Herbert Goldinger will mehr Querverbindungen im Pulkautal

Erstellt am 13. August 2022 | 04:50
Lesezeit: 5 Min
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Mailbergs Bürgermeister Herbert Goldinger erklärt im NÖN-Gespräch, warum sich seine Gemeinde für ein Anruf-Sammeltaxi einsetzte, und wie es um die Energieversorgung der Gemeindegebäude steht. Ob er noch einmal als Bürgermeister kandidieren wird, verriet er allerdings noch nicht.
Foto: Romana Schuler
Bürgermeister Goldinger kritisiert Anbindung an öffentliches Verkehrsnetz.

Herbert Goldinger, Bürgermeister von Mailberg, erzählt zur Halbzeit der Gemeinderats-Legislaturperiode, was in seiner Gemeinde umgesetzt wurde, sprach über Hochwasser-Einsätze und die Energieversorgung.

NÖN: Was ist seit den letzten Gemeinderatswahlen 2020 in Mailberg geschehen?

Herbert Goldinger: Nehmen wir zum Beispiel das Projekt Schwimmteich: Das ist ein Prozess, der sich beim Genehmigungsverfahren über Jahre gezogen hat. Unser Bauverfahren haben wir im Herbst 2021 finalisieren können, und jetzt sind wir schon so weit, dass wir einen Teil der Bauplätze verkauft haben. Wir haben an eine Wohnbaugenossenschaft verkauft, und jetzt werden dort neun Reihenhäuser und ein Wohnhaus mit elf Wohnungen gebaut. Das ist schon ganz konkret, wir waren beim Gestaltungsbeirat und haben auch bereits eine Förderzusage vom Land Niederösterreich.

Was ist der nächste Schritt?

Goldinger: Die Ausschreibung. Die Gemeinde hat das Projekt initiiert und mit der Wohnbaugenossenschaft bestimmte Vorgaben vertraglich vereinbart. Nächstes Jahr ist Baubeginn, und in der zweiten Jahreshälfte 2024 werden die Wohnungen bezugsfertig sein.

Werden die Wohnungen verkauft?

Goldinger: Nein, das sind vorerst Mietwohnungen. Vom Gesetz her sind die Eigentumswohnungen teurer, weil dafür Mehrwertsteuer zu zahlen ist. Vonseiten der Gemeinde ist das auch ein Vorteil, weil man bei Mietwohnungen den Hauptwohnsitz anmelden muss. Wir sind eine kleine Gemeinde, und wir dürfen nicht kleiner werden. Davon hängt die gesamte bestehende Infrastruktur ab. Wenn wir weniger Einwohner werden, haben auch Bankfiliale, Arzt und Greißler künftig weniger Kunden und auch Volksschule oder Kindergarten könnten in ihrem Bestand mittelfristig gefährdet sein.

Hängt das nicht auch stark mit dem öffentlichen Verkehrsnetz zusammen?

Goldinger: Ja, natürlich. Ich als alter Eisenbahner weiß, dass alle Zugverbindungen und Straßen Richtung Wien ausgerichtet sind. Unsere Pulkautaler Bahn von Laa nach Zellerndorf ist eine Querverbindung. Die Infrastrukturen an all diesen Querverbindungen sind schlecht, es gibt zum Beispiel unbeschrankte Eisenbahnkreuzungen, daher müssen dort die Züge langsamer fahren, und die Frequenz ist nicht hoch.

Man hätte diese Querverbindungen schon viel früher modernisieren und nicht ausschließlich auf Autobusse setzen müssen, gerade jetzt in Zeiten der Klimaerwärmung und hoher Spritpreise wäre das sicherlich sinnvoll gewesen. Der Autobus-Fahrplan ist hauptsächlich an die Zeiten der Schulen angepasst. Wenn es keinen Unterricht gibt, gibt es keinen öffentlichen Verkehr, an den Wochenenden fahren ohnehin keine Busse. Viele Pendler sind zwangsweise auf das Auto angewiesen. Seit zwei Jahren haben wir endlich alle zwei Stunden eine Anbindung zum Bahnhof Wullersdorf.

Die Gemeinde Mailberg beteiligt sich an einem Anruf-Sammeltaxi. Warum?

Goldinger: In der Stadtgemeinde Hollabrunn gibt es dieses Anruf-Sammeltaxi viele Jahre. Es gab schon einmal die Idee, für den ganzen Bezirk so ein Taxi zu organisieren, das ist aber aufgrund der Kosten nicht umgesetzt worden. Jetzt werden die Nachbargemeinden Wullersdorf, Göllersdorf und auch wir von Mailberg mitmachen.

Wie funktioniert dieses Modell?

Goldinger: Man bestellt eine Stunde vorher, in Mailberg wird es zwei oder drei Sammelstellen geben. Geplant ist das Anruf-Sammeltaxi von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und am Samstag von 8 bis 13 Uhr. Ich habe mich auch für die Möglichkeit von Fahrten am Sonntagnachmittag eingesetzt, aber das ist an den Kosten gescheitert – die Kosten werden abhängig von der Einwohnerzahl berechnet. Start ist im Herbst 2024. Das Taxi läuft über VOR, und es muss ausgeschrieben werden. Die Kosten für die Fahrscheine sind gleich wie beim öffentlichen Verkehr.

Mailberg ist in der Vergangenheit oft von Hochwasser betroffen worden. Was ist in diesem Bereich geschehen?

Goldinger: In den vergangenen 20 Jahren haben wir in Mailberg schon mehr als zehn Rückhaltebecken gebaut. Wir haben heuer eine Verbesserung beim Einlauf in ein bereits bestehendes Becken umgesetzt, die Kosten betrugen 30.000 Euro, und wir bauen heuer noch ein großes Becken am Ende der Kellergasse Richtung Immendorf. Baubeginn ist noch im August, die Kosten belaufen sich auf 450.000 Euro.

Ein weiteres sehr großes Becken wird nächstes Jahr zur Entlastung der Maltesersiedlung gebaut, dafür sind die Kosten mit 800.000 Euro angesetzt. Für den Hochwasserschutz sind die Förderungen hoch. Teilweise werden die Projektkosten bis zu 90 Prozent gefördert, weil die Kosten bei einem Hochwasserschaden meist höher sind als die Summe, die dem Land durch Förderungen entstehen. Man müsste auch überregional denken, um das gesammelte Regenwasser in den Rückhaltebecken sinnvoll zu verwenden.

Wie sieht es mit der Energieversorgung in der Gemeinde aus?

Goldinger: Wir haben eine Hackschnitzelanlage im Gemeindeamt und beheizen damit das Gemeindegebäude und das gegenüberliegende Kaufhaus samt drei Gemeindewohnungen. Wir haben auf dem Gemeindedach auch eine Photovoltaik-Anlage. Im Kindergarten gibt es eine Erdwärmeheizung, einzig im Feuerwehrhaus haben wir noch eine Gasheizung.

Wir könnten aber mit einer größeren Hackschnitzelanlage auch das in unmittelbarer Nähe liegende Feuerwehrhaus und die Volksschule beheizen. Das werden wir in naher Zukunft mit dem Verbot von Erdgas sicher tun, weil wir so viel Holzverschnitt haben, dass alle Gebäude, die der Gemeinde gehören, damit gut beheizt werden können.

Jetzt ist Halbzeit der Legislaturperiode. Werden Sie bei den nächsten Gemeinderatswahlen ein weiteres Mal für das Amt des Bürgermeisters kandidieren?

Goldinger: Diese Frage stellt sich mir noch nicht; wenn es dann so weit ist, werde ich das mit meinen Freunden in der Partei besprechen.