Schul-Direktorin im Interview: „Mehr Stress für Kinder“. Warum sich Direktorin Elke Gartler (Hadreser Volksschule) aus dem Pulkautal wie eine Laborassistentin vorkommt.

Von Romana Schuler. Erstellt am 15. Mai 2021 (04:17)
„Die Prüfungssituation fehlt den Schülern“, meint Direktorin Elke Gartler.
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Seit Kurzem findet in allen Schulen wieder Präsenzunterricht statt, für die Abschlussklassen schon seit dem 12. April. Mit Beginn der Testungen in den Schulen konnten Cluster leichter entdeckt und Schüler frühzeitig in Quarantäne geschickt werden. Im Pulkautal war die Hadreser Volksschule besonders betroffen. Dort kam es innerhalb einer kurzen Zeitspanne zu Clusterbildungen.

Der erste Cluster wurde im Februar, kurz nach den Semesterferien entdeckt und breitete sich rasch auf alle Klassen aus. Daraufhin wurde die ganze Volksschule auf Distance Learning umgestellt. Später traf es nochmals die dritte und vierte Klasse, die sich in Quarantäne begeben mussten. Am 26. April wurde in allen Schulen wieder der Normalbetrieb aufgenommen.

„Ich habe nie gedacht und es gar nicht für möglich gehalten, dass sich in einer meiner Schulen ein Cluster bilden könnte“, erzählt Direktorin Elke Gartler im Gespräch mit der NÖN. Sie leitet die Volksschulen Seefeld-Kadolz und Hadres.

NÖN: Seit zwei Jahren müssen die Schulen mit Maßnahmen gegen Corona leben. Wie hat sich die Situation im Vergleich zum letzten Jahr verändert?

Elke Gartler: Eigentlich nicht so sehr. Aber natürlich, das Testen ist hinzugekommen. Seit dem 8. März wird dreimal wöchentlich getestet. Das nimmt 10 bis 15 Minuten Zeit vom Unterricht weg. Die Kinder machen das inzwischen wirklich gut. Am Anfang gab es manchmal Schwierigkeiten, die Testkits zu öffnen. Dieses intensive Testen verursacht aber auch viel zusätzlichen Müll und mehr Arbeit, weil wir die Daten eingeben müssen. Wir kommen uns schon manchmal vor, als wären wir Laborassistenten. Oder Polizisten, weil zum Beispiel die schriftliche Fahrradprüfung von uns und nicht mehr von Polizisten abgenommen wird. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann hätte ich gern eine unterstützende Kraft, die täglich die Eingaben und Berichte für das Bildungsministerium erledigt (lacht).

Worauf wird noch geachtet, um neue Cluster zu vermeiden?

Gartler: Wir achten insgesamt mehr auf zusätzliche Hygiene. Das bedeutet mehr Händewaschen, schon beim Hereinkommen in der Früh, vor allem nach dem Turnen oder dem Musikunterricht. Die Räume werden regelmäßig gelüftet, die Lehrer tragen FFP2-Masken.

Haben die Schüler Schwierigkeiten, den Unterrichtsstoff im lang andauernden Distance Learning zu bewältigen?

Gartler: Beim Erlernen des Unterrichtsstoffs sind sie gut, aber die Prüfungssituation, die fehlt ihnen. Es bedeutet jetzt mehr Druck und Stress für die Kinder, wenn sie geprüft werden. Wenn man ständig in der Klasse ist, gibt es zwar auch Situationen, in denen der Prüfungsdruck groß ist, aber er ist leichter zu bewältigen, weil man es gewohnt ist. Es gibt Schüler, die gerne selbstständig arbeiten und daher auch mit Fernunterricht bestens umgehen können. In den Volksschulen findet das digitale Unterrichten allerdings nicht in der Form statt, wie in den Mittelschulen. Wir senden diverse Videolinks, verwenden Lern-Apps, ansonsten gibt es die üblichen Hausübungen für die Klasse. Der Mangel an sozialem Umgang wirkt sich aber nicht nur bei den Prüfungen aus, sondern gerade bei den Erstklässlern erkenne ich, dass die Schüler nicht das übliche Gefüge einer Klassengemeinschaft haben, die sich normalerweise spätestens bis Weihnachten in der Klasse entwickelt.