Online-Talk: Frauen zurück in alten Rollenbildern?. Es ist Tradition, dass sich rund um den Internationalen Frauentag, der am 8. März begangen wird, im AMS Hollabrunn eine Veranstaltung um wichtige Frauenthemen dreht. Durch die anhaltende Corona-Krise war daran heuer nicht zu denken. Nichts zu machen, kam für Gender-Mainstreaming-Beauftragte Claudia Öller aber nicht infrage.

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 06. März 2021 (09:31)
Luden ein: AMS-Expertin Claudia Öller und AMS-Geschäftsstellenleiter Josef Mukstadt.
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So wurde drei Tage vor dem Frauentag zu einem Online-Talk mit Experten eingeladen. Den virtuellen Austausch gibt es somit für alle zum Hineinhören.

Es sei schon wichtig, die Geschichte des Frauentags zu bedenken, leitete Karin Arnberger von der GPA (Gewerkschaft der Privatangestellten) ein und erinnerte, dass dieser seine Wurzeln in der Arbeitnehmerinnenbewegung im frühen 20. Jahrhundert hat. Am 19. März 1911 wurde erstmals mit einem Frauentag um Gleichberechtigung und Wahlrecht gekämpft.

Mit dabei beim AMS-Talk: Josef Mukstadt, Alexandra Goll, Bianca Woisetschläger, Christoph Reiterer, Claudia Öller, Elisabeth Schöberl, Doris Hublik, Elfriede Hofmann, Georg Ecker, Manfred Weigl, Kornelija Haibl und Renate Mihle. Nicht am Screenshot: Maria Aigner, Karin Arnberger.
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„Die Ungleichbehandlung wurde die Corona-Krise verschärft“, mahnte Arnberger. In den Gesundheitsberufen seien die Leistungsträgerinnen erst beklatscht worden, „jetzt nicht einmal mehr das“. Gerade frauendominierte Berufe seien stark von Beschäftigungsrückgängen betroffen.

Ecker: Wertschätzung hat abgenommen

Maria Aigner, Gender-Mainstreaming-Beauftragte des AMS Niederösterreich, stimmte in diesen Weckruf ein, sprach von „Undank auf hohem Niveau“. Es sei wichtig, dass die Tätigkeiten der Frauen entsprechend entlohnt werden. Alles andere wäre ein Desaster für unsere Gesellschaft.

Der Hollabrunner Grünen-Landtagsabgeordnete Georg Ecker bemerkte ebenso, dass die Wertschätzung vom Beginn der Corona-Krise zurückgegangen sei. Es brauche eine nachhaltige Aufwertung der Gesundheitsberufe, von denen nun zu sehen war und ist, wie viel Rückhalt sie der Gesellschaft geben.

Durch die Corona-Situation seien aber noch weitere Probleme zutage getreten. Er freue sich, so Ecker, dass es mehr Budget für den Gewaltschutz gibt und ein Ausbau der Prävention geplant sei. „Da passiert etwas in die richtige Richtung, aber wir müssen noch mehr hinschauen; darauf drängen, dass sich die Situation verbessert; und es braucht noch strengere Kontrollen.“

Der Abgeordnete verwies in diesem Zusammenhang auf den neuen Slogan der Grünen-Frauen: „Yes, we care!“

Die langjährige Grünen-Bezirkssprecher Elfriede Hofmann vermisse einen sichtbaren Fortschritt und brach eine Lanze für mehr Frauen in der Politik. Sie sei sehr stolz auf das Reißverschlusssystem der Grünen.

Renate Mihle, Geschäftsführerin der Leader-Region Weinviertel-Manhartsberg, berichtete von ihrem Engagement im Bereich der Erwachsenenbildung. Hier gebe es nicht zuletzt eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Verein „Frauen für Frauen“. Mihle lud ein, bei den Planungen für die neue Leader-Förderperiode aktiv mitzureden (mehr Infos: www.leader.co.at).

