Schienenersatzverkehr: Fahrrad-Verbot tut Tourismus weh. Hannes Weitschacher kritisiert fehlende Lösung für eine Fahrradmitnahme im Schienenersatzverkehr. ÖBB wäre für Gespräche bereit: „Man muss sich einig werden.“

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:51)

Der Schienenersatzverkehr auf der Nordwestbahnstrecke bereitet den Tourismus-Verantwortlichen Sorgen. „Nicht nur dass die Gäste auf der Nordwestbahn nach Retz nunmehr seit Jahren im Sommer umsteigen müssen, haben es die ÖBB trotz mehrmaliger Intervention von uns nicht geschafft, eine Fahrradmitnahme im Schienenersatzverkehr zu gewährleisten“, hadert Hannes Weitschacher, Geschäftsführer der Weinviertel Tourismus GmbH.

Dass sich der Radverkehr in den letzten Jahren in der Region deutlich gesteigert hat, sei hinlänglich bekannt. Man bemühe sich ständig, das Service für die Gäste zu verbessern. Doch eine umweltfreundliche Anreise mit dem Fahrrad im Zug in die Region Retzer Land sei von Wien aus derzeit nicht möglich.

„Warum zahlen, was mitbestellt wurde?“

„Laut Auskunft würden sich die ÖBB grundsätzlich bereit erklären, einen Radanhänger mitzuführen, und der VOR könnte diesen auch bestellen. Bei der Frage nach der Finanzierung wendet sich der VOR an das Land Niederösterreich“, berichtet Weitschacher.

Das werfe für ihn zwei Fragen auf: Zum einen, warum man den Anhänger extra bezahlen soll, wenn im Zug das Service ja quasi mitbestellt wurde; zum anderen, warum das Land für eine Leistung aufkommen muss, die ohnehin gedeckt ist. „Bekanntermaßen ist ein Zug-Kilometer immer um ein Vielfaches teurer als der Bus-Kilometer“, so Weitschacher.

Auch Landtagsabgeordneter Richard Hogl ist dahinter, hier eine Lösung zu finden, und berichtet: „Das Problem wurde von Landesrat Ludwig Schleritzko bereits beim Verkehrsministerium deponiert.“

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ÖBB-Sprecher Christopher Seif: „Gerne bereit, Konzepte zu entwerfen.“
ÖBB

Man wolle niemandem den Schwarzen Peter zuschieben, sagt ÖBB-Sprecher Christopher Seif auf NÖN-Nachfrage, doch im Schienenersatzverkehr sei die volle Leistung durch die öffentliche Hand bei Weitem nicht abgegolten. Die ÖBB seien jedoch nach wie vor gerne bereit, gemeinsam Konzepte zu entwerfen und umzusetzen. Man müsse sich eben an einen Tisch setzen und sich einig werden, wie sich die Situation am besten lösen lässt.

Die Frage sei unter anderem, ob man die Fahrradmitnahme pauschal umsetzen will: „Für jeden Zug braucht man‘s halt auch nicht.“