Neujahrsempfang als Feierstunde mit Moral-Appell. Graberns Bürgermeister mahnte, das Wir-Gefühl wieder mehr in den Vordergrund zu stellen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 19. Januar 2019 (07:09)
Sandra Frank
Bürgermeister Herbert Leeb (r.) war hoch erfreut, dass so viele der Graberner Jungbürger am Neujahrsempfang der Gemeinde teilgenommen haben.

Bereits zum 14. Mal durfte Herbert Leeb Gastgeber des Neujahrsempfangs der Marktgemeinde Grabern sein. Dazu wird eingeladen, um jenen Menschen Danke zu sagen, die das ganze Jahr über mit der Gemeinde zusammenarbeiten und sich in der Gesellschaft einbringen. Der Neujahrsempfang dient weiters auch dazu, Zuzügler zu begrüßen und die Jungbürger – alle, die im neuen Jahr ihren 18. Geburtstag feiern – vor den Vorhang zu holen.

Knapp 20 Jungbürger waren es, die die Gemeinderäte Michael Semmelmeyer und Hubert Hofstetter zum aktiven Mitgestalten in der Gemeinde einluden. „So zeigen wir ihnen, dass wir sie wertschätzen“, meinte Bürgermeister Leeb.

„Ich hab’ miterleben müssen, dass die Bereitschaft des Füreinanders immer weniger wird.“Herbert Leeb, VP-Bürgermeister in Grabern

Die Graberner Vereine und Betriebe, die sich am jährlichen Sommerferienspiel beteiligen, wurden ebenfalls beim Neujahrsempfang geehrt. Für das Gemeindeoberhaupt ist dieses öffentliche Danke ein wichtiger Akt im Jahreskreis. Er habe den Jahreswechsel genützt, „um zurückzuschauen, wie ich mich verändert habe und wie sich andere verändert haben“. Was dem Schöngraberner dabei auffiel, gefällt ihm nicht unbedingt: „Ich hab’ miterleben müssen, dass die Bereitschaft des Füreinanders immer weniger wird.“

Etwa bei den Jahreshauptversammlungen der Feuerwehr, die Anfang des Jahres über die Bühne gingen, habe er beobachtet, dass manche Menschen immer kleiner werden, wenn es etwa darum gehe, Spenden für die Wehr zu sammeln oder etwas auszutragen. Aber auch bei Veranstaltungen werde es zusehends mühsamer, Freiwillige zu finden. „Jeder schaut nur noch auf sich selbst“, stellte Leeb fest.

Jedenfalls so lange, bis jemand selbst Hilfe benötigt. Darum mahnte der Bürgermeister, sich öfter in die Lage des anderen zu versetzen und sich selbst zurückzunehmen, damit das Zusammenleben in der Gesellschaft funktioniere.

Dazu passend sprach Leeb die bevorstehenden EU-Wahlen im Mai an: Aus wirtschaftlicher Sicht gebe es Alternativen zur EU. Doch für den Auftrag, den Frieden zu sichern („Diese Aufgabe ist der EU fast zu 100 Prozent gelungen.“) sehe er keine Alternativen. Darum riet er, das Wahlrecht auszuüben und sich für jene Gruppierungen zu entscheiden, die das EU-Friedensprojekt weiterführen wollen.