Schnaps & Gin: „Dauerbrenner“ räumte ab. Christian Urban steckt viel Herz ins Brennen seiner Köstlichkeiten – und holte zwei Medaillen.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 14. August 2020 (02:53)
Christian Urban ist nicht nur ständig am Brennen, sondern auch am Tüfteln. So entstand sein preisgekrönter Gin. An seinen nächsten Kreationen – dieses Mal mit Rum – arbeitet er bereits.
Christiane Fürst

Beim internationalen Edelbrandwettbewerb „Destillata 2020“ konnte Christian Urban aus Schöngrabern heuer mit beiden eingereichten Proben Medaillen erringen: Beim „Weinbrand Barrique“ war es sogar Gold. Sein Gin schnitt mit Silber ebenfalls sehr gut ab.

Es war Urbans erste Teilnahme bei der „Destillata“, deswegen waren Überraschung und Freude über die Auszeichnungen besonders groß. Und das, obwohl ihm Preise gar nicht so wichtig seien, daher klebe er keine Medaillen auf seine Flaschen. Er gesteht aber: Die „Destillata“-Prämierungen zu zeigen, sei eine Überlegung wert.

Der Schöngraberner erzählt gern von den Anfängen: Begonnen hat nämlich alles in einem Wiener Lokal in den frühen Morgenstunden, als Urbans Vorgesetzter alle Schnäpse bestellte und der süße Brand seiner Frau so gut gerochen habe. „Da haben wir begonnen, darüber zu reden, das selbst zu machen“, erinnert sich der prämierte Schnapsbrenner zurück.

Gesagt, getan: Im Jahr 2000 starteten die ersten Versuche mit der Brennerei seines Cousins und Obst aus Nachbars Garten. Dieser erste Schnaps habe gleich bei der Schnapsgala des Hollabrunner Obstbauvereins die Silbermedaille gewonnen.

Das gute Gespür für die Brennerei verfeinerte Urban bei einem Edelbrandsommelier-Kurs, in dem auch 260 Geschmäcker und Gerüche getestet und trainiert wurden. „Pferdeschweiß war das Schlimmste, aber bei einem Fehler können ähnliche Geschmäcker entstehen, das will man natürlich vermeiden“, erzählt Urban.

2004 eröffnete er mit seiner Familie einen Heurigen, um den Überschuss an Schnaps zu verkaufen. Nach sechs Jahren schloss sich dieses Kapitel wieder. Dennoch blieb er der kulinarischen Bewirtung im kleinen Maßstab treu: In Schalladorf, wo er Schnaps brennt, können Verkostungen, wenn gewünscht mit Verpflegung vom Betrieb Höfinger aus Wullersdorf, gebucht werden. Ein Bummelzug chauffiert zum Quartier.

Mit „Herz und Gefühl“ beim Brennvorgang

Pro Jahr kommt Urban auf etwa 90 Brenntage. Bis zu zwölf Stunden pro Tag verbringt er dann in der Brennerei. „Ich verwende Holz für meinen Brennkessel und muss immer wieder mit viel Herz und Gefühl schauen, ob alles passt“, erklärt er den Brennvorgang.

Ganz ohne Unfälle ist er in den 20 Jahren des Schnapsbrennens nicht davongekommen: Zwei Explosionen habe die Brennerei in Schalladorf hinter sich. Bei beiden konnten größere Schäden verhindert werden, weil Fässer voll Alkohol während des Brandes hinausgetragen wurden.

Wie viele andere Unternehmen wurde Urban während der Corona-Pandemie kreativ und stellt nun Desinfektionsmittel her. Der Idee dazu hatte er, als er während seiner Haupttätigkeit beim Bundesheer die enorme Preiserhöhung der Desinfektionsmittel bemerkte.

In allen Belangen ist ihm Regionalität sehr wichtig. Das Obst stamme größtenteils von einem seiner 340 Bäume, dem Weingut Zöhrer aus Oberstinkenbrunn oder dem Stift Klosterneuburg.

Aus etwas weiterer Entfernung bezieht er seine Marillen, diese kommen aus Kittsee und hätten aufgrund der vielen Sonnentage die beste Qualität. Laut Urban seien sie sogar „besser als in der Wachau“. Obwohl er keinen Bio-Betrieb führt, ist es dem Schöngraberner wichtig, wenig Chemie zu verwenden. Stattdessen bekämpfen 60 Hühner die Insekten, wie etwa Kirschfruchtfliegen.

Auch der Verkauf ist vorwiegend regional organisiert: Neben Großabnehmern wie dem Stift Klosterneuburg gibt es die Brände auch in Hollabrunner Lokalen. In den Spar-Filialen von Urban in Retz und Eggenburg stehen seine Erzeugnisse ebenfalls in den Regalen. „Der Besitzer hat davon gehört und sich gedacht: Bei demselben Namen muss ich das haben“, schmunzelt der Edelbrandsommelier.

Urban tüftelt bereits an neuen Sorten: Rum mit Melasse aus Paraguay und Wermut sind seine nächsten Versuche.