Kleinhaugsdorf: Gemeinderat als „Waterboy“ für Nachbarn. Grenzschließung verhindert die gewohnte Trinkwasserbesorgung im Nachbarland.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 25. März 2020 (04:29)
„Schnelle Hilfe ist gefragt“, meint FPÖ-Gemeinderat Alvin Jones und unterstützt seine Nachbarn imMini-Grenzort Kleinhaugsdorf bei der Besorgung des Trinkwassers.
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Worüber sich der Großteil von uns selbst in der Krisensituation keine Gedanken machen muss, ist fließendes Trinkwasser. In Kleinhaugsdorf, direkt am Grenzübergang zu Tschechien, gibt es das nicht. Wasser beziehen die rund 20 Bewohner aus Hausbrunnen; Trinkwasser muss in Flaschen gekauft werden.

„Leider haben der Bürgermeister und seine Kollegen bis jetzt nicht gehandelt, womit ich das Ganze in die Hand nahm.“ Alvin Charley Jones

„Aufgrund der Grenzsperre im Rahmen der Coronakrise ist jedoch die Trinkwasserversorgung in bisherigem Maße nicht mehr möglich“, mahnt nun der Haugsdorfer FPÖ-Gemeinderat Alvin Charley Jones, der ebenfalls in Kleinhaugsdorf lebt. Er wollte nicht untätig sein und hat beschlossen, die Wasserbestellungen seiner Nachbarn entgegenzunehmen und diese im rund sechs Kilometer entfernten Haugsdorf zu erledigen.

„Als Gemeinderat steht die schnelle Hilfe für unsere Gemeindebürger für mich im Vordergrund. Leider haben der Bürgermeister und seine Kollegen bis jetzt nicht gehandelt, womit ich das Ganze in die Hand nahm“, erklärt Jones.

Auf NÖN-Nachfrage gibt ÖVP-Bürgermeister Andreas Sedlmayer jedoch an, diese Angelegenheit nicht als Problem erkannt zu haben. „Alvin Jones hat mich per WhatsApp gefragt, wo er jetzt sein Wasser kaufen soll, nachdem die Grenze gesperrt ist. Ich habe ihm geantwortet: in Haugsdorf.“

Von anderen Bewohnern sei Sedlmayer nicht kontaktiert worden. Langfristig wäre es natürlich interessant, Kleinhaugsdorf an die tschechische Wasserleitung anzuschließen. Denn von Haugsdorf sei man viel zu weit entfernt.

Doch diesbezügliche Gespräche seien natürlich schwierig und in der derzeitigen Situation gar nicht möglich. Zusätzlich komme hinzu, dass der Ort auf der einen Seite der Straße zum Gemeindegebiet von Haugsdorf und auf der anderen Seite zum Gemeindegebiet von Retzbach gehöre.

„Es ist mir klar, dass es für die Menschen wichtig ist, wo sie ihr Wasser herbekommen. Doch die Versorgung besteht nach wie vor, nur eben nicht von tschechischer Seite“, betont der Gemeindechef.