "Sonst hätte sie fester, gezielter zugestochen." Sie habe den Mann verletzt, räumte er ein. "Aber dass sie ihn umbringen wollte? Nein!" Ein umfassendes und reumütiges Geständnis habe seine Mandantin bei einer ersten Einvernahme nur deshalb abgegeben, "weil ihr alles über den Kopf gewachsen ist".

Angeklagte: "Wie in einem Film"

Am Freitagvormittag ist die Angeklagte befragt worden. Die Frau schilderte, dass sie in Richtung ihres Ex-Mannes stach, als dieser im Zuge eines Streitgesprächs in ihre Tasche greifen wollte. Warum sie den 32-Jährigen danach verfolgte, wisse sie nicht: "Das war wie in einem Film."

Die Ehe der Angeklagten und des Opfers wurde im Februar 2015 geschieden. In der Woche vor dem Vorfall am Bahnhof habe sie erfahren, dass ihr ehemaliger Mann wieder geheiratet hatte, sagte die Angeklagte. Sie habe sich danach "verzweifelt und hoffnungslos" gefühlt. Das Zusammentreffen am 12. August sei die erste Begegnung mit ihrem Ex nach dieser Nachricht gewesen.

Beim Besuch des Heurigenlokals am Tag des Messerangriffs habe sie sich immer wieder gesagt, dass sie den Mann "nie wieder sehen möchte". Wie das gehen solle, dazu habe sie aber vorerst "keine klare Vorstellung gehabt", schilderte die 47-Jährige. Vom Lokal aus fuhr die Frau nach Hause und holte dort das Küchenmesser. "Wenn sich Gelegenheit ergibt, habe ich mir gedacht, dass ich ihn umbringe", sagte die Beschuldigte. Nach den konsumierten alkoholischen Getränken hatte sie laut Anklage 0,54 Promille im Blut.

Beim Bahnhof angekommen, versteckte sich die Angeklagte laut eigenen Angaben bei einem Trafohäuschen und beobachtete ihren ehemaligen Gatten bei der Übergabe der Kinder an dessen Ex-Schwiegermutter. Danach ging sie durch den Warteraum in Richtung Bahnsteig, wo sie auf das spätere Opfer traf - eine Hand habe sie dabei in der Handtasche gehabt. "Er hat mich gefragt, was ich in der Tasche habe und ob ich eine Pistole mithabe", sagte die 47-Jährige. "Ich war momentan sprachlos, habe eigentlich gar nicht reagiert."

Ein zwei- bis dreiminütiges Streitgespräch habe in der Folge begonnen, gab die Beschuldigte an. "Dann habe ich plötzlich gesehen, wie er mit seiner Hand in meine Tasche greifen wollte." Daraufhin habe sie das Messer aus der Tasche gezogen und sei in Richtung des 32-Jährigen gestochen. Dieser habe sich dann umgedreht und sei weggerannt. "Am Anfang bin ich ihm nachgelaufen", am Parkplatz sei sie aber so außer Atem gewesen, "dass ich stehen bleiben musste".

Das Nachlaufen sei ohnehin sinnlos gewesen. Warum sie den Mann überhaupt verfolgt habe, sei ihr nicht klar: "Das war wie in einem Film." Auf die Frage, wie sie heute über die Tat denke, meinte die Angeklagte: "Wenn ich den Tag aus meinem Leben streichen könnte, würde ich es machen."

Das 32-jährige Opfer entschlug sich und wurde vor dem Schwurgericht nicht befragt. Der Prozess sollte nach einer Pause mit dem Vortrag der Sachverständigengutachten fortgesetzt werden.