Schrattenthal , Bezirk Hollabrunn , Hollabrunn

Erstellt am 06. Februar 2019, 04:15

von Sandra Frank

Landwirtschaft: „Der Konsument hat’s in der Hand“. Vielfältig bleiben, Nischenprodukte anbieten, so könne die Landwirtschaft überleben.

Barbara Sablik-Baumgartner, Direktorin der HLT Retz, und Fritz Schechtner, Obmann der Bezirksbauernkammer wissen, dass Konsumenten immer mehr darauf schauen, wo ihre Nahrungsprodukte herkommen.  |  Sandra Frank

Schrattenthal ist eine Bildungsgemeinde, darum gibt es das F O R U M Schrattenthal, erklärte der frisch gebackene Stadtchef Stefan Schmid, als er zur ersten Veranstaltung begrüßte. „Das Forum ist eine Plattform für Themen, die uns beschäftigen.“

Gibt es 2040 noch Landwirte oder sind wir ein Tourismusgebiet? Diese Frage sollte nicht nur Johannes Mayr, Geschäftsführer der KeyQUEST Marktforschung, beantworten, sondern auch vier Diskutanten am Podium mit dem Publikum im Rathaussaal 4.0 besprechen.

Gerald Diem, Winzer und Geschäftsführer Weinquartier Retz und Elfriede Schaffer, Geschäftsführerin „Die Bäuerinnen NÖ“ wollen, dass Landwirte und Tourismus an einem Strang ziehen.  |  Sandra Frank

Mayr präsentierte Zahlen und Prognosen: „Die Entwicklung ist relativ stabil, aber dramatisch.“ Im Jahr 1995 gab es noch 36.000 Weinbaubetriebe im ganzen Land, 2015 waren es nur noch 14.000. 2040 werden davon etwa 4.800 Betriebe übrig sein, so ein Beispiel des Marktforschers. Ebenso verhalte es sich mit landwirtschaftlichen Betrieben.

Warum das so ist, kann der Marktforscher, der selbst Landwirt ist, erklären: Bauern müssen heute mehr produzieren, um zu überleben. Die Preise im Einkauf seien in die Höhe gegangen, im Verkauf aber nicht. Für den Experten ist klar: Der Tourismus werde sich nur dann weiterentwickeln, wenn die Landwirtschaft – und somit die bewirtschaftete Landschaft – vielfältig bleibe. Landwirte müssen sich Nischenprodukte suchen, die nicht austauschbar sind und sich mit dem Konsumenten auseinandersetzen. „Das ist kein einfacher Weg“, weiß Mayr, aber einer, der das Überleben der Bauern sichert.

„Der Konsument wird‘s entscheiden und richten. Wir müssen schauen, dass wir gesunde Lebensmittel zu einem guten Preis produzieren“, ist Bio-Landwirt Gerald Diem überzeugt. Dem Diskutanten am Podium stimmte Zuhörer Walter Fallheier zu: „Man muss auf den Konsument zugehen, der hat‘s in der Hand.“

Ein anderer Gast wünschte sich, dass die Bauern das Produkt der Landschaftspflege erkennen würden. Die schöne Landschaft sei Hauptgrund, weshalb Touristen ins Weinviertel kommen.

Was die Zusammenarbeit von Tourismus und Landwirtschaft betrifft, sei Retz ein Vorzeigeprojekt, meint Diskutant Fritz Schechtner. Als Bauernkammerobmann weiß er, dass seine Zunft für die Kulturlandschaft zuständig ist. „Der Boden ist auch für uns ein wichtiges Thema“, griff er eine Anregung aus dem Publikum auf. „Wir tun, was wir können“, beteuert der Kammerobmann.

So harmonisch wie hier in der Region gehe es in den Interessensvertretungen nicht zu, berichtete Diskutantin Elfriede Schaffer, Geschäftsführerin von „Die Bäuerinnen NÖ“, von Diskrepanzen zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Oft bekomme sie zu hören: „Wir Landwirte arbeiten, der Tourismus verdient nur“, da gleichen Diskussionen eher einem Minenfeld als einem Miteinander.

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