Retz

Erstellt am 05. Juni 2018, 10:36

von Karin Widhalm

„Man ist nie zu alt …“. Fünf Schweizerinnen flogen nach Retz, um bei Béatrice Thal nicht nur den Blick von der Windmühle aus zu aquarellieren.

5.30 Uhr ist Tagwache, um den Flug aus der Schweiz nach Wien zu schaffen, und nach der Fahrt nach Retz hatten die fünf Frauen am Nachmittag schon einen Pinsel in der Hand. Sie belegen einen Malkurs bei Béatrice Thal, vier von ihnen das zweite Mal. Die „Damen mit Lebenserfahrung“, wie sie sich selbst bezeichnen, finden am vorigen Mittwoch ein Plätzchen bei der Windmühle und aquarellierten die Kulturlandschaft.

Die Dame, die zum ersten Mal dabei ist, sieht die richtige Mischung der Farbe mit dem Wasser als Herausforderung. Die Szene muss zudem genau beobachtet werden: Was ist im Vordergrund und was dahinter? Weingärten, der Stadl, dann Sträucher und Bäume bis hin zum Gollitsch und Obernalb wird auf Papier gebracht. „Du analysierst die Landschaft und das bleibt alles viel besser in schöner Erinnerung“, erklärt Thal die Vorzüge der Malkunst.

Da ein Tupfer und dort ein Strich

Sie hilft ihren Schützlingen, macht da ein paar grüne Tupfer oder dort einen olivfarbenen Strich. „Sie zeigt immer alles sehr gut“, schöpft Beatrice Zanettin aus der Erfahrung der Künstlerin. Thal ist wichtig, dass die Teilnehmer experimentieren und sich weiterentwickeln – mit Deckfarbe wird genauso gearbeitet wie mit Pastellkreide. Gemalt wird von Montag bis Freitag im Atelier oder open air etwa in der Pillersdorfer Öhlberg-Kellergasse, im Schrattenthaler Schloss oder Retzer Klostergarten.

„Das ist alles eine große Herausforderung, wenn man bedenkt, dass alle Damen über 70 sind. Ich habe großen Respekt vor ihrer Kraft“, lobt Thal. „Und das zeigt: Man ist nie zu alt, um etwas Neues anzufangen.“ Die Teilnehmerinnen haben sich erst über den Kurs kennengelernt. „Es ist die sanfte, weite Landschaft, die die Schweizer anzieht“, betont Thal, selbst gebürtige Schweizerin. Sie bietet regelmäßig Kurse an, zu finden unter: beathal.at