Zukunftsweisendes Agrar-Projekt ist eröffnet

Die Weinland Agrar GmbH besteht aus vier Gesellschaftern, die eine Erdäpfel- und eine Getreidelagerhalle errichteten und so in die Wertschöpfung der Region investieren. Die Erdäpfel, die am Raffelhof gelagert werden, werden ausschließlich am Lamb Weston/Meijer-Standort in Hollabrunn verarbeitet.

Sandra Frank
Sandra Frank Erstellt am 27. September 2021 | 07:27

Der Raffelhof zählt zu den Katastralgemeinden der Marktgemeinde Wullersdorf und ist gleichzeitig ein Gutshof, der im Besitz des Stifts Melk ist. Darum freute es den Wullersdorfer Bürgermeister Richard Hogl besonders, dass sich vier Gesellschafter aus der Region zu einer GmbH zusammentaten, um genau dort zwei Hallen, eine zur Erdäpfel- und eine zur Getreidelagerung, zu errichten.

Diese wurde nun offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Die Idee dazu stammt von Patrick Noz, Betriebsleiter der Weinland Agrar GmbH. Diese besteht aus den vier Gesellschaftern, die dieses Großprojekt umsetzten: Dominik Ludwigstorff, der durch das Programm führte, Unternehmerin Marianne Frey-Amon, das Benediktinerstift Melk und Rudolf Freudenthal.

Acht Monate Bauzeit für zwei große Hallen

Bereits 2017 gab es erste Gespräche mit dem damaligen Rohstoffleiter von Lamb Weston/Meijer in Hollabrunn, um in die Lagerung der Speisekartoffeln einzusteigen. Die Idee wurde weiterentwickelt und ein Getreidelager geplant. „2019 fanden sich die vier Gesellschafter, die das Projekt umsetzen wollten“, berichtet Noz. 2020 wurde geplant und es wurden die erforderlichen Bewilligungen eingeholt. „Im Jänner 2021, gleich nach dem Dreikönigstag, wurde mit den Erdarbeiten begonnen“, erinnert sich Noz. Trotz verzögerten Lieferungen des Baumaterials wurde die Bauzeit von acht Monaten eingehalten.

Zwei Hallen mit je 1.800 Quadratmetern sind fertiggestellt. In einer werden etwa 8.000 Tonnen Getreide gelagert werden, in der anderen 5.200 Tonnen Erdäpfel. Und die werden ausschließlich am Hollabrunner Lamb Weston/Meijer-Standort verarbeitet. Ziel ist es, die Erdäpfel dort bis Mai oder Juni des Folgejahres zu lagern. Bewusst habe man sich gegen das klassische Kistenlager entschieden, sagt der Betriebsleiter. Die Erdäpfel werden lose in der Halle aufbewahrt und gekühlt, es gibt einen speziellen Lüftungsboden.

Am Raffelhof gelagert, in Hollabrunn verarbeitet

Warum wurde diese Form gewählt? Das sei er Witterung in der Region geschuldet. Durch das feuchte Herbstwetter können Erdäpfel oft erst spät geerntet werden. Dann klebt noch feuchte Erde an der sogenannten tollen Knolle. Der Belüftungsboden macht’s möglich, die Kartoffeln schnell und gleichmäßig zu trocknen. „Die Kartoffelhalle birgt einiges, das in Österreich einzigartig ist“, meint Noz.

Die hochwertige Ausführung, mit der die beiden Hallen errichtet worden sind, spiegle die Einstellung der vier Gesellschafter wider: Sie denken langfristig und setzen auf gute Qualität. Die regionale Wertschöpfung stand beim Bau wie auch bei der Funktion im Vordergrund. Die Erdäpfel, die am Raffelhof gelagert werden, werden nur fünf Kilometer weiter veredelt und verarbeitet.

"Der Mensch soll die Erde bebauen, pflegen und erhalten"

Zusammenschlüsse wie jener der vier Gesellschafter seien zukunftsweisend, betont Bürgermeister Hogl. Gerade Wullersdorf sei von der Landwirtschaft geprägt. Die „Erdäpfelfabrik“, wie der Lamb-Weston-Produktionsstandort in früheren Zeiten genannt wurde, „ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region“.

Landtagspräsident Karl Wilfing weiß um die fruchtbaren Böden des Weinviertels. Darum sei es die einzige Region, in der es kein Stift gebe. Auf die genaue Erklärung dieser Aussage war Georg Wilfinger, Abt des Stifts Melk, sichtlich gespannt. Adelsfamilien hätten sich auf den fruchtbaren Böden des Weinviertels angesiedelt. „Die Mönche haben sie dorthin geschickt, wo Urwald war, nach Zwettl, Melk oder Klosterneuburg“, erklärte Wilfing lachend, der dem CEO von Lamb Weston/Meijer, der aus den Niederlanden angereist war, dankte, dass er das Vertrauen in die Region und die Landwirte aufrechthalte.

Abt Georg durfte die beiden Hallen segnen. Eine Geste, die nicht mehr selbstverständlich sei, wie er betonte. „Der Mensch soll die Erde bebauen, pflegen und erhalten. Manchmal vergessen wir, dass wir ohne Gottes Segen machtlos sind.“