Patientin erlebte OP-Odyssee. Heidemaria Heuritsch ließ sich Verschiebung des OP-Termins nicht gefallen. Spital bedauert Vorfall.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. November 2020 (19:39)

„Ich brauch’ jetzt erst einmal einen Kaffee“, sagt Heidemaria Heuritsch am NÖN-Telefon. Knapp eine Stunde vorher hat die Wullersdorferin eine schlechte Nachricht vom Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf erhalten: Bei ihr wurde ein Speicheldrüsen-Tumor festgestellt.

Eine Operation war für den 18. November angesetzt. Am Dienstag der Vorwoche war sie für eine Untersuchung des Tumors in Mistelbach, um Veränderungen feststellen zu lassen. Und dann kam die Absage der geplanten OP. Es würden nur noch Akut- und Notfallpatienten angenommen, Betten für eine zweite Welle an Corona-Patienten freigehalten werden.

„Eigentlich sollte ich am 24. November operiert werden, der Arzt hat mich aber angerufen und die Operation vorverschoben“, schildert Heuritsch. Eben, um einem möglichen Schwung an Covid-19-Patienten zu entgehen. Der Schock über den verschobenen OP-Termin sitzt tief. Erst in etwa acht Wochen soll operiert werden.

„Es geht um Menschenleben“

„MRT und Ultraschall sagen, dass der Tumor gutartig ist. Aber was ist, wenn nicht?“, weiß die Patientin, dass diese Befunde nicht zu 100 Prozent sicher sind. Außerdem: „Ich bin vorgeschädigt durch den Krebs“, hat die Wullersdorferin Bedenken, dass ihr erneut eine Chemotherapie bevorstehen könnte. „Das belastet nicht nur mich, sondern auch meine Familie“, sagt sie.

„Im Krankenhaus waren alle sehr bemüht“, betont Heuritsch, die sicher ist, dass hier nur Anweisungen des Gesundheitsministeriums befolgt werden. Dennoch schüttelt sie den Kopf über diese Vorgehensweise und denkt dabei an andere Menschen, deren Operationen nun ebenfalls verschoben wurden und die somit länger mit Schmerzen leben müssen. „Da geht’s um Menschenleben, auch außerhalb von Corona“, versteht sie diese Entscheidung des Krankenhauses und des Ministeriums nicht.

„Akute oder lebensnotwendige Operationen werden vorgenommen“, betont Krankenhaus-Sprecherin Barbara Schindler-Pfabigan. Verschoben werden nur Operationen jener Patienten, die dadurch nicht benachteiligt werden. Im Rahmen des Stufenplans der NÖ Landesgesundheitsagentur sei vorgesehen, dass das Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf 62 Betten für Covid-19 Patienten bereitstelle.

20 Prozent aller OPs abgesagt

Insgesamt wurden 20 Prozent aller geplanten OPs im Landesklinikum abgesagt. Wenn die Kapazitäten wieder hochgefahren werden, werden die Patienten sofort verständigt. „Den Betroffenen wurde auch mitgeteilt, dass sie bei einer Verschlechterung ihres Zustandes sofort das Landesklinikum oder ihren Hausarzt verständigen sollen“, sagt Schindler-Pfabigan. Ob Operationen bei einer weiteren Erhöhung der Coronapatienten wieder verschoben werden, könne „heute niemand beantworten“, so die Sprecherin zur Situation.

Nur wenige Stunden, nachdem die NÖN eine Anfrage an das Landesklinikum geschickt hatte, erhielt Heuritsch einen Anruf des Klinikums; mit einer guten Nachricht: Der ursprünglich angedachte Operationstermin am 24. November bleibt bestehen. „Sie haben sich für das Durcheinander am Dienstag entschuldigt, eigentlich werden Tumor-Operationen nicht verschoben.“ Die Wullersdorferin, die in ihrer Verzweiflung auch Peter Hacker, den Wiener SPÖ-Gesundheitsstadtrat, kontaktiert hat, ist erleichtert.

Ursprünglichen Termin wieder angeboten

Dass Heuritsch zunächst abgesagt wurde, bedauert das Mistelbacher Landesklinikum. „Glücklicherweise gibt uns eine OP-Absage die Möglichkeit, der Patientin den ursprünglichen Termin am 24. November wieder anzubieten“, sagt Schindler-Pfabigan, die darauf hinweist, dass eine Geschwulst an der Speicheldrüse zu 90 Prozent gutartig sei, aufgrund des Restrisikos aber eben so bald als möglich operiert werde.