Schweinefleisch: Konsum & Preis im Sinkflug. Standesvertreter und Unternehmer hoffen nun umso mehr auf Bewusstsein für heimische Qualität.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 28. November 2020 (03:25)
Alfred Dachsberger verzeichnet derzeit einen zehnprozentigen Rückgang bei den Schlachtungen und Umsatzeinbußen.
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Mit dem zweiten Gastro-Lockdown droht wieder ein Preissturz im Rind- und Schweinefleischbereich, mahnt der Bauernbund. Das trifft auch das Unternehmen Dachsberger, das eine Filiale in Maissau führt. Der Schlachthof-Chef sehnt eine lückenlose Kennzeichnungspflicht herbei.

Der Schweinepreis ist wöchentlich am Sinken. Grund dafür ist die Schräglage von Angebot und Nachfrage, da durch den Gastro-Lockdown weniger Fleisch gegessen wird. Ein weiterer Aspekt ist der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. „Die deutschen Schlachthöfe dürfen jetzt gar kein Schweinefleisch nach Asien exportieren; dadurch ist dort sehr viel Ware liegengeblieben. Folglich kommt es in ganz Europa zu sinkenden Schweinefleischpreisen“, erklärt Alfred Dachsberger, Geschäftsführer von Dachsberger & Söhne.

Das bestätigt übrigens Werner Habermann in einem Bericht des NÖ Wirtschaftspressedienstes. Er ist Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf: „Der Schweinepreis ist im Vergleich zum November des Vorjahres um 25 Prozent niedriger und bei den Schlachtkühen sind die Preise in den vergangenen Wochen um rund 30 Prozent gesunken.“

Keine Hamsterkäufe wie im ersten Lockdown

„Wir schlachten um circa zehn Prozent weniger, da die Nachfrage fehlt“, schildert Dachsberger, in dessen Schlachthof ausschließlich österreichische Schweine geschlachtet werden; täglich sind es 1.200. Der Großteil, 80 Prozent, kommt aus Niederösterreich. Zum Vergleich: Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine, „Tönnies“, schlachtet täglich 20.000 Schweine.

Seit der zweiwöchigen Schließung im Juli, da sich Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten (die NÖN berichtete), wurde das ohnehin schon strenge Hygienekonzept bei Dachsberger verschärft: „Wir trennen die Abteilungen noch strenger, testen Urlaubsrückkehrer, haben Hygieneschleusen, messen Fieber und haben eine Mund-Nasenschutz-Pflicht“, erläutert der Chef. Von Kurzarbeit waren und sind seine 200 Mitarbeiter nicht betroffen: „Wir haben im ersten Lockdown wegen der Hamsterkäufe sogar mehr gearbeitet. Jetzt, beim zweiten Lockdown, ist die Nachfrage jedoch nur kurz gestiegen.“

Die Coronapandemie erschwere den Außenhandel. „Vor allem im Vergleich zum Vorjahr, wo wir viel nach China exportiert haben“, sagt Dachsberger, der in Europa nach Italien, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Kroatien und Bosnien exportiert. In Asien ist sein Fleisch auch in Japan, Südkorea und Hongkong gefragt. Dorthin werden vor allem Knochen, Füße und Ohren verkauft. „Wir verwerten das Schwein zu fast 100 Prozent“, berichtet der Geschäftsführer.

Appell an Gastronomie und Konsumenten

Wie sich die wirtschaftliche Situation nun bessern könnte? „Für uns wäre es wichtig, dass in der österreichischen Gastronomie heimisches Fleisch gekauft wird und eine Kennzeichnungspflicht bestehen würde. Dann wären wir nicht von Dumpingpreisen aus Deutschland, Dänemark und Holland abhängig“, betont Dachsberger. Dies wünscht sich auch Werner Habermann: Er appelliert sowohl an die Konsumenten als auch an die Gastronomie, jetzt auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten und zu heimischer Qualitätsware zu greifen.