Das Jahr der Müllberge im Bezirk Hollabrunn. Abfallberaterin tut’s weh, wenn falsch oder gar illegal entsorgt wird.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 16. Januar 2021 (03:38)
Die Menge der Kartonagen, die zu entsorgen waren, wuchs im Corona-Jahr 2020 enorm an. Das war auch in Hollabrunn nicht zu übersehen.
Abfallverband

Durch den Boom im Online-Handel wuchsen 2020 die Müllberge auch im Bezirk Hollabrunn: Über 50 Tonnen mehr an Kartonagen gegenüber 2019 wurden beim Abfallverband Hollabrunn registriert. Die NÖN fragte bei Geschäftsführerin Angelika Büchler nach, wie aufwendig die Entsorgung war.

Ein Klick reicht und nach ein paar Tagen ist das Paket schon da. Das bedeutet aber auch: viel Karton, Plastik, Styropor und sonstiges Verpackungsmaterial. „Das gesamte Jahr 2020 war für uns eine Herausforderung, weil der Verpackungsanteil enorm hoch war“, schildert die Hollabrunner Abfallberaterin Angelika Büchler. Im Vergleich zu 2019 wurden 51,3 Tonnen mehr Karton gesammelt.

An den Feiertagen rund um Weihnachten und Neujahr wurde der Müll freilich nicht weniger, „daher haben wir bewusst die Sammelzentren offen gelassen“, erklärt Büchler. Bei der Glasentsorgung sei ebenfalls ein Anstieg zu erkennen gewesen. Die Austria Glas Recycling rechnet österreichweit mit einer Rekordsteigerung von rund 1.000 Sammel-Lkw-Ladungen mehr als im Jahr 2019. „Obwohl man keine Feste feiern sollte, ist zu erwarten, dass auch der Glasmüll rund um die Feiertage mehr wird“, prophezeite Büchler noch im alten Jahr.

Aufholbedarf bei der Mülltrennung

Die Restmüllanalyse aus dem Jahr 2019 zeigt: In den niederösterreichischen Haushalten landet viel zu viel Biomüll in der Restmülltonne. 27,5 Prozent des Restmülls sind Bio-Abfälle, die in der Biotonne oder am Hauskompost besser aufgehoben wären. „Gerade jetzt in der Corona-Zeit ist es enttäuschend gewesen, wie wenig getrennt wird“, erwähnt Büchler. „Viele, die jetzt um die 30 Jahre alt sind, hatten sicher schon einen Abfallberater in der Schule, und da scheint die Message noch nicht wirklich angekommen zu sein“, analysiert die Chemikerin, die selbst Workshops und Vorträge rund um die Abfalltrennung hält.

„Mülltrennung ist aktiver Umweltschutz“, sagt Angelika Büchler.
privat

Ein großes Problem würden Wohnhausanlagen darstellen, die zum Teil keine Hausbetreuer haben. Da funktioniere die Mülltrennung sehr schlecht, so Büchlers Urteil. Womit das zu tun haben könnte? „Vielleicht ist in der Küche nicht genügend Platz für verschiedene Sammelbehälter, oder es ist Unwissenheit oder Ignoranz – da kommen viele verschiedene Faktoren zusammen“, meint sie. Wer sich bei der Mülltrennung unsicher ist, finde kompetente Ansprechpartner bei den Außendienstmitarbeitern der Abfallsammelzentren, die für Information und Aufklärung sorgen. Leider kursieren viele Gerüchte rund um die Abfalltrennung: „Viele glauben noch immer, dass eh alles zusammengeschmissen und verbrannt wird. Das ist Unsinn!“

Definitiv falsch entsorgt wurde kürzlich ein Sofa, das sich in einen Weingarten verirrt hatte. „Ich verstehe so etwas nicht“, sagt die Abfallberaterin, „ich kann nicht nachvollziehen, was in diesen Menschen vorgeht.“ Wer bei solchen illegalen Ablagerungen erwischt wird, kann mit saftigen Geldstrafen rechnen. Das muss jedoch nicht sein, denn „all diese Dinge kann man kostenlos von zu Hause abholen lassen!“, appelliert die Expertin.

Jeder, der Müll richtig trennt, trage aktiv zum Umweltschutz bei. Die Abfallberaterin und Bloggerin erklärt es so: „Wenn Papier nicht recycelt werden würde, müsste man wieder Holz einsetzen und Wälder abschlagen. Ähnliches gilt für Kunststoff, der aus Öl gemacht wird: Wenn man etwas verwerten kann, braucht man weniger von den primären Rohstoffen; somit können Ressourcen und Geld eingespart werden.“ Trennen ist also angesagt!