Stadtwerke-Leiter startet mit Minibrauerei durch. Thomas Bauer, Stadtwerke-Leiter in Hollabrunn, hat im Lockdown seine Minibrauerei als Gewerbe angemeldet: Sechs verschiedene Biersorten stehen zum Verkauf.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 21. Oktober 2020 (04:13)
In seinem Braukellerfindet Thomas Bauer die pure Entspannung und Ausgleich zu seinemHauptberuf. „Bierbrauen ist echt eine Philosophie“ sagt er. Am liebsten mag er sein Fellabrunner „Green IPA“, ein „Damenbier“.
Elisabeth Hess

Es begann vor etwa 25 Jahren mit einem Glühweinkessel. Nur, dass Thomas Bauer keinen Glühwein, sondern Bier produziert hat. Als er an die ersten Brauversuche zurückdenkt, schmunzelt der Oberfellabrunner Ortsvorsteher: „Das hat damals wirklich noch nicht nach Bier geschmeckt.“ Heute kann sich das Ergebnis sehen und schmecken lassen: Bauer braut sechs verschiedene Biersorten, jedes habe seinen eigenen Charakter. Besonders gern habe er sein „Green IPA“, das er wegen seines Maracuja-Geschmackes auch als „Damenbier“ bezeichnet.

Dass im Weinviertel, das vor Qualitätsweinen strotzt, Bier gebraut wird, ist durchaus etwas Exotisches: „Im Weinviertel steht der Wein natürlich an erster Stelle, daher ist die Bierbrauerei einmal eine Abwechslung“, meint der Hobbybrauer. Dabei komme es auf viel Fingerspitzengefühl an, denn „beim Bierbrauen kann man auch viel falsch machen“, erzählt er in seiner Kleinbrauerei. Daher hält sich Bauer bei der Herstellung immer streng ans Rezept und notiert äußerst penibel alle Mengenangaben.

„Aus meiner Sicht ist das Bierbrauen noch eine Spur schwieriger als die Herstellung von Wein“, meint der Weinviertler. Bei der Frage, ob er Wein oder Bier bevorzuge, muss Bauer etwas länger überlegen. „Ich mag beides sehr gerne, ich bin aber für 60 Prozent beim Bier und für 40 Prozent beim Wein.“

"Learning by Doing"

Beim Bierbrauen folgte der 54-Jährige dem Prinzip „Learning by Doing“: „Ich habe mir das Bierbrauen selbst beigebracht; natürlich habe ich auch sehr viele Bücher darüber gelesen und im Internet recherchiert.“ Das Besondere an seinem Bier sei, dass es auf seinen eigenen Geschmack abgestimmt ist und somit auch seine persönliche Note enthält.

Dort, wo manche altes Krimskrams lagern oder die Wäsche aufhängen, hat Bauer seine Kleinbrauerei. In seinem Keller in Oberfellabrunn hat er alles, um sein „Fellabrunner“ Bier herzustellen: Ein Braukessel, ein Gärfass, Druckfässer und ein Gegendruckfüllapparat sind sein ganzer Stolz.

Grundsätzlich brauche er fürs Bierbrauen sieben bis acht Stunden: „Viele fragen mich, warum ich mir das neben meinem Beruf noch antue, aber für mich ist das die pure Entspannung“, lächelt er. Bei der Herstellung komme es auf viele Faktoren an: So spielen die Malzsorte, der Hopfen, die Temperaturstufen und die Wassermenge eine wichtige Rolle: „Das ist wirklich eine Philosophie, die Geschmäcker sind extrem unterschiedlich. Wenn ich zehn Leute frage, habe ich zwölf unterschiedliche Meinungen.“

„Das Gute an Corona – wenn man das so sagen kann – ist, dass die Leute jetzt wieder mehr auf Regionalität und Qualität achten“Thomas Bauer

Seit Beginn der Coronakrise braut er auf professioneller Ebene: „Da habe ich einfach mehr Zeit gehabt und schlussendlich meine Brauerei als Gewerbe angemeldet“, sagt er stolz. Seitdem liefert er sein Bier an private Kunden und an Regionalshops. „Das Gute an Corona – wenn man das so sagen kann – ist, dass die Leute jetzt wieder mehr auf Regionalität und Qualität achten“, stellt er fest.

Wie es mit seiner Brauerei weitergehen soll? „Ich möchte das Ganze langsam und ohne Druck aufbauen und natürlich auch keinen Verlust damit haben“, erwähnt Bauer. Für ihn ist Bier ein Genussmittel und Hobby zugleich. Am besten schmecke es in Gesellschaft, so wie es auch sein Slogan „For good Fellas“ verspricht. Na dann, Prost!

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