Hollabrunns Innenstadt bleibt Streitpunkt. Liste-Stadtrat fordert mehr Impuls fürs Zentrum. Stadtchef und Stadtmanagerin kontern.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 04. Februar 2021 (03:55)
Bat vergebens darum, als Stadtrat für die Innenstadt zuständig sein zu dürfen: Wolfgang Scharinger.
Liste Scharinger

Leere Auslagen, verstaubte Vitrinen, Plakatständer mit alten oder ganz ohne Infos – nicht zum ersten Mal klagt Bürgerliste-Stadtrat Wolfgang Scharinger über das Bild, das sich in der Innenstadt bietet. Vorzuwerfen sei das den politisch Verantwortlichen und dem Stadtmanagement. Es herrsche Ideenlosigkeit.

Mit einfachen Mitteln könnten Maßnahmen gesetzt werden, um die Stadt lebendiger erscheinen zu lassen, sagt Scharinger. Auch in Corona-Zeiten. Die gemeindeeigene Werbeagentur „HVM“ könnte Informationen zu geöffneten Geschäften oder zu den Abholmöglichkeiten bei geschlossenen Geschäften veröffentlichen. Weiters würden der Jahreszeit entsprechend gestaltete Schaukästen ebenso zu einer Aufwertung beitragen wie die Nutzung leerer Auslagen. Überhaupt fordert die Bürgerliste, Gespräche mit den Gebäudeeigentümern zu suchen und eine Anmietung der verwaisten Geschäftslokale durch die Gemeinde in Betracht zu ziehen.

Diese könnten beispielsweise neuen Start-ups oder Kunstschaffenden zur Verfügung gestellt werden, wie dies in anderen Städten bereits erfolgreich praktiziert wird, meint Scharinger. „Und die Gemeinde selbst könnte durch die Belebung des Echoraums wesentlich dazu beitragen, die Sparkassegasse zu beleben. Dass es sich dabei um eine wichtige Einrichtung für die Bevölkerungsbeteiligung am Gemeindeentwicklungskonzept handelt, wissen die Wenigsten und die spärliche Information lädt derzeit nicht unbedingt zum Mitmachen ein.“

Katschnig: „Lächerlich und besorgniserregend“

Kritik, die bei Stadtmanagerin Julia Katschnig, Geschäftsführerin der Hollabrunn Marketing GmbH (HoMaG), zunächst ein Kopfschütteln auslöst: „Den Versuch einer politischen Instrumentalisierung eines Schaukastens finde ich nicht nur lächerlich, sondern auch besorgniserregend und bedauernswert“, sagt sie. Der von Scharinger gerne ins Visier genommene Schaukasten vor dem Regionenshop sei beschädigt. Aktuell seien die Seitenteile in der Glaserei: „Wir werden urgieren“, so Katschnig.

Und: „Herr Scharinger ist seit 2020 Gesellschafter der HoMaG – er hat bislang keine der offenbar unzähligen Ideen zur kreativen Nutzung der 20 Zentimeter tiefen Schaukastenfläche eingebracht.“ Die eigenen Schaufenster befinden sich jedenfalls im Inneren des Gebäudes – „wie alle anderen Geschäftslokale halten wir diese liebevoll in Schuss“, betont Katschnig.

„Scheinbar ist der HoMaG der eigene Auftrag nicht bekannt, wenn sich die Attraktivierung der Innenstadt auf die Gestaltung der Schaufenster des Regionenshops beschränkt“, meint Scharinger dazu. Sein Angebot, als Stadtrat die Agenden für die Innenstadt und den Fremdenverkehr zu übernehmen, sei übrigens erst vor zwei Wochen erneut von Bürgermeister Babinsky abgelehnt worden.

Dieser ist indes verärgert über die ständigen Angriffe. „Er geht damit nicht auf mich, sondern auf die Mitarbeiter der Gemeinde los.“ Das sei auch keine Art der Zusammenarbeit, wie sie der Bürgerliste-Stadtrat immer einfordert. Für den Echoraum habe er erst vor Kurzem mit Katschnig die aktuellen Themen aufgearbeitet, betont Babinsky. „Dieser wird laufend bestückt. Darum kümmert sich der Bürgermeister persönlich“, richtet er Scharinger aus. Dafür, dass die HVM aufgrund der Corona-Situation keine Aufträge hat, könne niemand etwas.

Und die ÖVP habe es nun auch die Hand genommen, Platzhalter für leere Plakatständer zu drucken – die ersten mit den Terminen zur Covid-19-Teststraße.