Retz

Erstellt am 13. Juni 2018, 04:27

von Karin Widhalm und Sandra Frank

Landesausstellung: Retz-Znojmo gibt nicht auf. Die Landesausstellung ist in Marchegg, aber die Region will Ideen weiterverfolgen.

er Kontakt zwischen Retz und Znaim erlebte zuletzt einen Aufschwung: Diesen Weg will man künftig weitergehen.  |  NÖN-Archiv

Seid ihr betrübt über das Aus für Retz-Znojmo 2021, fragt die NÖN online ihre Community. 50,8 Prozent finden es schade, dass die beiden Städte die Landesausstellung nicht ausrichten dürfen. 23,6 Prozent haben mit einer Absage gerechnet, während 25,7 Prozent sagen: Das hätte ohnehin nichts gebracht.

„Die Quintessenz ist: Eine Entscheidung ist eine Entscheidung. Mir persönlich tut‘s natürlich leid, aber die Bewerbung von Marchegg ist auch sehr gut“, erklärt Hannes Weitschacher vom Verein „Retz-Znojmo 2021“. Der Vorstand setzte sich am Freitag zusammen, um weitere Schritte zu überlegen.

„Allein die Bewerbungsphase hat viel gebracht“

„Was mich aber freut, ist, dass alle unisono nicht in ein Gejammere eingestimmt haben“, betont er. „Jeder Bürgermeister hat gesagt, dass alleine die Bewerbungsphase viel gebracht hat – in einer Intensität, die noch nie da war.“ Weitschacher spricht von den grenzüberschreitenden Kontakten, die geknüpft und gepflegt werden. Das soll fortgeführt werden.

Geplant ist daher ein Workshop im Juni mit Vertretern aus dem Retzer und Znaimer Land: Man wolle ausloten, welche Ideen umgesetzt werden sollen und was vom Land NÖ auch ohne Landesausstellung gefördert werden kann. „Das es weniger wird, ist klar.“

Geplante Projekte werden trotzdem umgesetzt

Jede Gemeinde hat im Vorfeld Projekte an die Landesausstellungsfahne geheftet, die aber auch ohne die große Veranstaltung umgesetzt werden: „Wir werden trotzdem die Hängebrücken errichten und weiterhin mit dem Národní park Podyjí zusammenarbeiten“, führt Nationalpark-Direktor Christian Übl das Hardegger Beispiel an. Schrattenthal will die Europawarte erneuern und Zellerndorf den Bildungscampus ausbauen.

Gerhard Forman arbeitet daran, eine Kunstschule in Retz zu etablieren. Das Zollhaus in Mitterretzbach soll künftig historische Momente der Grenzregion – und „Laufhaus der Geschichte“ heißen soll. Die Idee dazu hatte Literat Peter Turrini.

„Aushängeschild Landesausstellung fehlt uns jetzt“

Vieles hat sich bewegt, aber: „Das Aushängeschild ‚Landesausstellung‘ fehlt uns jetzt“, bedauert Übl. „Die Vorbereitungen sollen nicht umsonst gewesen sein“, meint jedoch Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) dazu, dass Retz-Znojmo den Zuschlag nicht bekommen hat. Am Tag, als diese Entscheidung bekannt gegeben wurde, tourte er durch den Hollabrunner Bezirk und sprach auch mit Bezirkshauptmann Andreas Strobl über die Absage.

Die Projekte, die grenzüberschreitend geplant waren, werden politisch trotzdem unterstützt, versicherte Waldhäusl. Warum erhielt Marchegg den Vorzug? „Die Entscheidung wird danach getroffen, wo momentan ein Impuls vom Land am wichtigsten ist“, begründet er. Das Retzer Land sei touristisch schon sehr aktiv und gut aufgestellt. „Der Bereich Marchegg hat’s dringend notwendiger.“

Sanierungsbedürftiges Schloss als großes Pro

Nigl vermutet, dass das Schloss Marchegg ein großes Pro in der Entscheidungsfindung war. „Das Schloss ist sanierungsbedürftig. Die Nationalpark-Verwaltung und die Gemeinde wollen dort einziehen“, führt er aus. „Wir haben gewusst, dass nur einer gewinnen kann.“

Georg Ecker, Landtagsabgeordneter der Grünen, bedauert die Absage; doch allein der Versuch habe für mehr Zusammenarbeit zwischen Retz und Znaim gesorgt. „Das ist auf jeden Fall positiv.“ Die Landesausstellung wäre auch „für den Öffi-Ausbau eine riesen Chance“ gewesen. Denn auch auf diesen werde im Zuge von neuen Projekten für Touristen geachtet.

Retzer wissen, welches Potenzial in Region liegt

„Man weiß nicht, was besser ist: ein Jahr der Hype oder die kontinuierliche Weiterentwicklung“, schließt Nigl. „Mit der Landesausstellung hätten wir viele Mitstreiter gefunden.“ Man wisse aber, welches Potenzial in der Region liegt.

2021, ein Jahr vor der hinausgeschobenen Landesausstellung 2022 in Marchegg, will man möglicherweise trotzdem aufzeigen. Nigl bleibt aber vage; vielleicht wird‘s eine Veranstaltung wie jene im Jahr 2001: „Retzer Land – Feuriges Land“.