Pulkau: Das Leben an der Grenze. Zeitzeugen berichteten den Mittelschülern von ihren Erlebnissen auf beiden Seiten der Grenze. Franz und Heidemarie Kraus erzählten von Hardegg.

Von Michael Böck. Erstellt am 16. November 2019 (05:26)
Franz und Heidemarie Kraus erzählten den Schülern vonihren Erinnerungen an den „Eisernen Vorhang“.
Böck

Der „Eiserne Vorhang“ trennte Ost und West lange Zeit. Vor 30 Jahren stellte die Grenze auf einmal kein unüberwindbares Hindernis mehr für die Menschen dar, sie konnten „freien“ Boden betreten.

Damit dieses unvergleichliche Ereignis nicht in Vergessenheit gerät, wurde zum Jubiläum der Grenzöffnung in der Mittelschule Pulkau ein Projekttag zu „30 Jahre offene Grenze“ abgehalten. Neben diversen Workshops erzählten Zeitzeugen von ihren Erfahrungen und Eindrücken von damals.

Pensioniertes Lehrerpaar berichtete über seine Erlebnisse

Pawel und Vera Nowak konnten als absolute Ausnahmefälle bereits 1978 aus der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich ausreisen. Im kommunistisch geführten Staat war das nur sehr wenigen Personen, die die Behörden als „vertrauenswürdig“ einstuften, gestattet. Sie lebten damals in Znaim und schafften es mithilfe einer Bekannten, die Übertrittsgenehmigungen ausstellte, über den Kleinhaugsdorfer Grenzübergang in den Westen.

Genau jene Erlebnisse und auch über das Leben hinter dem „Eisernen Vorhang“ schilderte das Paar den Schülern und beantworteten deren Fragen. Die Nowaks erzählten von einem Fluchtversuch mit einem Ballon, der TV-Propaganda gegen den Westen, dem Schulleben, Problemen mit der Stasi und vielem mehr.

Das pensionierte Lehrerpaar Heidemarie und Franz Kraus hingegen berichtete über seine grenznahen Erlebnisse auf österreichischer Seite. Franz Kraus erinnert sich an seine Jugend in Hardegg, an Grenzsoldaten, die am Thaya-Ufer auf tschechischer Seite patrouillierten. Die Kinder warnte man davor, die Mitte der Thaya zu überqueren, da sie sonst von den Tschechen mitgenommen würden.

Dabei hätte er aber nie Feindseligkeiten mitbekommen – im Gegenteil: Er erinnert sich an eine Begegnung mit freundlichen Soldaten, mit denen er sich mit Freunden in der Mitte der eigentlich abgesperrten Thaya-brücke verabredete. Trotzdem, erklärte Kraus, ging es nicht überall an der Grenze so friedlich zu. An der harten, eigentlichen Grenze sei der Ton um einiges rauer gewesen.