Hollabrunn

Erstellt am 14. Juli 2018, 04:38

von Christoph Reiterer

Mit Job-Garantie: Von Panik zu Boom. Die Privat-HTL für Lebensmitteltechnologie erfreut sich reger Nachfrage. Die Leiterin erinnert sich auch an andere Zeiten.

Der Maturajahrgang 2018 wurde feierlich verabschiedet. Fixer Bestandteil der Feier ist das sogenannte Freispringen.  |  HTLLT

18 Absolventen hatte die Privat-HTL für Lebensmitteltechnologie, als Gabriele Hager-Wiesböck im Juni 2013 die Leitung der Schule übernommen hatte. „Ein Drama“, erinnert sich die heute 65-Jährige an leichte Anflüge von Panik. Nun steht sie vor ihrem letzten Schuljahr vor der Pensionierung – und die Schule erlebt so etwas wie einen Boom.

Im Jahr 1985 als kleine Unikatsschule mit dem Schwerpunkt Fleischwirtschaft gegründet, hat sich die Privat-HTL ihre Einzigartigkeit bewahrt. Wie begehrt die Absolventen im ganzen Bundesgebiet sind, beweist ein Blick auf die Stellenangebote auf der Website der Schule. 160 Jugendliche werden diese im kommenden Schuljahr besuchen. Ein Rekordwert.

„Haben fertig“. Auch in der Privat-HTL ist nun Sommerruhe eingekehrt.  |  HTLLT

„Keiner verschwindet in der anonymen Masse“

Die „Größe“ beschreibt die Direktorin als Stärke. „Wir haben ein von Großschulen nicht erreichbares Schulklima. Keiner verschwindet in der anonymen Masse.“ Der erste Satz des schulischen Leitbildes: Gegenseitige Achtung und Wertschätzung sind die Basis für ein positives Arbeitsklima. Von den 46 Neuanmeldungen musste keine abgelehnt werden. Das freut die Schulleiterin.

Es sei ein langer Weg zur Aufwertung der Schule gewesen, wo die Schülerzahlen zur Jahrtausendwende wegbrachen. Seit 2012/13 wird mit dem Ausbildungsschwerpunkt „Lebensmittelsicherheit“ berücksichtigt, dass viele Absolventen in diesem Bereich tätig sind.

Brot wird gemacht, das Käsen gelehrt

Technologie und Sensorik, Chemie, Biologie und Mikrobiologie, Wirtschaft und Recht sowie Allgemeinbildung zählen zu den weiteren Schwerpunkten des fünfjährigen Ausbildungsweges, der mit der Reife- und Diplomprüfung – und spannenden Diplomarbeiten – endet. Die fachpraktische Ausbildung in den Laboratorien und Werkstätten findet in Gruppen statt und dominiert den Schulalltag. Da werden Lebensmittel hergestellt, verarbeitet, sensorisch beurteilt, Prozesse gesteuert und kontrolliert, die Sinne sensibilisiert. Da wird Brot gemacht, genauso wie das Käsen gelehrt.

Rund 50 Prozent der Absolventen verschlägt es in die Fleischwirtschaft, etwa die Hälfte davon in den elterlichen Betrieb. Knapp 25 Prozent arbeiten in anderen Bereichen der Lebensmittelindustrie. Rund 20 Prozent studieren weiter.

Bewertungsschema ist „sicher optimierbar“

„Es ist eine Ausbildung mit einem sicheren Job“, kann Hager-Wiesböck mit Fug und Recht behaupten. Heuer steigen mehr als die Hälfte der Absolventen direkt ins Berufsleben ein. Die Reifeprüfung verläuft in der Privat-HTL oft mit weißer Fahne. Diesmal war ein Nebentermin in Mathematik zu verzeichnen, aber: „Man kann das wirklich sehr gut vorbereiten“, meint die Direktorin. Und die „Basis-Aversion“ gegen die Mathematik sei in ihrer Schule auch nicht gegeben, da man hier ohnehin eine naturwissenschaftliche Ader benötigt. Mit dem Bewertungsschema war allerdings auch Hager-Wiesböck nicht glücklich. „Das ist sicher optimierbar.“

Rein in den Bottich. Wer es so weit schafft, hat auch das Zertifikat zum IFS-Manager in der Tasche. Ein Mehrwert, auf den die Schule besonders stolz ist.  |  HTLLT

Besonders stolz ist sie auf die Ausbildung zum IFS-Manager, der mit dem neuen Lehrplan verpflichtend eingeführt wurde. Dabei handelt es sich um ein sehr begehrtes Zertifikat, das in einer großen externen Prüfung am WIFI erworben werden kann. „Eine kleine Matura“, weiß Hager-Wiesböck. IFS steht hierbei für „International Food Standard“.

Ob sie ihrem letzten Jahr an der Schule mit Wehmut entgegenblickt? Gabriele Hager-Wiesböck winkt gelassen ab: „Alles hat seine Zeit und dann passt das auch.“