50 Jahre Stadtgemeinde Schrattenthal: Ein Streifzug. Als die drei Orte zu einer Gemeinde wurden, waren nicht alle froh.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 08. Dezember 2019 (06:25)
Als Zeitzeugen erinnerten sich (v.l.) Franz Schrejma, Sieglinde Klupp und Werner Grolly an die Zusammenlegung der Orte zurück.
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Es war zwar kein weltgeschichtliches Ereignis, doch die Welt der Menschen aus Schrattenthal, Obermarkersdorf und Waitzendorf veränderte es erheblich, als sie sich 1969 zu einer Gemeinde vereinigten. Dieses Gefühl versuchte man bei einem FORUM Schrattenthal spezial auch den Zuhörern zu vermitteln.

Das örtliche Blechbläserensemble „3/4 Blech“ stimmte mit der Titelmelodie der ehemaligen Fernsehsendung „Panoptikum“ die Zuhörer auf die Nachrichten aus aller Welt ein, ehe die Moderatoren Joachim Malleier und Ernst Überreiter einen Überblick über die weltgeschichtlichen Ereignisse vor 50 Jahren gaben.

Ortschef sieht sich als „Reinkarnation dieser Stadtgemeinde“

Bürgermeister Stefan Schmid leitete dann den regionalen Rückblick ein. Für ihn war die Stadtgemeinde immer selbstverständlich. Mit einer Mutter aus Schrattenthal, einem Vater aus Obermarkersdorf und Verwandten in Waitzendorf sieht sich der 36-Jährige als „Reinkarnation dieser Stadtgemeinde“.

Doch obwohl man sich damals auf Anregung des Landes, aber freiwillig, zusammengeschlossen hat, ist vieles bis heute schwierig. Ein Streifzug.

1969 — Die Stadtgemeinde entsteht. „Mit Waitzendorf haben wir ja nie Probleme gehabt. Aber Schrattenthal – die haben sich immer als Städter gesehen“, erzählte die Obermarkersdorferin Sieglinde Klupp, dass es auf der menschlichen Ebene nicht ganz einfach war. Als das Schrattenthaler Stadtwappen auf „unser Rathaus“ in Obermarkersdorf gemalt wurde, habe man das erst verdauen müssen.

Ursprünglich sollte auch Pillersdorf Teil der Gemeinde werden, dort entschied man aber, sich Zellerndorf anzuschließen, wie Franz Schrejma aus Protokollen des Stadtarchivs vortrug.

Drei Orte wachsen zusammen. Auch wenn für die nachfolgenden Generationen die Stadtgemeinde selbstverständlich war, stand und steht dem Zusammenwachsen ein großes Hindernis im Weg: Die Kinder der drei Orte fallen vom Kindergarten bis zur Mittelschule in getrennte Sprengel und lernen sich damit nie kennen. Obermarkersdorfer gehen in Retz in die Schule, Waitzendorfer und Schrattenthaler in Pulkau. Versuche, das zu ändern, scheiterten leider.

Umso wichtiger seien die sehr aktiven Vereine wie Feuerwehr, Musik und Sportverein, um die Kinder zu einen. Anfang der 1970er-Jahre war das unter anderem ein Grund für die Gründung des SV Manhartsberg, durch den es Werner Grolly und Franz Schrejma gelang, die drei Orte sportlich zu vereinen. „Da der Verein aber natürlich nicht Schrattenthal oder Obermarkersdorf heißen konnte, ist mir dann Manhartsberg eingefallen“, erinnerte sich Altbürgermeister Grolly zurück.

Am Podium erzählten (v.l.) Gerhard Hruby, Theresa Divotgey und Alfred Schuster, wie sie die Gemeinschaft in der Stadtgemeinde erleben.
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Ein weiteres Bindeglied war die NÖ Dorferneuerung. Als diese ins Leben gerufen wurde, schaffte man es 1984, dass alle drei Orte als Pilotorte ausgewählt wurden. „Wir sind dadurch stolz geworden auf unsere Orte“, meinte Grolly. Mit Alfred Schuster wurde dann erstmals ein Schrattenthaler Bürgermeister. Gegen Rivalitäten hatte er eine wirksame Strategie: „Schauen, dass in allen Orten etwas umgesetzt wird und es denselben Standard gibt.“

Ist Schrattenthal zukunftsfit? Für die junge Generation gibt es die Trennung nicht mehr, „obwohl man merkt, dass sie noch immer in manchen Köpfen ist“, erzählte Theresa Divotgey.

Es gebe Zuzug und die Einwohner würden stundenlanges Pendeln auf sich nehmen, um hier leben zu können. Michaela Widhalmnannte als junge Mutter zusätzlich das Babytreffen als positives Beispiel, um Kinder und Mütter aller drei Orte zusammenzubringen.

„Viele Zuagroaste investieren sehr viel Energie in unsere Stadtgemeinde“, unterstrich sie die wachsende Gemeinschaft, die sehr vom Zuzug profitiere. Einen Wunsch hatte dann noch Gerhard Hruby: „Am Spielplatz in Schrattenthal steht eine Bank mit der Aufschrift Begegnungszone. Wir müssen darauf achten, dass die ganze Gemeinde zur Begegnungszone wird.“