Gerald Fürnkranz: Vom Heer zur veganen Pionierarbeit. Leidenschaft, Ehrgeiz und Liebe zum Weinhandwerk führen den 30-jährigen Obritzer Gerald Fürnkranz zum Erfolg.

Von Romana Schuler. Erstellt am 24. Oktober 2020 (04:43)
Wurde bei der„Austrian WineChallenge“ in den Winzer-Olympgehoben: Gerald Fürnkranz mit seinen Spitzenweinen.
Romana Schuler

Bei einem der weltgrößten Weinwettbewerbe, der „Austrian Wine Challenge“ (AWC Vienna), holte sich Gerald Fürnkranz fünf Mal Gold und drei goldene Sterne für seine auf Histamin geprüften und vegan zertifizierten Weine.

Insgesamt 1.520 Produzenten aus 41 Länder reichten 11.232 Weine ein. Die Beurteilung erfolgt nach strengen Richtlinien: Die internationale Fachjury muss anonym nach einem 100-Punkte-Schema Aussehen, Duft und Geschmack bewerten. Mit mehr als 90 Punkten gilt ein Wein als Spitzenwein und erhält die Goldmedaille. Für die Sterne-Bewertung des Weinguts werden die Gesamtpunkte der sechs besten Weine ausgewertet. Mit drei Sternen und einer Gesamtpunktezahl von 546,3 Punkten steht das Weingut Fürnkranz als bestbewertetes Weingut im Bezirk an der Spitze und hat sich gegen namhafte Mitbewerber durchgesetzt.

„Dass Insekten mit dabei sein könnten, ist leider nicht vermeidbar und ist in jedem Erntevorgang so.“Gerald Fürnkranz über den nicht ganz so veganen „Beigeschmack“

Das traditionsreiche Weingut in Obritz wurde vom 30-jährigen Gerald Fürnkranz in den letzten sechs Jahren sowohl im Bereich der Produktion als auch im Vertrieb modernisiert. Über 18 Weinsorten werden in Gastronomie, Direktverkauf, aber auch über einen Online-Shop und Social Media angeboten. Die NÖN traf den engagierten Winzer in seinem modernen Betrieb zu einem Gespräch.

NÖN: 2013 haben Sie den Betrieb von Ihrem Vater übernommen. War das so geplant?

Gerald Fürnkranz: Nein, eigentlich nicht. Um ehrlich zu sein, bin ich ein Quereinsteiger. Zwar habe ich die Landwirtschaftliche Fachschule in Hollabrunn besucht und diese auch als Weinbaufacharbeiter abgeschlossen, aber dann ging ich zum Bundesheer. Da ich damals sehr sportlich war, hatte ich die Zeit dort sehr genossen. Ich blieb für vier Jahre, absolvierte die Heeresunteroffiziersakademie in Enns und wurde Unteroffizier. Trotzdem wusste ich schon, dass ich nicht immer beim Bundesheer bleiben wollte. Mein Vater bekam dann Probleme mit seiner Schulter und ging in Frühpension. Meine beiden älteren Schwestern waren nicht interessiert an einer Übernahme des Betriebs und so bin ich wieder zurückgekommen.

Wie sind Sie denn dann auf die Idee gekommen, veganen Wein zu produzieren?

Fürnkranz: Wenn man als Unternehmer erfolgreich sein möchte, muss man neue Wege gehen, muss innovativ sein und darf sich auch nicht von außen beeinflussen lassen. Ich wollte etwas Neues machen, was andere Winzer nicht machen. Dadurch, dass eine meiner Schwestern seit Jahren vegan lebt, bin ich auf die Idee gekommen. Weil wir möglichst naturnahen Weinbau betreiben wollen, verwenden wir weder Herbizide noch Insektizide. Vorher waren wir ein auf Masse ausgerichteter Betrieb, wir produzierten also vorwiegend für den Trauben- und Fassverkauf. Ich habe dann nach der Übernahme das Konzept geändert, bin auf die Produktion von Flaschenwein umgestiegen und vermarkte meine Produkte selbst.

Wie viele Winzer gibt es in Österreich, die vegane Weine herstellen?

Fürnkranz: Genau kann ich das nicht sagen, es sind mittlerweile zirka 80 Produzenten vegan zertifiziert. Da ich aber Vorreiter war, habe ich mir gleich die entsprechenden Domains für vegane Weine gesichert. Das ist für unseren Online-Verkauf ganz wichtig, somit scheinen wir in den Suchmaschinen gleich oben auf, ohne groß Werbung schalten zu müssen.

Es befinden sich aber manchmal Insekten in den Trauben, kann man den Wein dann trotzdem vegan nennen?

Fürnkranz: Dass Insekten mit dabei sein könnten, ist leider nicht vermeidbar und ist in jedem Erntevorgang so. Ob ein Wein vegan ist, ist eine reine Sache des Kelterns, also wie die Produktion stattfindet, und die passiert bei uns mit pflanzlichen Produkten. Üblicherweise wird der Traubenmost mit tierischen Mitteln geklärt, bevor dieser zur Gärung kommt. Bevor die Trauben gepresst werden und vergären, fügen viele Winzer üblicherweise tierische Gelatine bei. Wir verwenden seit meiner Übernahme rein pflanzliche Geliermittel, wie Kartoffelstärke oder Erbseneiweiße.

Was sind die nächsten Pläne?

Fürnkranz: Dieses Jahr wurde die neue Lagerhalle errichtet. Bis Ende des Jahres möchte ich nun auch unseren alten Lagerraum umbauen, um unseren Barriquefässern und Amphoren perfekte Bedingungen zu geben. Weiters wird im nächsten Jahr ein Verköstigungs- und Verkaufsraum eingerichtet, wofür zukünftig auch eine vegane Haubenküche angedacht wird.