Sensationsfund in Aspersdorfer Vorgarten

Als Gerald Patschka einen Brunnen graben wollte, stieß er auf einen konservierten mittelalterlichen Brunnschacht, der die bairische Kolonisation in dieser Gegend bestätigt.

Redaktion NÖN.at Erstellt am 23. September 2021 | 10:30
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Gerald Patscha aus Aspersdorf fand in seinem Vorgarten beim Graben eines Brunnens 1.000 Jahre alte Holzstücke eines mittelalterlichen Brunnenschachtes. Das bestätigt, dass die erste Phase der Neubesiedelung des Weinviertels aus Bayern um das Jahr 1040/50 startete. Foto: Stadtmuseum Hollabrunn
Foto: Stadtmuseum Hollabrunn

Dem Bauernkammer-Sekretär Gerald Patschka glückte ein Sensationsfund, als er in seinem Vorgarten in Aspersdorf einen Brunnen grub: Er fand ein 1.000 Jahre alte Holzstücke eines mittelalterlichen Brunnenschachts, den das Grundwasser konserviert hatte, wie eine wissenschaftliche Analyse ergab. 

Wer das Brunnenholz sehen möchte, kann es noch bis 1. November im Rahmen der Ausstellung "Der Wilde Osten vor 1.000 Jahren" im Hollabrunner Stadtmuseum. 

Konservierte Holzstücke aus dem Hochmittelalter

Etwa ab den Jahren 1040/1050 wurde das Weinviertel von Bayern aus neu besiedelt. Diese Pioniere gründeten die heutigen Dörfer und Burgen. Schriftliche zeitgenössische Quellen gibt es dazu nur wenige und die Datierung von häufig gefundener Keramik ist nur sehr grob möglich. Archäologisch umso wichtiger sind seltene, zeitlich exakt bestimmbare Fundstücke aus dieser ersten Gründungsphase im Hochmittelalter.

Patschka stieß etwa in einer Tiefe von 3,5 Metern  Tiefe auf konservierte Holzstücke. Nach der Trocknung wurden Holzproben zur Altersbestimmung an Michael Grabner von der Universität für Bodenkultur weitergegeben. Das Ergebnis war sensationell: Das Brunnenholz stammt von mehreren alten Eichen, die ab dem Jahr 936 in diesem Raum gewachsen sind und zwischen 1052  und 1099 gefällt wurden. 

"Hollabrunn im Mittelalter" noch bis 1. November zu sehen

"Diese Datierung bestätigt genau die hochmittelalterliche Siedlungsphase, die bairische Kolonisation", berichtet Gerhard Hasenhündl vom Stadtmuseum Hollabrunn. Aspersdorf bestand damals noch aus zwei Ortsteilen, wie de Experte weiß:  Aus der Siedlung "Aspersdorf" um den Kirchberg und aus "Borenland". "Das ist heute die Zeile entlang des Göllersbachs", weiß Hasenhündl. Erst im Spätmittelalter sind beide Orte durch weiteren Zuzug zusammengewachsen. 

Genau dieses Thema wird in der Ausstellung "Hollabrunn im Mittelalter" im Stadtmuseum beleuchtet. Dieses ist bis 1. November jeden Sonn- und Feiertag von 9.30 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Führungen, auch für Schulen und Gruppen, sind gegen Voranmeldung jederzeit möglich. Genaueres: www.stadtmuseum-hollabrunn.at