Ravelsbacher Singgemeinschaft: „Männer sind Mangelware“. Leopold Bahnholzer (82) will Singgemeinschaft wieder aufbauen.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 21. Februar 2020 (05:50)
Der erfahrene Chorsänger Leopold Bahnholzer wechselt schnell zum Holz-arbeiter.
Sylvia Stark

Leopold Bahnholzer ist Gründungsmitglied der „Singgemeinschaft Ravelsbach“ im Jahr 1973 gewesen. „Seit Jänner 2019 ruht der Verein, da einige Damen ausgetreten sind“, sagt der 82-Jährige im NÖN-Gespräch. Der rüstige Ravelsbacher – er leitete den Chor von 1994 bis 2019 – will die Singgemeinschaft nun wieder aufbauen.

Leopold Bahnholzer in seiner Bauernstube mit den seltenen und kostbaren Bunzenfenstern, einer Glasblastechnik, die im 12. Jahrhundert erfunden wurde.
Sylvia Stark

„Ich habe schon ein paar Leute in Aussicht. Nur die Männer sind noch Mangelware“, erzählt der musikbegeisterte Sägewerksbesitzer in seiner Bauernstube mit bunten Bunzenfenstern. „Die hat meine Schwiegermutter in der Zwischenkriegszeit gegen Schmalz eingetauscht von einem Bauernhof in Elsarn“, erklärt Bahnholzer.

Gleich darauf stimmt er das Lied „Oh Dona Clara“ aus den 1930er Jahren an. „Die Nummer habe ich mit der Chorsängerin Helga Leidenfrost gesungen. Statt dem Liedtext ‚Du bist mein Liebhaber‘, sang sie: ‚Du bist mein Holzwurm‘“, lacht der Schmidataler.

Die Augen von Leopold Bahnholzer funkeln vor Lebensfreude. Wie schafft er es mit über 80 Jahren, so für eine Sache zu brennen? „Mein Lebensexilier ist das Interesse für Kultur und Handwerkskunst. Ich fahre mit dem Rad und schwöre auf Kneipp.“ Und: „Sobald ich mit wem rede, auch mit jüngeren Leuten, habe ich sofort einen guten Kontakt, weil ich im Geist jung geblieben bin.“ Sollte den 82-Jährigen doch einmal die Konzentration ein bisschen verlassen, fasse er die alten Hefte von seiner Meisterprüfung zum Zimmerer heraus. „Da wiederhole ich die Formeln der Statik und es geht schon wieder“, schwört er.

Durch die Liebe zum Ravelsbacher Sägewerk

Aufgewachsen ist Leopold Bahnholzer in Wolfpassing bei St. Ändra-Wördern (Bezirk Tulln). Mit neun Jahren lernte er Violine spielen und debütierte bei einem Schülerkonzert mit der Ouvertüre zur Fledermaus. Seitdem ließ ihn die Musik nicht mehr los. „Beim Zimmermeisterball im Salon Hübner in Wien lernte ich meine Frau Getrude Seitl aus Ravelsbach kennen. Das war im Jahr 1967“, erzählt der alte Herr, wie es ihn nach Ravelsbach verschlug.

Sein Schwiegervater besaß dort ein Sägewerk, welches Bahnholzer übernommen hat, als dieser 1968 starb. Anfang der 1970er Jahre kamen die beiden Kinder Eva und Peter zur Welt. Bahnholzer ist außerdem stolzer Großvater einer Enkeltochter. Vor vier Jahren ist seine Ehefrau gestorben. Seitdem lebt er allein, das Sägewerk leitet ein Pächter. Bahnholzer ist dort dennoch ab und zu aktiv: Alle Sonderanfertigungen aus Holz, die begeisterte Bastler und Heimwerker im Baumarkt nicht bekommen, fertig der Zimmermeister an.

Ist ihm die Säge doch einmal zu laut, schaltet er „das Werkl“ ab und erzählt heitere Anekdoten von seinen Opernbesuchen. Abends geht es dann zur Chorprobe nach Stockerau. „Mit ein paar Sängern aus Ravelsbach und Umgebung haben wir eine Kooperation mit dem Stockerauer Gesangsverein“, fand der 82-Jährige eine Möglichkeit, um gemeinsam zu singen.

Zurzeit studiert Bahnholzer Musicals und eine Nummer von Hubert von Goisern ein. Der Pensionist freut sich über jeden Sänger, der mit ihm die „Singgemeinschaft Ravelsbach“ wieder aufleben lassen möchte.

Kontakt

Leopold Bahnholzer: 0664/157 89 38