Hollabrunner Ex-Mitschüler kämpfen für Abdullah. Die Jugendlichen der Abschlussklasse der HLW Hollabrunn haben einen Hilferuf gestartet. Denn ihr ehemaliger Mitschüler und Freund Abdullah Hossaini, Flüchtling aus Afghanistan, wird abgeschoben. Sein Ansuchen auf Asyl wurde abgelehnt. Bis 16. März muss er das Land verlassen haben.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 07. März 2021 (14:59)
zVg/HLW Hollabrunn

„Abdullah fand 2015 bei uns Zuflucht und bereicherte unsere Klasse mit seiner Anwesenheit und seinem großen Engagement“, schreiben die Schüler.

zVg/HLW Hollabrunn

Es sei bewundernswert, wie er in kürzester Zeit die deutsche und englische Sprache in Wort und Schrift erlernt hat, um eine Gastronomie-Lehre beginnen zu können. Und das, obwohl er in seinem Heimatland nie eine Schule besucht habe und nicht einmal die Schrift seiner Muttersprache beherrscht.

Anfangs etwas schüchtern, doch schlussendlich selbstbewusst, habe er sich mühevoll ein neues, erfüllendes Leben in Österreich aufgebaut und sich perfekt in die Gesellschaft eingegliedert. „Zeugt dies nicht von Ehrgeiz und dem starken Willen, sich in unserem Land zu integrieren, um damit einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten“?“, kann die HLW-Klasse nicht verstehen, warum Abdullah sein neues Zuhause nun verlassen muss.

"Alle Bemühungen waren somit sinnlos"

 Herausgerissen aus dem dritten Lehrjahr, werde ihm nun die Möglichkeit verwehrt, seine Ausbildung zu beenden und den Lehrabschluss zu erhalten. Die ehemaligen Klassenkameraden vermissen Nächstenliebe und prangern an: „All seine Bemühungen für ein menschenwürdiges Leben in einer sozialen Gesellschaft waren somit sinnlos!“

Um „gegen unmenschliche Abschiebungen“ etwas zu bewirken und Abdullah zu helfen, wurde eine Petition gestartet (https://www.petitionen.com/abdullah_soll_weiterhin_in_osterreich_bleiben). Hunderte haben bereits unterschrieben. Auch ehemalige Lehrerinnen und Betreuerinnen zeigen sich schockiert und hoffen, dass Abdullah doch noch eine Chance erhält.

Sie kämpfen für Abdullah: Eva-Sarah Berecz, Carina Brandstetter, Katharina Dinstl, Corinna Dudaschek, Constanze Rott, Kezban Karpak, Marina Salzgeber, Nicola Reichel, Elisa Preymann, Annabell Malina, Corina Hahn, Corinna Kickinger, Jana Hofmann, Patrizia Feichtinger, Ronja Kral, Marlene Kyncl, Lena Leitgeb, Nora Neuteufel, Viktoria Schachamayr, Lena Steindorfer und Maria-Magdalena Müller.

Stimmen:

„Abdullah ist ein sehr ehrgeiziger, willensstarker und ehrlicher Mensch, der gelernt hat, sich in seinem Gastland voll zu integrieren. Ich wünsche für ihn Asyl, er hat es wirklich verdient.“ Gabriele Weinhappl, Stockerau

„Ich unterschreibe, weil ich Abdullah sei fast fünf Jahren kennen und schätzen gelernt habe. Es ist unglaublich, wie schnell er alles gelernt hat und mit welcher Freude und welchem Optimismus er bei der Sache ist. Ich bewundere ihn so sehr.“ Alexandra Fiedlera, Kleinburgstall

„Ich bin eine ehemalige Betreuerin von Abdullah und sehr schockiert, dass dieser junge Mann abgeschoben werden soll. Er ist einer der herzlichsten und engagiertesten Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte.“ Claudia Bruckner, Altenburg

„Ich schätze Abdullah für seinen Ehrgeiz und sein Durchhaltevermögen, vor allem aber für seine empathische, freundliche und stets wohlwollende Art. Es wäre ein Fehler, einen Menschen wie Abdullah unseres Landes zu verweisen, da er eine Bereicherung für selbiges ist.“ Barbara Hüller-Lichtenegger, Wien