Meisterprüfung im Lockdown absolviert

Einen echten Corona-Erfahrungsbericht lieferte Elisabeth Schöberl vom gleichnamigen Wäscherei- und Textilreinigungsunternehmen in Hollabrunn. Durch Kurzarbeit habe man zwar fast das gesamte Stammpersonal halten können, doch gerade der erste Lockdown sei hart und emotional sehr schwierig gewesen. „Das Thema Vereinbarkeit ist sehr stark auf uns niedergebrochen“, berichtete sie von einer turbulenten Zeit für ihre kleine Familie. Lob gab es für ihren Ehemann, für den die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit sei.

Virtuellen Applaus gab es für Elisabeth Schöberl, da sie im ersten Lockdown ihre Lehre beendet und im zweiten Lockdown erfolgreich die Meisterprüfung abgelegt hat.

Nachfrage nach Teilzeitjobs steigt

Manfred Weigel berichtete schließlich vom Frauenbeschäftigungsprojekt „Luna“ in Hollabrunn, wo viele Frauen an den Arbeitsmarkt herangeführt werden, die keine (oder keine fertige) Ausbildung haben. Diese seien ganz unten in der Einkommensskala – was viele Folgeprobleme mit sich bringe, wie fehlendes Auto oder fehlenden Führerschein bei mangelnden Öffi-Verbindungen. Die Nachfrage nach Teilzeitbeschäftigung wachse: „Wir haben 17 Vollzeitarbeitsplätze, die wir aber splitten dürfen“, erläuterte Weigel. Man richte sich sehr nach dem privaten Umfeld der Frauen. Die betriebsinternen Corona-Tests, die regelmäßig angeboten werden, würden indes sehr gut angenommen.

"Grenze der Belastbarkeit erreicht"

„Gut, dass es diskutiert wird und gut, dass hingeschaut wird“, betonte Bianca Woisetschläger von „Frauen für Frauen“. Die Themen seien in der Beratungsstelle immer da, aber durch die Krise falle die Belastung, der viele Frauen ausgesetzt sind, wieder stärker auf. Das traditionelle Rollenbild komme stärker zum Vorschein. 

Bei vielen seien die Grenzen der Belastung erreicht. „Kinderbetreuung und fehlende Führerscheine sind riesengroße Themen.“ Die Beratung erfolge derzeit vorwiegend telefonisch; im Frauenberufszentrum wurde aber auch ein Onlinekurs etabliert: „Die Flexibilisierung hat sicher auch Vorteile“, meinte Woisetschläger. 

Die punktgenaue Qualifizierung – nicht zuletzt in nicht-klassischen Frauenberufen – werde sehr gut angenommen: „Da gibt es tolle Erfolge.“ Beim Coaching gehe es vor allem darum, die eigenen Potenziale zu erkennen und zu heben.

Weg von den klassischen Lehrberufen?

„Die Lösungen liegen in Bildung und Weiterbildung“, meinte Claudia Öller in ihrem Schlusswort. Das AMS sei mit seinen Joboffensiven in dieser Zeit umso mehr gefordert. Unter 277 Lehrberufen wählen Mädchen und Frauen vorwiegend Friseurin, Einzelhandel und Büro. „Es ist unsere Aufgabe, hier gegenzusteuern“, betonte Öller und berichtete von einer Zusammenarbeit mit der Volksschule Breitenwaida, wo Berufe in Workshops auf spielerische Weise veranschaulicht werden. „Man glaubt gar nicht, wie begeistert die Kinder sind.“ Ein Dank erging an die Beratungsstellen: „Ohne sie könnten wir nicht so agieren.“

AMS-Geschäftsstellenleiter Josef Mukstadt vergaß übrigens nicht zu betonen, dass auch die Vertreter anderer Bezirksparteien zu der Runde eingeladen wurden, doch diese hätten aufgrund von Terminkollisionen absagen müssen. Und dass es im Breitband-Ausbau auch noch ein bisschen was zu tun gibt, offenbarte die schlechte Verbindung, mit der Doris Hublik von der noch jungen Karenzberatung zu kämpfen hatte. Sie stellte ihre Informationen nach einigen Aussetzern der Technik schließlich per Link zur Verfügung.